dihw 1 / 2026
Hochleistungswerkzeuge & Bearbeitungsprozesse
Hochleistungswerkzeuge & Bearbeitungsprozesse
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Ausgabe 1 · <strong>2026</strong><br />
ZKZ 30498<br />
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2 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Eric Schäfer<br />
Redakteur<br />
„Wir müssen aufhören zu denken…,<br />
…dass sich die Dinge von selbst regeln“ sagte einst der eher für<br />
seine Spielkunst als für seine Redegewandtheit bekannte<br />
Ex-Fußballnationalspieler K. H. Rummenigge. Und meinte damit<br />
letztlich nichts anderes als die alte Fußballweisheit, die erarbeiteten<br />
Chancen zu nutzen und den Ball „reinzumachen“.<br />
Geschmeidiger formuliert es Alfred Graf Zedtwitz, als Referent des<br />
VDMA Werkzeugbaus im Namen des Vorsitzenden der Fachabteilung<br />
Werkzeugbau Daniel Käfer: „Auswege aus der aktuellen Notlage können<br />
für Werkzeugbauten dort entstehen, wo neue Chancen aktiv genutzt<br />
werden. Wer beispielsweise neue Kunden in sich entwickelnden Märkten<br />
sucht, dem eröffnen sich oft Möglichkeiten, die im heimischen Markt fehlen.<br />
Denn hier zählen die bekannten Stärken des deutschen Werkzeugbaus noch<br />
etwas: Präzision, Verlässlichkeit und höchste Problemlösungskompetenz.“<br />
Optimistische Worte, die auf der Jahrespressekonferenz des Fachverbands<br />
Präzisionswerkzeuge im VDMA nur selten zu hören waren. Zur aktuellen<br />
Situation der Branche lesen Sie auf Seite 13 in dieser Ausgabe.<br />
Es reicht nicht, nur Bürokratieabbau zu fordern. Man muss auch selbst<br />
aktiv werden und kleine Chancen erkennen und nutzen. Dinge allein oder<br />
mit Partnern umsetzen, konstruktiv arbeiten, Marktnischen nutzen,<br />
Prozesse verbessern. Dabei darf die Digitalisierung nicht aus den<br />
Augen verloren werden. Anregungen dazu zeigen einige<br />
beispielhafte Anwenderberichte in dieser Ausgabe.<br />
Denn „dort, wo Zukunftstechnologien, Energieprojekte oder<br />
international wettbewerbsfähige Produktionscluster wuchsen, blieben<br />
die Werkzeugbedarfe stabil. In klassischen Industriezweigen hingegen<br />
dominierten Kostendruck und Unsicherheit“, beschreibt Markus Horn,<br />
ehemaliger Präsident des Europäischen Verbandes für Schneidwerkzeuge<br />
(ECTA), die derzeitige Situation der Präzisionswerkzeugindustrie in Europa.<br />
Chancen sind da, sie müssen nur genutzt werden.<br />
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5 Titelstory<br />
5 Eine für alles auf der GrindingHub: Die super-einfach-Schärfmaschine Lach Diamant<br />
25 Jahre bewährte Sicherheit bei LACH DIAMANT<br />
8 News & Facts<br />
8 Interview<br />
10 Markt/Personalien<br />
16 Veranstaltungen/Messen<br />
20 Rezensionen/Forschung<br />
21 Werkstoffe & Werkzeuge<br />
22 Wie elastisch gebundene Diamantwerkzeuge die Feinstbearbeitung optimieren<br />
24 Verzahnung in die eigene Fertigung geholt<br />
26 Auf der Überholspur zur optimalen Zerspanungslösung<br />
28 Auf steigende Hartmetallkosten reagieren<br />
29 Feinbearbeitungssysteme: Drei neue Lösungen für die Praxis<br />
30 Bearbeitungsprozesse<br />
30 Präzision statt Zufall - Wie deterministische Kornanordnungen das Seilschleifen verändern<br />
36 Löten unter Hochvakuum macht’s möglich.<br />
38 Höchste Qualitätsansprüche beim Entgraten komplexer Bauteile für die Medizintechnik<br />
40 Präzise Verzahnung für die zielgerichtete Kühlung<br />
42 Zahnflanken wirtschaftlich optimieren<br />
43 Komponenten & Zubehör<br />
43 Mikro-Werkzeuge neu gedacht<br />
44 Zentrale Datenplattform verbindet Shopfloor und steigert Effizienz<br />
47 50 Jahre Granitan®: Die Erfolgsbasis für präzise STUDER-Schleifmaschinen<br />
4 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
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Titelstory<br />
Eine für alles auf der GrindingHub:<br />
Die super-einfach-Schärfmaschine<br />
LACH DIAMANT präsentiert die neue<br />
„Dia-2200-mini“ – jetzt mit Achswinkeln<br />
größer als 45 ° für Service und Fertigung<br />
von Dia-Werkzeugen. Live zu sehen auf<br />
der GrindingHub im Mai in Stuttgart<br />
(Halle 7, Stand C56). Ausschlaggebend<br />
für diese Neuentwicklung war die in den<br />
letzten Jahren stark zunehmende Materialvielfalt<br />
der zu bearbeitenden Werkstoffe.<br />
Der Bereich der Faserverbundwerkstoffe<br />
(Composite) gewinnt weiter deutlich<br />
an Bedeutung – von Glasfasergewebe<br />
(GFK) in der Freizeitindustrie über<br />
Kohlefasergewebe (CFK) im Flugzeugbau<br />
bis hin zu Anwendungen in der Landmaschinentechnik<br />
und im Automobilbau mit<br />
Basaltgewebe. Auch in der Möbelindustrie<br />
gewinnt beispielsweise die sogenannte<br />
„Nullfuge“ zunehmend an Bedeutung.<br />
Mit ihrem erweiterten Programm für extreme<br />
Achswinkel ist die Universal-Schleifmaschine<br />
„Dia-2200-mini“ bestens gerüstet,<br />
um diese Herausforderungen sowohl in<br />
der Werkzeug-Neuherstellung als auch im<br />
Service zu meistern. Der folgende Werkzeugeinsatz<br />
sorgt für einwandfreie Fräsergebnisse<br />
und hochwertige Oberflächen –<br />
etwa bei der Bearbeitung von Composite-<br />
Werkstücken – ganz ohne Nacharbeit.<br />
Schärfen eines hochpräzisen PKD-Oberfräsers<br />
Nie war es einfacher, eine<br />
Säge zu schärfen<br />
Doch die neue „Dia-2200-mini“ bietet<br />
noch mehr: für den Service aller Dia-Werkzeuge<br />
in der Holz- und Kunststoffbearbeitung<br />
überzeugt sie durch ihre beeindruckende<br />
Vielseitigkeit im kompakten<br />
Gehäuse. Service und Neufertigung sämtlicher<br />
PKD-Diamant-Werkzeuge – Fräser,<br />
Ritzer, Zerspaner sowie Sägen bis Ø 530 mm<br />
oder Ø 800 mm, je nach Maschinentype –<br />
auch in Mehrfachaufspannung – werden<br />
dank der ausgeklügelten Programme von<br />
LACH DIAMANT schnell, präzise und wirtschaftlich<br />
umgesetzt.<br />
GrindingHub Halle 7, Stand C56<br />
Die «Dia-2200-mini»<br />
«mini 2» goes extreme: Achswinkel größer als 45°<br />
6 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Titelstory<br />
25 Jahre bewährte Sicherheit bei LACH DIAMANT<br />
Erodiermaschinen bergen immer<br />
ein Brandrisiko. Im Erodierprozess entsteht<br />
ein Funken, der durch ein Dielektrikum<br />
– meist auf Öl-Basis – vor Sauerstoff<br />
geschützt wird. Gelangt dennoch<br />
Sauerstoff an den Funken, kann ein Feuer<br />
ausbrechen.<br />
In der Praxis wird das Dielektrikum über<br />
verstellbare Schläuche zugeführt. Werden<br />
diese vom Maschinenbediener nicht sorgfältig<br />
eingestellt, erhöht sich die Brandgefahr<br />
erheblich. Doch auch andere Faktoren<br />
– etwa ungeeignete Elektroden oder<br />
falsche Prozesseinstellungen – können ein<br />
Feuer auslösen.<br />
Deshalb sind Erodiermaschinen heute<br />
standardmäßig vollgekapselt und mit<br />
Feuerlöschanlagen ausgestattet. Dennoch<br />
können selbst kurze Brände großen<br />
Schaden anrichten: Kabel, Motoren, Messsysteme<br />
oder Faltenbälge werden beschädigt,<br />
Prozesse unterbrochen und Maschinen<br />
fallen aus. Selbst wenn die Löschanlage<br />
rechtzeitig reagiert, muss der Feuerlöscher<br />
nach dem Einsatz ersetzt werden –<br />
was zwangsläufig Stillstand bedeutet.<br />
Um genau das zu verhindern, ent wickelte<br />
LACH DIAMANT im Jahr 1999 ein neuartiges<br />
Feuerwarnsystem für alle Erodiermaschinen<br />
zur PKD-Werkzeugbearbeitung.<br />
Herzstück ist ein extrem schnell reagierender<br />
Temperatursensor der direkt über dem<br />
Funken positioniert wird. Erkennt er einen<br />
Brand, schaltet er sofort Generator und<br />
Dielektrikumzufuhr ab, stoppt den Erodierprozess<br />
und informiert den Bediener. Dem<br />
Feuer wird buchstäblich der Atem genommen<br />
– in neun von zehn Fällen erlischt es<br />
sofort.<br />
In den meisten Fällen genügt es, wenn<br />
der Bediener die Position eines Schlauches<br />
korrigiert. Der Prozess kann dann<br />
ohne Neustart der Maschine fortgeführt<br />
wer den – Ausfallzeit gleich null. Sollte das<br />
Feuer dennoch weiterbestehen, über nimmt<br />
ein unabhängiges CO₂-Löschsystem.<br />
Ein Jahr später, im Jahr 2000, ging<br />
LACH DIAMANT noch einen Schritt<br />
weiter: ein mehrstufiges Sensorsystem<br />
wurde eingeführt. Neben dem Temperatursensor<br />
überwacht seither eine Infrarotkamera<br />
den gesamten Maschinenraum.<br />
Das System schaltet im ersten Schritt<br />
alle Aggregate ab – und aktiviert erst im<br />
zweiten Schritt das CO₂-Löschsystem.<br />
Heute – 25 Jahre später – liefert<br />
LACH DIAMANT jede Erodiermaschine zur<br />
PKD-Bearbeitung serienmäßig mit diesem<br />
Temperatur-Sensor<br />
Infrarot-Sensorsystem<br />
dreifachen Sicherheitskonzept aus. Das<br />
Ergebnis: seit der Einführung hat kein<br />
Kunde, der dieses System installiert und<br />
aktiviert hatte, ernsthafte Brandschäden<br />
erlitten.<br />
Im Gegenteil – das Feuerwarnsystem<br />
hat in tausenden von Fällen kleine<br />
Brände im Keim erstickt, ohne dass das<br />
CO₂-Löschsystem eingreifen musste. Damit<br />
konnten nicht nur Kosten und Ausfallzeiten<br />
vermieden, sondern auch unzählige Tonnen<br />
CO₂-Emissionen eingespart werden.<br />
25 Jahre Sicherheit. 25 Jahre Vertrauen.<br />
25 Jahre ohne ernsthafte Brandschäden –<br />
dank LACH DIAMANT.<br />
Feuerwarnsystem<br />
GrindingHub Halle 7, Stand C56<br />
Informationen: www.lach-diamant.de<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 7
News & Facts<br />
Das aktuelle Interview zum Thema:<br />
„Diamant in der Mikroproduktionstechnik“<br />
mit Dr. Evan Thomas, Institut für Mikroproduktionstechnik (IMPT) in Hannover<br />
Dr. Evan Thomas erforscht Diamanten<br />
– erst in London, dann in Cardiff,<br />
jetzt in Hannover am Institut für<br />
Mikroproduktionstechnik (IMPT). Im<br />
Interview spricht er über die faszinierenden<br />
Eigenschaften und den verblüffenden<br />
Nutzen von Diamanten.<br />
Evan, du hast dich schon im<br />
Bachelorstudium mit Diamanten<br />
beschäftigt und bist diesem<br />
Forschungsthema bis heute treu<br />
geblieben. Was fasziniert dich an<br />
Diamanten?<br />
Dr. Evan Thomas: Ich finde es faszinierend,<br />
dass Diamanten für viel mehr als<br />
nur Schmuck verwendet werden können.<br />
Die Anwendungen reichen von Schneid-,<br />
Schleif- und Formwerkzeugen bis hin<br />
zu Hochleistungselektronikgeräten und<br />
Nacht sichtgeräten. Letztere haben mein<br />
Inter esse an diesem Material geweckt. Das<br />
war im dritten Studienjahr meines Bachelorstudiums<br />
am University College London.<br />
Wofür werden Diamanten in der<br />
Mikroproduktionstechnologie<br />
verwendet?<br />
Diamanten haben eine Reihe bemerkenswerter<br />
Eigenschaften und sind deshalb<br />
ideal geeignet für zahlreiche mikrosystembasierte<br />
Anwendungen.<br />
Beispielsweise ist das Material Diamant<br />
eins der stärksten, wenn nicht sogar das<br />
stärkste Material, das Forschern im Sinne<br />
von Festigkeit bekannt ist. Schallwellen<br />
können sich deshalb unglaublich schnell<br />
darin ausbreiten. Dies ermöglicht es, miniaturisierte<br />
mechanische Resonatoren zu<br />
entwickeln, die mit viel höheren Frequenzen<br />
arbeiten als Resonatoren aus anderen<br />
Materialien. Diese Diamantresonatoren<br />
können in grundlegenden physikalischen<br />
Anwendungen eingesetzt werden, beispielsweise<br />
um die Anwendbarkeit der<br />
Quantenmechanik auf makroskopische<br />
Objekte zu demonstrieren. Sie haben auch<br />
praktische Anwendungen, wie beispielsweise<br />
die Hochfrequenzfilterung zur<br />
Trennung von Signalen, die über Kommunikationstechnologien<br />
wie WLAN, 5G und<br />
so weiter gesendet werden.<br />
Was die optischen Eigenschaften an geht<br />
hat Diamant einen hohen Brechungsindex<br />
und ein breites Transmissionsfenster. Dadurch<br />
eignet sich das Material gut für photonische<br />
Schaltungen, die Licht anstelle<br />
von Elektronen für die Informationsverarbeitung<br />
verwenden. Werden kleine Mengen<br />
von Elementen wie Stickstoff oder<br />
Dr. Evan Thomas<br />
Silizium zum Diamantgitter hinzugefügt,<br />
können auch Defekte erzeugt werden –<br />
sogenannte Farbzentren. Solche Farbzentren<br />
können genutzt werden, um winzige<br />
Veränderungen in der Umgebung zu<br />
erkennen und als Bausteine für Quantencomputer<br />
dienen. Das macht Diamant für<br />
die Optik- und Photonikforschung an der<br />
Leibniz Universität Hannover und innerhalb<br />
des PhoenixD-Konsortiums hochinteressant.<br />
Darüber hinaus gibt es auch einen<br />
wachsenden Trend zur Miniaturisierung<br />
von Hochleistungs-III-V-Halbleiterbauelementen,<br />
um mehr in einem gegebenen<br />
Dr. Evan Thomas studierte in<br />
London Elektrotechnik und<br />
Kommunikationstechnik<br />
■ 2012 bis 2015:<br />
Wissenschaftlicher Mitarbeiter<br />
an der Cardiff University<br />
■ Promotion zum Thema<br />
„Nanodiamant für<br />
mikroelektromechanische<br />
Systeme (MEMS)“<br />
■ 2016 bis 2023:<br />
Postdoc an der Cardiff University<br />
SEM-Querschnitt einer 20 μm dicken polykristallinen Diamantschicht (Foto: IMPT)<br />
■ seit September 2023:<br />
Aufbau der Gruppe<br />
„Diamantforschung“ am<br />
IMPT in Hannover<br />
8 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
News & Facts<br />
Diamant- und<br />
CBN-Schleifwerkzeugen<br />
mit galvanischer Bindung<br />
Bauvolumen unterzubringen und gleichzeitig höhere elektrische Ströme zu bewältigen.<br />
Dabei entsteht Wärme, welche die Leistung verringert und die Lebensdauer der Bauelemente<br />
verkürzt. Da Diamant die höchste Wärmeleitfähigkeit aller massiven Materialien<br />
besitzt, besteht großes Interesse daran, dünne Diamantschichten in direktem Kontakt<br />
mit diesen Bauelementen zu verwenden. Dadurch ließe sich die Wärme ableiten und<br />
eine weitere Miniaturisierung ermöglichen.<br />
Seit September 2023 baust du am IMPT die Gruppe „Diamantforschung“ auf.<br />
Woran arbeitet ihr im Moment?<br />
Im Moment versuchen wir, alle Prozesse zu etablieren, die notwendig sind, um die<br />
von uns im Labor gezüchteten Diamanten routinemäßig nutzen zu können.<br />
Eine der größten Herausforderungen bei dünnen Diamantschichten ist die oft erhebliche<br />
Rauheit, die nach dem Wachstum zurückbleibt und wegpoliert werden muss. Bei<br />
meiner vorherigen Arbeitsstelle haben wir dafür das Verfahren des chemisch-mechanischen<br />
Polierens (CMP) verwendet. Dabei kommt Siliziumdioxid zum Einsatz, also<br />
im Wesentlichen Sand im Nanomaßstab. Die Technik funktioniert, ist aber sehr langsam.<br />
Deshalb arbeiten wir hier am IMPT an alternativen Poliertechniken und versuchen<br />
gleichzeitig, den CMP-Prozess selbst zu beschleunigen. Das ist derzeit meine Hauptaufgabe<br />
im Labor.<br />
Präzision,<br />
die man sieht.<br />
WE DO.<br />
NON STOP.<br />
Stell dir vor, du blickst in zehn Jahren auf deine Arbeit am IMPT zurück:<br />
Was möchtest du bis dahin erreicht haben?<br />
Ich würde mir wünschen, dass das IMPT über eine gut etablierte Diamantgruppe verfügt,<br />
die für ihre solide Arbeit im Bereich der Verwendung von Diamanten in Mikrosystemen<br />
bekannt ist. Das IMPT verfügt über eine Reihe von Reinraumanlagen, und<br />
weitere werden zurzeit beschafft. Damit wird das Institut bestens ausgestattet sein,<br />
um fortschrittliche Diamantkomponenten herzustellen – und als Fertigungspartner<br />
für andere Diamantgruppen zu fungieren, die über neuartige Anwendungen und<br />
Methoden zur Charakterisierung verfügen, aber nicht unbedingt über die Mittel zur<br />
Herstellung.<br />
Was unterscheidet die akademische Arbeit in Deutschland von der<br />
in Großbritannien? Welche Unterschiede haben dich überrascht?l<br />
PASSION.<br />
Beschichtung,<br />
die sitzt.<br />
Hier am IMPT ist mir aufgefallen, dass die Arbeit viel weniger spezialisiert ist. In<br />
Großbritannien hat man als Doktorand und später als Postdoktorand eng gezogene,<br />
bestimmte Aufgaben, die in den eigenen Zuständigkeitsbereich fallen. Hier am IMPT<br />
scheinen wissenschaftliche Mitarbeitende und Postdocs zu einem breiteren Spektrum<br />
von Aufgaben beizutragen. Dazu gehört zum Beispiel die Drittmittelakquise, die<br />
technische Unterstützung, der tägliche Betrieb des Reinraums und so weiter. Das<br />
hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist, dass man schon früh in seiner beruflichen<br />
Laufbahn mit diesen breiteren akademischen Themen vertraut gemacht wird. Das<br />
erleichtert zum einen den Aufstieg in der akademischen Laufbahn und vermittelt<br />
zum anderen ein breiteres Spektrum an Fähigkeiten, wenn man die akademische<br />
Laufbahn verlässt.<br />
Was ist der Unterschied zwischen dem Leben in Niedersachsen und Wales?<br />
Das Lebenstempo ist ähnlich wie in Südwales, und die Kultur und der Humor sind<br />
mir vertrauter als in vielen anderen Ländern.<br />
Was vermisst du an Großbritannien?<br />
Abgesehen von den offensichtlichen Dingen wie Familie und Freunden, vermisse ich<br />
eine gute Tasse Tee, Pub-Besuche am Freitag nach der Arbeit und Diskussionen über<br />
Rugby.<br />
Informationen: www.phi-hannover.de<br />
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Karriere<br />
85 Jahre Präzision und Qualität.
News & Facts<br />
Generationenwechsel<br />
Die HEULE Werkzeug AG erreicht einen<br />
bedeutenden Meilenstein in ihrer Unternehmensgeschichte:<br />
Per 1. Januar <strong>2026</strong> hat<br />
Rik Heule die operative Geschäftsführung<br />
als CEO von seinem Vater Ulf Heule übernommen.<br />
Somit führt nun bereits die 3. Ge -<br />
neration das seit 1961 familiengeführte<br />
Unternehmen in die Zukunft.<br />
Ulf Heule hat die Firma während rund<br />
20 Jahren als CEO geprägt und mit seinem<br />
Engagement, seiner Marktkenntnis und<br />
seinem strategischen Weitblick erfolgreich<br />
weiterentwickelt. Bereits seit mehreren<br />
Jahren ist er zudem als Verwaltungsratspräsident<br />
tätig. Mit der Übergabe der<br />
operativen Verantwortung an seinen Sohn<br />
konzentriert er sich künftig vollständig<br />
auf diese Rolle, unterstützt die Geschäftsleitung<br />
beratend und stellt damit sicher,<br />
dass die familiengeführte Struktur nachhaltig<br />
gestärkt bleibt. Ulf Heule zeigt sich<br />
stolz über die gelungene Nachfolgeregelung:<br />
„Die Übergabe der Firmenleitung an<br />
den eigenen Sohn ist wohl das schönste<br />
Geschenk zur Pension. Ich bin überzeugt,<br />
dass er die Firma im Sinne von meinem<br />
Vater Heiri und mir weitertragen wird.“<br />
Rik Heule kennt das Unternehmen und<br />
deren Werte seit über zehn Jahren. Nach<br />
seiner Ausbildung zum Polymechaniker in<br />
einem externen Betrieb kehrte er rasch zu<br />
HEULE zurück. Dort arbeitete er während<br />
mehreren Jahren in verschiedensten Abteilungen<br />
mit und baute sich ein umfassendes<br />
Verständnis über Produkte, Pro zesse<br />
und Kundenbedürfnisse auf. Mit zusätzlichen<br />
betriebswirtschaftlichen Weiterbildungen<br />
ist Rik Heule somit bestens vorbereitet<br />
für seine neue Rolle als CEO. Er<br />
möchte die Erfolgsgeschichte von HEULE<br />
mit modernen Ansätzen, neuen Technologien<br />
und Innovationskraft weiterschreiben.<br />
Gleichzeitig sind ihm die bewährten<br />
Werte wie Qualität, Zuverlässigkeit oder<br />
auch Swissness besonders wichtig: „Ich<br />
darf 65 Jahre Firmenerfahrung mit neuen<br />
Ideen und Innovationen verbinden. Ich<br />
freue mich sehr, die Verantwortung für<br />
Rik Heule (links) übernimmt als 3. Generation<br />
die operative Verantwortung für die<br />
HEULE Werkzeug AG von seinem Vater<br />
Ulf Heule (rechts), der als Verwaltungsratspräsident<br />
weiter agiert<br />
HEULE zu übernehmen und die Arbeit von<br />
meinem Vater und auch Großvater erfolgreich<br />
weiterzuführen.“<br />
Informationen: www.heule.com<br />
Wettbewerbsfähigkeit der Industrie im Blick<br />
Prof. Jürgen Fleischer, Leiter des<br />
Instituts für Produktionstechnik (wbk) am<br />
Karlsruher Institut für Technologie (KIT),<br />
ist der neue Präsident der WGP (Wissenschaftliche<br />
Gesellschaft für Produktionstechnik).<br />
Sein Ziel für die zweijährige<br />
Amtszeit ist es, gemeinsam mit den Kolleginnen<br />
und Kollegen der WGP die Wettbewerbsfähigkeit<br />
der deutschen produzierenden<br />
Industrie zu stärken: „Mit unserem<br />
Domänenwissen haben wir ein Alleinstellungsmerkmal<br />
und mit diesem Pfund<br />
sollten wir angesichts des weltweiten Konkurrenzdrucks<br />
auch wuchern.“ Fleischer,<br />
der zum 1. Januar <strong>2026</strong> Prof. Michael Zäh<br />
vom iwb München turnusgemäß abgelöst<br />
hat, hat vor seiner Tätigkeit an der Universität<br />
Karlsruhe elf Jahre lang in der Industrie<br />
gearbeitet. „Wir verfügen nicht nur<br />
über geballtes wissenschaftliches Knowhow<br />
über das gesamte Spektrum der<br />
Fertigungstechnik, sondern bringen auch<br />
viel Industrieerfahrung mit ein. Wir kennen<br />
die Herausforderungen produzierender<br />
Unternehmen, und wir können und wol -<br />
len ihnen helfen.“<br />
In der WGP haben sich über 70 führende<br />
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler<br />
zusammengeschlossen. „Produzierende<br />
Unternehmen können sich das einmalige<br />
Know-how der WGP zu allen Bereichen der<br />
Produktionstechnik – bis hin zu Zukunftsthemen<br />
wie Quantentechnologien – zunutze<br />
machen und gemeinsam mit uns<br />
passgenaue Lösungen für ihre spezifischen<br />
Anliegen entwickeln“, berichtet Fleischer.<br />
Im Verbund können zukunftsfähige Technologien<br />
entwickelt und wettbewerbsfähige<br />
Produktionssysteme konzipiert<br />
werden. „Das tiefe Verständnis von Fertigungssystemen<br />
in Deutschland und die<br />
Fähigkeit, innovative Entwicklungen für<br />
den Weltmarkt bereitzustellen, verschafft<br />
uns einen Vorsprung, den wir mit Blick<br />
auf die sinkende Wettbewerbsfähigkeit<br />
Übergabe des Ruders der WGP von<br />
Professor Michael Zäh (rechts) an<br />
Professor Jürgen Fleischer, Leiter des<br />
wbk am KIT, auf der WGP-Herbsttagung<br />
der deutschen Industrie dringlicher denn<br />
je nutzen müssen“, mahnt der neue WGP-<br />
Präsident. Die Herausforderungen der<br />
10 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
News & Facts<br />
neuen Technologien sind gerade für kleine und mittlere Unternehmen<br />
(KMU) wichtig, um sich zukunftsfähig zu machen. „Die<br />
WGP-Institute bieten ihnen hierfür hervorragende Möglichkeiten<br />
zur Zusammenarbeit.“<br />
WGP arbeitet an Produktion von morgen<br />
Die insgesamt 46 international renommierten Universitäts- und<br />
Fraunhofer-Institute der Mitglieder verfügen in ihren jeweiligen<br />
Themenfeldern über Labore auf höchstem technischen Stand,<br />
die als reale Experimentierfelder genutzt werden können. So können<br />
neue Ansätze etwa zu Digitalisierung, Automatisierung oder<br />
Nachhaltigkeit erarbeitet werden. Die Karlsruher beispielsweise<br />
entwickelten für einen Maschinen- und Anlagenbauer einen<br />
3D-Drucker für Faserverbundbauteile. Eine andere Firma unterstützten<br />
sie bei der Einführung von KI-gestützter optischer<br />
Qualitätskontrolle von im Sekundentakt gestanzten Biegeteilen.<br />
Aber auch mit Konsortien größerer Unternehmen arbeiten<br />
die Forschenden zusammen und schufen beispielsweise die<br />
weltweit erste hochflexible Produktionsanlage für Batteriezellen<br />
(AgiloBat).<br />
Brings solutions<br />
to the surface.<br />
Stuttgart, 05-08/05/<strong>2026</strong><br />
Insbesondere Künstliche Intelligenz wird die Produktion radikal<br />
verändern. „Doch gerade kleine und mittelständische Unternehmen<br />
– das Rückgrat unseres Wohlstands – haben oft nicht<br />
die notwendigen personellen und finanziellen Mittel für die<br />
Transformation“, gibt der Karlsruher Wissenschaftler zu bedenken.<br />
Die WGP hat daher das vom Bundesforschungsministerium geförderte<br />
Projekt ProKI im Januar 2025 unter ihrem Dach verstetigt<br />
und bietet seither Workshops, Beratungen, Seminare und<br />
Demonstratoren an – eine niedrigschwellige Unterstützung, die<br />
allen zugutekommt.<br />
Von den Chinesen Geschwindigkeit lernen<br />
Fleischer ist seit über zehn Jahren auch Advisory Professor an<br />
der Tongji Universität in Shanghai, wo er ein Technologiezentrum<br />
für „Advanced Manufacturing“ aufgebaut hat. „China ist und<br />
bleibt ein wichtiger Markt für uns“, betont er. „Früher war ich<br />
unter anderem dort, um deutsche Unternehmen zu unterstützen.<br />
Heute bin ich dort, um von den Chinesen zu lernen, wie<br />
man in einer derart erstaunlichen Geschwindigkeit und Effizienz<br />
den Maschinen- und Anlagenbau vorantreiben kann. Das müssen<br />
wir uns abgucken, wenn wir nicht auf dem Weltmarkt ins<br />
Hintertreffen geraten wollen.“<br />
Ein schnellerer Transfer innovativer Lösungen in die unternehmerische<br />
Praxis ist seit jeher ein Anliegen der Professorinnen und<br />
Professoren, zumal sich die neuen Technologien rasant weiterentwickeln.<br />
So hat Fleischer vor zehn Jahren die WGP-Produktionsakademie<br />
ins Leben gerufen, ein modulares Weiterbildungsangebot<br />
für Praktiker, die sich auf den neuesten Stand der Technik<br />
bringen wollen. Die Module können individuell zu einem<br />
maßgeschneiderten Angebot zusammengestellt werden. „Produzierende<br />
Unternehmen, die ganz vorne mithalten wollen,<br />
müssen innovative Fertigungsverfahren nutzen, um die immensen<br />
Potenziale der neuen Technologien zu nutzen“, so Fleischer.<br />
„Wer sich heute nicht weiterentwickelt, ist morgen nicht mehr<br />
wettbewerbsfähig.“<br />
Hier dreht sich alles ums<br />
Schleifen – und um Sie!<br />
Die Leitmesse<br />
der Schleiftechnik.<br />
grindinghub.de<br />
Informationen: www.wgp.de<br />
In Zusammenarbeit mit<br />
In cooperation with<br />
Trägerschaft<br />
Sponsorship
News & Facts<br />
Vom CTO zum CEO<br />
Bei ISCAR Germany geht eine Ära zu<br />
Ende: Hans-Jürgen Büchner zieht sich nach<br />
einem Vierteljahrhundert an der Unternehmensspitze<br />
in den verdienten Ruhestand<br />
zurück. Den Staffelstab als CEO gibt er an<br />
Erich Timons weiter. Zum 1. Januar <strong>2026</strong><br />
übernahm der bisherige CTO von ISCAR<br />
Germany die Gesamtleitung des Werkzeugspezialisten<br />
mit Sitz in Ettlingen.<br />
Erich Timons ist bei ISCAR Germany kein<br />
Unbekannter: Über 20 Jahre hinweg hatte<br />
der 54-jährige Maschinenbautechniker<br />
unterschiedliche Führungsrollen im Unternehmen<br />
inne. Seit 2015 verantwortete er<br />
als Chief Technical Officer (CTO) die technische<br />
Ausrichtung des deutschen Standorts,<br />
von dem wichtige Impulse für Neuund<br />
Weiterentwicklungen für alle ISCAR-<br />
Gesellschaften ausgehen. Seine bisherige<br />
Position übernimmt Gerhard Bonfert, der<br />
zuletzt Head of Production and Design bei<br />
ISCAR Germany war.<br />
In seiner neuen Rolle wird Erich Timons<br />
an ISCARs erfolgreichem Kurs festhalten:<br />
„Wir werden weiterhin so nah wie möglich<br />
am Kunden sein“, sagt er. „Daran wird sich<br />
nichts ändern.“ Eckpfeiler seiner Strategie<br />
sind der Service rund um die innovativen<br />
Produkte, der partnerschaftliche Umgang,<br />
gute Kommunikation und Nachhaltigkeit<br />
entlang der gesamten Lieferkette. Auf dem<br />
Plan stehen zudem weitere Investitionen<br />
in die Mitarbeiter und den Standort. „Ich<br />
bin stolz, Teil der ISCAR-Familie zu sein und<br />
unsere Werte vorzuleben – jetzt aus einer<br />
anderen Position heraus“, sagt der CEO.<br />
Erich Timons folgt als Geschäftsführer<br />
auf Hans-Jürgen Büchner, der sich in den<br />
wohlverdienten Ruhestand zurückzieht.<br />
Büchner hat ISCAR Germany in den vergangenen<br />
25 Jahren geprägt und das Unternehmen<br />
sicher und erfolgreich auch durch<br />
wirtschaftlich herausfordernde Zeiten<br />
gesteuert.<br />
Hans-Jürgen Büchner (rechts) zieht sich<br />
nach einem Vierteljahrhundert an der<br />
Unternehmensspitze in den verdienten<br />
Ruhestand zurück und übergibt<br />
den Staffelstab als CEO an Erich Timons<br />
Informationen: www.iscar.de<br />
Änderungen im Vorstand von Bosch Rexroth<br />
Dr. Jochen Peter (50) trat zum 1. Januar<br />
<strong>2026</strong> in den Vorstand der Bosch Rexroth AG<br />
in Lohr am Main ein und wird nach einer<br />
Einarbeitungsphase am 1. März <strong>2026</strong> Vorstandsvorsitzender.<br />
Dr. Steffen Haack (59),<br />
wird zum gleichen Zeitpunkt den Vorsitz<br />
abgeben, aber Mitglied des Bereichsvorstands<br />
bleiben. Haack behält die Verantwortung<br />
für die Entwicklung und<br />
wird sich künftig darauf konzentrieren,<br />
neue strategische Wachstumsfelder für<br />
Bosch Rexroth zu identifizieren.<br />
„Steffen Haack gebührt für seinen wichtigen<br />
Beitrag, mit dem er Bosch Rexroth in<br />
den letzten Jahren maßgeblich vorangebracht<br />
hat, große Anerkennung. Den anstehenden<br />
Generationswechsel hat er aktiv<br />
als Mitglied des Bereichsvorstands eingeleitet<br />
und begleitet. Damit hat er die erforderliche<br />
Stabilität in einem anspruchsvollen<br />
Marktumfeld geschaffen und die<br />
Weiterentwicklung von Bosch Rexroth<br />
Vorstandsvorsitzender der<br />
Bosch Rexroth AG ab 1. März <strong>2026</strong>:<br />
Dr. Jochen Peter<br />
vorangetrieben“, sagt Dr. Tanja Rückert,<br />
Mitglied der Geschäftsführung der<br />
Robert Bosch GmbH und Aufsichtsratsvorsitzende<br />
der Bosch Rexroth AG.<br />
Ab 1. März <strong>2026</strong> konzentriert sich<br />
Dr. Steffen Haack als Vorstandsmitglied<br />
auf die Entwicklung und Identifikation<br />
neuer Wachstumsfelder<br />
Dr. Peter hat Maschinenbau und Verfahrenstechnik<br />
an der TU Kaiserslautern<br />
sowie Wirtschaftsingenieurswesen an der<br />
Universität Hagen studiert. Er startete<br />
seine berufliche Laufbahn 2000 als Entwicklungsingenieur<br />
bei BMW, parallel promovierte<br />
er am Fraunhofer Institut und<br />
war im Anschluss unter anderem bei der<br />
Boston Consulting Group in den USA tätig.<br />
2011 wechselte er in die Zeiss Gruppe und<br />
hatte verschiedene Leitungspositionen<br />
inne, bevor er 2017 Vorstandsmitglied der<br />
Carl Zeiss AG wurde. Dort war er bis Ende<br />
September 2025 für die Sparte Industrial<br />
Quality and Research verantwortlich.<br />
Informationen: www.boschrexroth.de<br />
12 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
News & Facts<br />
2025 zwischen Krisenlast und Stabilisierung<br />
„Wir haben drei schwierige Jahre hinter<br />
uns – aber die Talsohle scheint erreicht.“<br />
Mit diesen Worten beschreibt Stefan<br />
Zecha, Vorsitzender des VDMA Fachverbands<br />
Präzisionswerkzeuge, die Lage der<br />
Branche zum Jahresbeginn <strong>2026</strong>. „Trotz<br />
rückläufiger Produktion und gedämpfter<br />
Nachfrage erkennen wir erste Signale der<br />
Stabilisierung. Doch die Wirtschaft kämpft<br />
nach wie vor mit Standortnachteilen. Entscheidend<br />
ist nun, dass die Politik endlich<br />
für verbesserte Standortbedingungen<br />
sorgt – durch schlankere Verfahren, weniger<br />
Bürokratie und eine resilienzfördernde<br />
Digitalisierung.“<br />
Produktion erneut im Minus<br />
Die Präzisionswerkzeugindustrie verzeichnete<br />
im vergangenen Jahr ein Produktionsminus<br />
von rund 7 % auf etwa 8,5 Milliarden<br />
Euro. Viele Unternehmen mussten<br />
Personal abbauen und Investitionen<br />
zurückfahren. Der Inlandsmarkt blieb<br />
schwach, insbesondere aufgrund rückläufiger<br />
Produktion im Maschinenbau und<br />
anhaltender Unsicherheit in der Automobilindustrie.<br />
Zwar stiegen die Bedarfe in Luftfahrt,<br />
Medizintechnik und Verteidigungsindustrie,<br />
diese konnten jedoch die Verluste<br />
nicht ausgleichen.<br />
In Europa gingen die Exporte um 4 %<br />
zurück. China verzeichnete einen deutlichen<br />
Rückgang um 9 %, während die USA<br />
trotz Handelsrisiken mit einem Plus von<br />
2 % erneut wichtigster Auslandsmarkt blieben.<br />
Für <strong>2026</strong> erwartet die Branche insgesamt<br />
eine Konsolidierung auf heutigem<br />
Niveau, sofern keine größeren geopolitischen<br />
Verwerfungen eintreten.<br />
Ruinöser Bürokratiedruck –<br />
Unsicherheiten wachsen<br />
Die zentralen Herausforderungen der<br />
Hersteller von Präzisionswerkzeuge bleiben<br />
unverändert gravierend. Die Bürokratie<br />
belastet Unternehmen erheblich,<br />
insbesondere durch die Vielzahl von<br />
Berichtspflichten. Hinzu kommen die<br />
zunehmende weltpolitische Unsicherheit<br />
sowie schwache heimische Kundenbranchen,<br />
die Investitionen verzögern oder<br />
ganz aussetzen.<br />
Zecha formuliert es deutlich: „Die Unternehmen<br />
sind technologisch bestens aufgestellt,<br />
bräuchten aber endlich politische<br />
Entscheidungen, die Planbarkeit und<br />
Entlastung schaffen!“<br />
Die Hersteller von Zerspanwerkzeugen<br />
mussten 2025 überwiegend kleinere<br />
Umsatzrückgänge hinnehmen. Sowohl<br />
das Inlandsgeschäft als auch der Export<br />
lagen 5 % unter Vorjahr. Die Unternehmen<br />
kämpften mit hohen Kosten, schwacher<br />
Nachfrage und zunehmend kritischen<br />
Rohstoffmärkten.<br />
Werkzeugbau: Deutsche Exporte in die wichtigsten<br />
Lieferländer Jan. – Okt. 2025 (Exporte in 1.000 Euro)<br />
Hartmetall-Recycling in Europa<br />
Besonders spürbar war die Verschärfung<br />
der Wolfram-Restriktionen in China, die<br />
zu Knappheit, prekären Lieferketten und<br />
enormen Kostensteigerungen führten.<br />
Gleichzeitig gewinnen Recyclinglösungen<br />
an Bedeutung: Rücknahmesysteme und<br />
Aufbereitung von Hartmetall in Europa<br />
sowie die effiziente Wiederaufbereitung<br />
von Werkzeugen haben sich seit Jahren<br />
etabliert.<br />
Zecha: „Daher müssen wir alles daransetzen,<br />
den Hartmetallschrott in Europa<br />
zu belassen. Jedes Gramm zählt! Hartmetall<br />
in Europa sichert unsere Souveränität.“<br />
Für <strong>2026</strong> rechnen die Unternehmen<br />
mit einer allmählichen Verbesserung im<br />
Jahresverlauf und hoffen auf ein leichtes<br />
Umsatzwachstum.<br />
In der Spanntechnik blieb das Jahr 2025<br />
ebenfalls deutlich hinter den Erwartungen<br />
zurück. Die Umsätze gingen im hohen<br />
einstelligen Bereich zurück, insbesondere<br />
in der Werkstückspannung, die stark an<br />
Investitionen in neue Maschinen gekoppelt<br />
ist. Das Auslandsgeschäft entwickelte<br />
sich negativ.<br />
Einziger nennenswerter Lichtblick war<br />
Indien mit einem Plus von 10 %, das erstmals<br />
unter die zehn größten Absatzmärkte<br />
aufstieg. Für das Jahr <strong>2026</strong> erwartet die<br />
Branche zwar eine leichte Belebung, aber<br />
insgesamt nochmals einen leicht rückläufigen<br />
Umsatz.<br />
Werkzeugbau kämpft ums Überleben<br />
Präzisionswerkzeuge<br />
4<br />
Der Werkzeugbau sah sich 2025 erneut<br />
mit deutlichen Produktionsrückgängen<br />
konfrontiert. Viele Unternehmen mussten<br />
Insolvenz anmelden. Besonders das<br />
Inlandsgeschäft blieb schwach, während<br />
chinesische Anbieter mit massiv verschärftem<br />
Wettbewerbsdruck den deutschen<br />
Anbietern spürbar zusetzten. Gleichzeitig<br />
verschlechterten sich die Rahmenbedingungen<br />
entlang der gesamten Wertschöpfungskette.<br />
Zumindest blieb das<br />
Exportgeschäft stabil.<br />
Informationen: www.vdma.eu<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 13
News & Facts<br />
Okuma eröffnet neues Solution Center<br />
Die Okuma Europe GmbH setzt ein<br />
Zeichen für die Zukunft: Im März <strong>2026</strong><br />
öffnet in Krefeld das neue Solution Center.<br />
An dem Ort für Innovationen sollen Kunden<br />
aus Deutschland, Benelux und ganz<br />
Europa einen umfassenden, praxisnahen<br />
Einblick in die neuesten Maschinen- und<br />
Automatisierungslösungen des CNC-Werkzeugherstellers<br />
bekommen.<br />
Gleichzeitig lädt das Solution Center<br />
dazu ein, sich intensiv beraten zu lassen,<br />
Ideen auszutauschen und neue Lösungen<br />
zu entwickeln. Im Zusammenspiel mit<br />
dem hochmodernen neuen Schulungszentrum<br />
bietet die Europazentrale in<br />
Krefeld ihren Kunden künftig das volle<br />
Okuma-Erlebnis.<br />
„Nur drei Jahre, nachdem wir die<br />
Erweiterung unseres Krefelder Standorts<br />
be schlossen haben, freuen wir uns<br />
jetzt über die Fertigstellung des Solution<br />
Centers, in dem all unsere Expertise<br />
zusammenfließt. Unsere Kunden werden<br />
langfristig von den hier entstehenden<br />
Synergien profitieren“, erklärt Norbert<br />
Teeuwen, Geschäftsführer der Okuma<br />
Europe GmbH.<br />
Umfassender Lösungsanbieter<br />
Im neuen Solution Center erleben Besucher<br />
Okuma als echten Full-Service-<br />
Solution-Provider: Das Unternehmen präsentiert<br />
eine Auswahl seiner Maschinen<br />
in Kombination mit einem breiten Spektrum<br />
modernster Automatisierungs- und<br />
NC-Bearbeitungstechnologie. Gezeigt<br />
werden zum einen standardisierte<br />
Inhouse-Automatisierungssysteme wie der<br />
Okuma ARMROID, zum anderen unterschiedliche<br />
Automatisierungslösungen<br />
führender Technologiepartner wie Promro,<br />
RoboJob, Cellro und Indunorm. So erleben<br />
Kunden zum Beispiel das 5-Achs-<br />
Bearbeitungszentrum GENOS M460V-5AX<br />
mit externer Automatisierungslösung,<br />
oder die LT2000 EX mit Okuma-eigenem<br />
Portalladersystem. Anhand dieses umfangreichen<br />
Smart-Factory-Portfolios lassen<br />
sich individuelle Anforderungen vor Ort<br />
optimal demonstrieren, abstimmen und<br />
im weiteren Verlauf maßgeschneidert<br />
umsetzen.<br />
Um den Full-Service zukünftig noch<br />
besser an einem Ort erlebbar zu machen,<br />
werden sowohl die komplette Anwendungstechnik<br />
als auch das Schulungszentrum<br />
der Okuma Deutschland GmbH in das<br />
neue Gebäude in Krefeld einziehen.<br />
Ausstellung ab März <strong>2026</strong> besuchen<br />
Das neue Solution Center lädt Besucher ab<br />
März <strong>2026</strong> zu einer Reise durch die Welt<br />
moderner Fertigungstechnologie ein – von<br />
der Maschinen- und Technologieausstellung<br />
bis zu praxisnahen Schulungen und<br />
Trainings an der intuitiv bedienbaren OSP-<br />
Steuerung. Termine können bequem über<br />
den jeweiligen Okuma-Ansprechpartner sowie<br />
über die Websites von Okuma Europe<br />
und Okuma Deutschland angefragt werden.<br />
Informationen: www.okuma.eu<br />
Digitale Technische Dokumentation schont Ressourcen<br />
BENZ Tooling geht einen weiteren Schritt<br />
in Richtung Digitalisierung und Nachhaltigkeit:<br />
Ab sofort erhalten Kunden die<br />
technische Dokumentation zu ihren Produkten<br />
in digitaler Form.<br />
Unter dem Leitsatz „BENZ goes green“<br />
verbindet das Unternehmen ressourcenscho<br />
nendes Arbeiten mit spürbarem<br />
Mehr wert für die Anwender. Kunden profitieren<br />
von der jederzeitigen Verfügbarkeit<br />
der Unterlagen, ohne physische Dokumente<br />
vorhalten zu müssen. Übervolle<br />
Dokumentationsordner und Schränke?<br />
Mit der BENZ digitalen Dokumentation<br />
garantiert nicht! Der Zugriff ist von überall<br />
per Smartphone oder PC möglich – ob<br />
am Arbeitsplatz, in der Werkstatt<br />
oder direkt an der Maschine. Darüber<br />
hinaus bleibt die digitale Dokumentation<br />
stets aktuell: Änderungen,<br />
Ergänzungen oder sicherheitsrelevante<br />
Hinweise werden unmittelbar<br />
auf dem Server zum Abruf bereitgestellt,<br />
sodass veraltete Informatio nen<br />
und Papierhandbücher der Vergangen -<br />
heit angehören. Gleichzeitig trägt die<br />
Umstellung aktiv zum Umweltschutz bei,<br />
da Papier- und Platzverbrauch für die<br />
Lagerung entfallen – ein Pluspunkt nicht<br />
nur für Nachhaltigkeit, sondern auch für<br />
effizientes Datenmanagement.<br />
Jederzeitige Abrufbarkeit –<br />
diverse Optionen<br />
Der Abruf der technischen Dokumentation<br />
erfolgt bequem über mehrere Wege:<br />
Direkt am Aggregat ermöglicht das digitale<br />
Typenschild BENZ i.tag den sofortigen<br />
Zugriff per Scan des integrierten NFCbzw.<br />
RFID-Tags mit einem mobilen Endgerät.<br />
Alternativ kann die Dokumentation<br />
auf der BENZ Tooling Website über die<br />
eindeutige Produktkennzeichnung auf<br />
dem Typenschild abgerufen werden.<br />
Zusätzlich steht auf allen Begleitdokumenten,<br />
wie Rechnungen und Lieferscheinen,<br />
sowie in der Produktverpackung,<br />
ein globaler QR-Code zur Verfügung, der<br />
den Kunden ebenfalls auf die technische<br />
Dokumentation auf der Website leitet.<br />
Erweitertes Feature<br />
für das digitale Typenschild<br />
Das BENZ i.tag, das bislang bereits Produktdaten<br />
und allgemeine Kontaktdaten<br />
enthält, wurde nun um die technische<br />
Dokumentation erweitert. Damit wird es<br />
zur zentralen Informationsschnittstelle<br />
direkt am Produkt und unterstützt Kunden<br />
beim effizienten Arbeiten sowie der Inbetriebnahme<br />
und Wartung ihres Aggregats.<br />
Informationen: www.benztooling.com<br />
14 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
News & Facts<br />
Wiederaufbereitung von Vollhartmetallwerkzeugen<br />
Das Wiederaufbereitungsprogramm von<br />
Seco unterstützt Anwender, die Verwendungsdauer<br />
und Nachhaltigkeit ihrer Vollhartmetallwerkzeuge<br />
(VHM) zu optimieren<br />
sowie Ausgaben für neue Werkzeuge zu<br />
reduzieren. Zudem können Unternehmen<br />
Hartmetallwerkzeuge nach Verwendungsende<br />
einfach gegen Erhalt des aktuellen<br />
Marktwerts zum Recycling an Seco zurückschicken<br />
und somit wertvolle Ressourcen<br />
schonen. Ein wichtiger Baustein ist der auf<br />
vielen Produkten aufgebrachte Datamatrixcode,<br />
der eine genaue digitale Nachverfolgung<br />
entlang des gesamten Lebenszyklus<br />
ermöglicht.<br />
Wiederherstellung der<br />
Werkzeugleistung<br />
Die Wiederaufbereitung gibt den VHM-<br />
Werkzeugen von Seco ihre ursprüngliche<br />
Geometrie, Beschichtung und Schärfe<br />
zurück. Anwender profitieren von einer<br />
nahezu vollständigen Wiederherstellung<br />
der Leistung und längeren Standzeit ihrer<br />
Werkzeuge. Unternehmen können abgenutzte<br />
VHM-Werkzeuge wie Fräser, Bohrer<br />
oder Reibahlen in speziellen, von Seco<br />
bereitgestellten Rekonditionierungsboxen<br />
sammeln und eine Abholung vereinba-<br />
ren. Anschließend durchläuft jedes Werkzeug<br />
dieselben Prozesse wie bei der Neufertigung.<br />
In der Regel können VHM-Werkzeuge,<br />
abhängig vom Durchmesser, bis zu<br />
drei Mal wiederaufbereitet werden. Seco<br />
baut seine Kapazitäten zur Rekonditionierung<br />
rund um den Globus fortwährend<br />
aus, um die Vorlaufzeiten immer weiter<br />
zu minimieren. Eine anschließende Neueinstellung<br />
der Zerspanungsparameter ist<br />
nicht nötig.<br />
Recycling wertvoller Rohstoffe<br />
gegen Marktwert<br />
Als weitere Maßnahme, um Unternehmen<br />
bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele<br />
zu unterstützen, bietet Seco ein Recyclingprogramm<br />
für Hartmetallwerkzeuge<br />
an. So sorgt der Zerspanungsspezialist für<br />
eine sichere Übergabe und Rückführung<br />
in den Rohstoffkreislauf. Anwender können<br />
Hartmetallprodukte wie VHM-Fräser,<br />
-Bohrer und Verschleißteile in den Recyclingbehältern<br />
von Seco sammeln, abholen<br />
lassen und den aktuellen Marktwert<br />
erhalten. Das gewonnene Rezyklat hat dieselbe<br />
Qualität wie Neupulver und senkt<br />
den Energieverbrauch sowie die CO 2<br />
-Emissionen<br />
deutlich.<br />
Individuelle Kennzeichnung<br />
steigert Nachhaltigkeit<br />
Ein wichtiger Baustein dieser Nachhaltigkeitsbemühungen<br />
ist die digitale Nachverfolgbarkeit<br />
aller neuen Seco Werkzeuge<br />
über einen lasergravierten Datamatrixcode.<br />
Damit erhalten Anwender in Echtzeit<br />
Einblick in den gesamten Lebenszyklus<br />
ihrer Werkzeuge – von der Produktion<br />
über die Wiederaufbereitung hin zum<br />
Recycling. Dies ermöglicht, von den vorhandenen<br />
Werkzeugen maximal zu profitieren,<br />
Bearbeitungsprozesse zu optimieren<br />
und die Gesamtbetriebskosten zu<br />
senken.<br />
Informationen: www.secotools.com<br />
Partnerschaft auf neues Level gehoben<br />
Der deutsche Automobilzulieferer<br />
ZF Friedrichshafen und der schwedische<br />
Werkzeughersteller Sandvik Coromant<br />
haben ihre langjährige Zusammenarbeit<br />
auf ein neues Level gehoben. In enger<br />
Kooperation haben die beiden Unternehmen<br />
ein innovatives Hartdrehverfahren<br />
für ein Antriebskegelrad entwickelt und<br />
damit weit mehr als eine technische Lösung<br />
geschaffen: ein zukunftsweisendes<br />
Modell für strategische Partnerschaften.<br />
Von der ersten Idee bis zur Serienfertigung<br />
arbeiteten die Teams beider Unternehmen<br />
Hand in Hand zusammen. Offener<br />
Ideenaustausch, gemeinsames Entwickeln<br />
und gegenseitige Inspiration prägten das<br />
Projekt und führten zu einer reibungs losen<br />
Integration in die Fertigung. Die Ergebnisse<br />
sprechen für sich: höhere Effizienz,<br />
mehr Prozesssicherheit und Qualität sowie<br />
übertragbare Erfolge an weiteren Standorten.<br />
Und mehr noch: Das zunächst als individuelle<br />
Kundenlösung realisierte Verfahren<br />
konnte von Sandvik Coromant zum<br />
Standard weiterentwickelt werden. Sein<br />
Name: CoroTurn® TR Hard PrimeTurning.<br />
Für das ZF-Werk im bayerischen Thyrnau<br />
und die Projektbeteiligten von Sandvik<br />
Coromant war dieser technologische Meilenstein<br />
zugleich der Startpunkt für weitere<br />
gemeinsame Innovationen, insbesondere<br />
im Bereich E-Mobility. Beide Partner<br />
sind davon überzeugt, dass sich die großen<br />
Herausforderungen der Industrie künftig<br />
nur durch vertrauensvolle, strategisch ausgerichtete<br />
Kooperationen meistern lassen.<br />
Mit ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit<br />
haben ZF und Sandvik Coromant ein Best-<br />
Practice-Beispiel geschaffen, das zeigt, wie<br />
Die CoroTurn® TR Hard PrimeTurning-<br />
Technologie steht für eine neue Generation<br />
des Hartdrehens<br />
sich Innovationskraft, gegenseitiges Vertrauen<br />
und industrielles Know-how verbinden<br />
lassen, um nachhaltige Wettbewerbsvorteile<br />
zu schaffen. Diese gemeinsame<br />
Erfolgsgeschichte soll auch in Zukunft fortgeschrieben<br />
werden.<br />
Informationen:<br />
www.sandvik.coromant.com<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 15
News & Facts<br />
Der europäische Werkzeugbau traf sich zum<br />
ISTMA Europe Meeting 2025 in Berlin<br />
Am 3. und 4. November traf sich der<br />
europäische Werkzeugbau zum ISTMA<br />
Europe Meeting in Berlin. Rund 120 Teilnehmer<br />
aus 18 Landesverbänden folgten<br />
der Einladung des Verbands Deutscher<br />
Werkzeug- und Formenbauer (VDWF), der<br />
die Rolle des Gastgebers und Organisators<br />
übernahm. Vertreten waren aber nicht nur<br />
die Mitgliedsverbände der ISTMA Europe<br />
und deren Unternehmen, sondern ebenso<br />
Akteure aus der Forschung und den<br />
wichtigsten Kundenbranchen. Im Zentrum<br />
der Veranstaltung: der Wille zur Vernetzung,<br />
der Blick nach vorn und die Frage,<br />
wie Europa sich im globalen Wettbewerb<br />
gemeinsam stärker positionieren kann.<br />
Forschung trifft Anwendung<br />
trifft Markt<br />
Austragungsort der Veranstaltung war das<br />
Fraunhofer-Institut für Produktionsanla -<br />
gen und Konstruktionstechnik IPK – ein Ort,<br />
der nicht nur sinnbildlich, aber auch ganz<br />
konkret für Hightech-Innovation steht.<br />
Auf die Berichte der ISTMA und die Präsentationen<br />
der einzelnen Werkzeugmacher-Landesverbände<br />
folgte am ersten<br />
Veranstaltungstag eine zweistündige Führung<br />
durch das Institut. Die Teilnehmer<br />
erhielten exklusive Einblicke in hochaktuelle<br />
Forschungsprojekte rund um Präzisionstechnologien,<br />
Automatisierung und<br />
Digitalisierung. Dabei wurden wechselseitige<br />
Impulse gesetzt, wie sich derartige<br />
Innovationen in die industrielle Fertigung<br />
übertragen und wo sich gerade mit dem<br />
Know-how der Werkzeugmacher neue<br />
Geschäftsfelder erschließen ließen – beispielsweise<br />
bei optischen Anwendungen<br />
oder im Fluidmanagement. „Hier kamen<br />
drei Welten zusammen: Forschung, Anwender<br />
und Abnehmer“, sagt Stephan<br />
Berz, Präsident von ISTMA Europe und<br />
Markenbotschafter des VDWF. „Jede dieser<br />
Gruppen konnte etwas einbringen<br />
und auch mitnehmen. Das war überaus<br />
wertvoll.“<br />
Zusätzliche Einblicke lieferte Berz mit<br />
der Vorstellung des Automotive Tooling<br />
Forecast – einer Marktstudie der Automobilindustrie,<br />
als größter Abnehmer von<br />
Werkzeugtechnik in Europa, die einen<br />
strukturierten Überblick über anstehende<br />
Fahrzeugprojekte bis 2028, sowie den daraus<br />
resultierenden Werkzeugbedarf für<br />
<strong>2026</strong> liefert. Die erstmals präsentierte<br />
Studie erscheint künftig halbjährlich und<br />
soll Werkzeugmachern „als echten Mehrwert“,<br />
so Berz, regelmäßig verwertbare<br />
Marktdaten an die Hand geben.<br />
Die Kundenperspektive<br />
im Werkzeugbau<br />
Herzstück des zweiten Veranstaltungstags<br />
waren die Vorträge mit Podiumsdiskussionen:<br />
Kundenvertreter aus den Bereichen<br />
Automotive, Logistik und weiße Ware<br />
brachten ihre Sicht auf den Werkzeugund<br />
Formenbau ein: Sie beschrieben ihre<br />
Anforderungen, ihre eigenen Herausforderungen<br />
– und was sie sich in Zukunft von<br />
der Branche erwarten. „Dieser Blick von<br />
außen war zentral“, betont Stephan Berz.<br />
„Es hat sich die Frage herauskristallisiert,<br />
wie wir als Werkzeugmacher Mehrwerte<br />
schaffen, diese sichtbar machen und<br />
konsequent in unsere Kundenbranchen<br />
kommunizieren.“<br />
Für VDWF-Präsident Prof. Thomas Seul<br />
war es ein Event der unerwarteten Erkenntnisse:<br />
„Ich habe echte ‚Sternschnuppen'<br />
entdeckt – Perspektiven, über die ich so<br />
noch nicht nachgedacht habe, die dann<br />
plötzlich aufblitzen und einen Aha-Moment<br />
nach sich ziehen.“ Sein Fazit: „Technologisch<br />
ist der Werkzeug- und Formenbau<br />
in Europa stark. Aber in Projektmanagement<br />
und strategischer Positionierung<br />
gibt es eindeutig Aufholbedarf.“<br />
Europa und China –<br />
Lernbereitschaft statt Frust<br />
Ein weiteres zentrales Thema des Events, ob<br />
auf der Bühne oder im zwischenmenschlichen<br />
Austausch, war der Wettbewerb mit<br />
China. Statt jedoch in pauschale Kritik zu<br />
verfallen, dominierten differenzierte Stimmen.<br />
Die Kernaussage: Europa sollte nicht<br />
den Fehler machen, China für seinen Aufstieg<br />
zu verurteilen und in Trotz zu verfallen.<br />
Vielmehr gelte es, sich konstruktiv<br />
mit den Erfolgsfaktoren auseinanderzusetzen<br />
– und daraus eigene Schlüsse zu<br />
ziehen. „Man bestraft im Fußball auch<br />
Technologie trifft Praxis:<br />
Das Fraunhofer IPK zeigte, woran in Berlin für<br />
die Industrie von morgen geforscht wird<br />
(Bild: VDWF)<br />
nicht den Sieger – man analysiert, wie er<br />
gewonnen hat. Dann steht man beim<br />
nächsten Mal wieder auf dem Siegertreppchen“,<br />
bringt es Stephan Berz auf den<br />
Punkt.<br />
Gerade deshalb blicken viele europäische<br />
Werkzeugmacher mit Spannung auf die<br />
kommende ISTMA World Conference <strong>2026</strong><br />
in Shanghai. Die Veranstaltung wird nicht<br />
nur ein weltweites Branchentreffen, sondern<br />
auch eine wichtige Gelegenheit sein,<br />
den chinesischen Markt besser zu verstehen<br />
– aus erster Hand. „Wer bereit ist,<br />
zu lernen, der wird dort sicher wichtige<br />
Impulse für die eigene Zukunft gewinnen<br />
können“, wirbt Berz für das Event.<br />
Gemeinsam gestalten<br />
Das ISTMA Europe Meeting 2025 hat gezeigt:<br />
Die Herausforderungen sind groß,<br />
doch der europäische Werkzeug- und Formenbau<br />
ist bereit, ihnen gemeinsam zu<br />
begegnen. Was zählt, ist der Wille zur<br />
Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen<br />
– in ganz Europa –, der Wille zur Weiterentwicklung<br />
und zum offenen Blick<br />
über den Tellerrand. Stephan Berz resümiert:<br />
„Die ISTMA hat einen neuen Weg<br />
eingeschlagen: unsere zentrale Aufgabe<br />
besteht nun darin, eine Plattform für gemeinsames<br />
Vertrauen zu schaffen. Berlin<br />
war dafür der richtige Ort zur richtigen<br />
Zeit. Der Funke ist übergesprungen – jetzt<br />
gilt es, das Feuer zu entfachen. In diesem<br />
Sinne: let’s make some noise!“<br />
Informationen: www.vdwf.de<br />
16 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
News & Facts<br />
Treffpunkt, Impulsgeber und Branchengemeinschaft<br />
Wernesgrüner Werkzeugsymposium <strong>2026</strong><br />
Vom 17. bis 19. März <strong>2026</strong> wird<br />
Wernesgrün erneut zum Treffpunkt der<br />
Präzisionswerkzeugschleifbranche. Wenn<br />
sich Werkzeugschleifer, Hersteller und<br />
Technologielieferanten aus dem gesamten<br />
deutschsprachigen Raum hier versammeln,<br />
geht es um weit mehr als Fachvorträge<br />
und Produktneuheiten. Das Wernesgrüner<br />
Werkzeugsymposium gilt seit Jahren als<br />
fester Branchentreff für Austausch, Wissens<br />
transfer und praxisnahe Impulse.<br />
Unter dem Motto „Mit Kompetenz und<br />
Mut zum Erfolg – Perspektiven der Werkzeugbearbeitung“<br />
beleuchtet die Veranstaltung,<br />
wie Betriebe technologische Veränderungen<br />
aktiv gestalten und Chancen<br />
erkennen können – durch innovative Prozesse,<br />
clevere Auftragsplanung oder den<br />
mutigen Einsatz digitaler Technologien.<br />
Ein besonderer Höhepunkt wird der<br />
Keynote-Vortrag von Stephan Nell, CEO<br />
der UNITED Machining Solutions, sein. Er<br />
ordnet die aktuellen Marktveränderungen<br />
in der Werkzeugmaschinenindustrie ein<br />
und zeigt auf, wie sich Maschinenhersteller<br />
darauf einstellen. Strategien, mit denen<br />
Unternehmen bei unsicheren Rahmenbedingungen<br />
die Stabilität ihrer Geschäftsmodelle<br />
sichern, sind in der aktuellen Zeit<br />
von großem Interesse für die Werkzeugschleifbetriebe.<br />
Dazu passt, dass auch ein<br />
Werkzeugschleifbetrieb seine Ansätze<br />
präsentieren wird.<br />
Dass Innovationskraft und technologische<br />
Widerstandsfähigkeit entscheidende Erfolgsfaktoren<br />
bleiben – gerade für kleinere<br />
Unternehmen –, darüber berichten Branchenexpertinnen<br />
und -experten im Rahmen<br />
des zweitägigen Tagungsprogramms.<br />
Sie geben vielfältige Einblicke in die<br />
Zukunft der Werkzeugbearbeitung – von<br />
neuen Methoden in Laserbearbeitung und<br />
Beschichtungstechnologie über Lösungen<br />
zur Rüstzeitenoptimierung bis hin zu<br />
Strategien, mit denen Betriebe Digitalisierung,<br />
Automatisierung und Messtechnik<br />
gewinnbringend einsetzen können.<br />
Ein weiterer Schwerpunkt wird auf den<br />
Werkzeugbedarfen in der Luftfahrtindustrie<br />
liegen, die aus Anwendersicht beschrieben<br />
werden. Hochschulbeiträge beleuchten<br />
das Zusammenspiel von Prozess,<br />
Maschine und Vorrichtung und zeigen, wie<br />
stabile Fräswerkzeuge durch gezielte Optimierungen<br />
entstehen. Auch die aktuell<br />
schwierige Situation in Verfügbarkeit und<br />
Preisentwicklung von Hartmetall wird auf<br />
dem Symposium thematisiert.<br />
„Steigende Kosten, Fachkräftemangel<br />
und sich wandelnde Märkte fordern die<br />
Unternehmen auf allen Ebenen“, betont<br />
FDPW-Geschäftsführer und Veranstalter<br />
Prof. Dr. Wilfried Saxler. „Gerade deshalb<br />
ist es so wichtig, den Dialog mit Gleichgesinnten<br />
zu suchen und gemeinsam Strategien<br />
zu entwickeln.“<br />
Was das Symposium ausmacht, ist seine<br />
besondere Atmosphäre: Teilnehmende,<br />
Referentinnen, Referenten und Aussteller<br />
verbringen drei Tage gemeinsam vor Ort –<br />
kein Messebetrieb, keine Laufkundschaft,<br />
sondern Zeit für echte Gespräche, Kooperationen<br />
und neue Ideen. Ein emotionaler<br />
Höhepunkt ist auch <strong>2026</strong> wieder die Verleihung<br />
der „Goldenen Schleifscheibe“,<br />
mit der herausragende Werkzeugschleifbetriebe<br />
geehrt werden. Sie steht für<br />
Qualität, Innovationskraft und die Zukunft<br />
des Handwerks.<br />
Informationen:<br />
www.werkzeug-symposium.de<br />
INTERTOOL X SCHWEISSEN<br />
Österreichs stärkste Messen<br />
21.–24. APRIL <strong>2026</strong> I MESSE WELS<br />
intertool-schweissen.at<br />
Veranstaltungen<br />
von<br />
JETZT TICKETS SICHERN!
News & Facts<br />
WZL lädt ein zum 6. Expertenforum Globale Produktion <strong>2026</strong><br />
Globale Produktionsnetzwerke neu denken<br />
Das Werkzeugmaschinenlabor WZL<br />
der RWTH Aachen veranstaltet gemeinsam<br />
mit dem wbk Institut für Produktionstechnik<br />
(KIT) und dem Institut für Technologiemanagement<br />
ITEM der Universität<br />
St. Gallen das kommende Expertenforum<br />
Globale Produktion am 29. April <strong>2026</strong> im<br />
Le Méridien Hotel Stuttgart. Damit findet<br />
das Forum bereits zum sechsten Mal statt.<br />
„In einer zunehmend globalisierten und<br />
volatilen Weltwirtschaft ist die Fähigkeit,<br />
Produktionsnetzwerke flexibel, nachhaltig<br />
und robust zu gestalten, entscheidend<br />
für langfristigen Erfolg“, so Lukas Hauser,<br />
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl<br />
für Produktionssystematik. Unter<br />
dem Leitgedanken „Dynamics of Global<br />
Production – New Perspectives for<br />
Global Production Networks“ beleuchtet<br />
das Forum zentrale Fragestellungen<br />
moderner globaler Produktion:<br />
→ Wie lassen sich Produktionsnetzwerke<br />
zukunftsfähig und resilient gestalten,<br />
auch angesichts globaler Krisen und<br />
volatiler Märkte?<br />
→ Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit und<br />
Circular Economy bei der Gestaltung<br />
von Produktionsnetzwerken?<br />
→ Wie können Unternehmen flexibel auf<br />
neue Herausforderungen reagieren,<br />
ohne ihre Stabilität und Effizienz<br />
zu gefährden?<br />
→ Wie lassen sich in globalen Produktionsnetzwerken<br />
Daten und Informationen<br />
effektiv erheben und nutzen, um<br />
fundierte Managemententscheidungen<br />
zu ermöglichen?<br />
Das Forum verbindet Theorie mit Insights<br />
aus der Industrie. Hochrangige Experten<br />
aus Forschung und Wirtschaft gestalten<br />
das Programm, darunter führende<br />
Akteure des WZL, wbk und ITEM sowie Vertreter<br />
aus produzierenden Unternehmen.<br />
Zielgruppe<br />
Das Forum richtet sich insbesondere an<br />
Führungskräfte und Entscheidungsträger<br />
in Industrieunternehmen, Verantwortliche<br />
für Produktions-, Standort-, Netzwerkplanung,<br />
Supply-Chain- und Fertigungsleiter<br />
sowie an alle, die Produktionsnetzwerke<br />
strategisch ausrichten und zukunftsfähig<br />
gestalten wollen.<br />
Informationen: www.wzl.rwth-aachen.de<br />
Impulse für die Oberflächenmesstechnik<br />
Im Oktober 2025 hatte Messtechnikspezialist<br />
Mahr zum High Performance Surface<br />
Summit (HPSS) nach Göttingen eingeladen.<br />
Rund 120 Fachleute aus Industrie,<br />
Forschung & Entwicklung sowie Lehre,<br />
nutzten die Gelegenheit sich über aktuelle<br />
Erkenntnisse und Trends funktionaler<br />
Ober flächen auszutauschen.<br />
Zwei intensive Tage mit zwölf hochkarätigen<br />
Fachbeiträgen, begleitet von reflektierenden<br />
Podiumsdiskussionen und<br />
einem engagierten Publikum – das war das<br />
erste High Performance Surface Summit<br />
von Mahr. Das „Gipfeltreffen der Oberflächenfunktion“<br />
richtete sich an Fach- und<br />
Führungskräfte aus Forschung & Entwicklung,<br />
Produktion und Fertigung, Qualitätssicherung<br />
und Werkstofftechnik – und damit<br />
an alle, die technische Oberflächen<br />
nicht nur qualifizieren, sondern auch verstehen<br />
und gezielt gestalten wollen.<br />
Der erste Veranstaltungstag stand im<br />
Zeichen tribologischer Modelle, Herstellungsverfahren<br />
und moderner Metrologie<br />
von Hochleistungsoberflächen. Welche<br />
Eigen schaften zeichnen reibungs- und verschleißarme<br />
Werkstückoberflächen aus,<br />
und wie lassen sie sich zuverlässig fertigen<br />
und quantifizieren? „Die Teilnehmer erhielten<br />
hoch interessante Einblicke in den<br />
aktuellen Stand aus Forschung und Lehre,<br />
neue Perspektiven der Charakterisierung<br />
und innovative Messmethoden für modernste<br />
industrielle Anforderungen, von<br />
den renommiertesten Professoren des<br />
Fachs sowie exzellenten Praktiker, praxisnah<br />
und fundiert“, fasste Mahr-CEO Manuel<br />
Hüsken zusammen. „Wichtig war uns, Forschung,<br />
Lehre und Praxis in einen direkten<br />
Dialog zu bringen.“ Im Mittelpunkt standen<br />
Fragen wie: „Welche Anforderungen<br />
werden heute an funktionale Oberflächen<br />
gestellt und wie lassen sich diese zuverlässig<br />
charakterisieren?“ oder „Welche messtechnischen,<br />
analytischen und modellbasierten<br />
Methoden stehen dafür aktuell<br />
zur Verfügung?“ Der Tag endete mit einer<br />
Podiumsdiskussion unter dem Titel „Messprozesse<br />
zwischen Norm und Innovation“.<br />
Hochpräzise Oberflächen<br />
reproduzierbar fertigen und prüfen<br />
Der zweite Veranstaltungstag rückte<br />
die Messung von Hochleistungsoberflächen<br />
in der industriellen Praxis in den<br />
Fokus. Die Referenten beleuchteten unter<br />
anderem die messtechnischen Anforde-<br />
rungen an Dichtsysteme, den Einfluss der<br />
Stahloberflächentopografie auf die Tribologie<br />
von Kugelgelenken sowie die<br />
Schleifbearbeitung von Kalanderwalzen.<br />
Weitere Themen umfassten die Messung<br />
von Kugelumlaufspindeln bei geräuschund<br />
wirkungsgradkritischen Anwendungen<br />
sowie deren Quantifizierung mittels<br />
Streulichtmethode nach VDA 2009. Auch<br />
Aspekte wie Wissensmanagement im<br />
Zeitalter künstlicher Intelligenz und die<br />
Vorstellung eines neuen Oberflächenmodells<br />
anhand von Zylinderlaufbahnen fanden<br />
großes Interesse.<br />
Den Abschluss der Veranstaltung bildete<br />
ein offenes Forum, in dem Teilnehmende<br />
und Referenten gemeinsam darüber<br />
diskutierten, wie sich funktionsrelevante<br />
Oberflächen reproduzierbar und kosteneffizient<br />
fertigen und messen lassen – und<br />
welche Rolle die Kombination klassischer<br />
Verfahren mit dem Streulichtverfahren als<br />
innovativer Multisensorik-Ansatz dabei<br />
spielt. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage,<br />
wie sich die Brücke zwischen industrieller<br />
Serienfertigung und Laborerkenntnis<br />
schließen lässt.<br />
Informationen: www.mahr.com<br />
18 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
News & Facts<br />
NORTEC <strong>2026</strong> überzeugt mit hoher Besucherqualität<br />
Nach drei kompakten und spannenden<br />
Messetagen ging die NORTEC am 5. Februar<br />
zu Ende. Zahlreiche entscheidungsfreudige<br />
Fachbesucher mit konkreten Projekten<br />
kamen an drei Tagen in die Halle A4<br />
des Messegeländes Hamburg.<br />
Damit unterstreicht die NORTEC <strong>2026</strong> –<br />
trotz herausfordernder wirtschaftlicher<br />
Rah menbedingungen – ihre Position als<br />
wegweisende und Orientierung bietende<br />
Fachmesse für die Industrie im Norden.<br />
An den drei Messetagen zog die NORTEC<br />
vor allem entscheidungsrelevante Fachleute<br />
aus der Produktion an. Sascha<br />
Gersmann, Head of Marketing & Key<br />
Account Manager bei Citizen, bestätigt<br />
das: „Die NORTEC zeichnet sich durch<br />
die hohe Qualität der Gespräche und die<br />
Nähe zu den Kunden aus. Der Austausch ist<br />
intensiv und auf Augenhöhe – und genau<br />
das führt zu erfolgreichen Ergebnissen.“<br />
Für Jan Oltmanns, Exhibition and Showroom<br />
Specialist bei Mitutoyo, bleibt die<br />
NORTEC ebenfalls ein wichtiger Branchentreffpunkt<br />
mit Besucherqualität: „Die<br />
NORTEC versammelt alle wichtigen Akteure<br />
der Branche kompakt an einem Ort und<br />
gilt für viele ansässige Unternehmen als<br />
Pflichttermin. Die Messe zieht ein hochqualifiziertes<br />
Fachpublikum an, darunter<br />
Ingenieure, Beschaffungsspezialisten, Werks -<br />
leiter und Entscheider, die aktiv nach<br />
Lösungen und Partnerschaften suchen.<br />
Markus Horn, Geschäftsführer der<br />
Paul Horn GmbH, resümiert: „Ich bin jedes<br />
Mal positiv überrascht, wie vielseitig und<br />
detailliert die Gespräche verlaufen – gerade<br />
im Hinblick auf konkrete Anwendungsfälle.<br />
Man merkt, dass die Nachfrage nach<br />
Innovationen, neuen Lösungen – auch<br />
Sonderlösungen – und partnerschaftlicher<br />
Betreuung weiter steigt. Für uns hat die<br />
NORTEC einen festen Platz im Messekalender<br />
– auch 2028.“<br />
Elektronikfertigung und<br />
Medizintechnik stärker vertreten<br />
Besonders stark vertreten war in diesem<br />
Jahr die Elektro- und Elektronikindustrie –<br />
hier verzeichnete die NORTEC einen deutlichen<br />
Zuwachs. Auch die Medizintechnik ist<br />
<strong>2026</strong> stärker vertreten.<br />
Informationen: www.nortec-hamburg.de<br />
Intertool × Schweissen <strong>2026</strong> als Impulsgeber<br />
Die Intertool × Schweissen <strong>2026</strong> positioniert<br />
sich als Österreichs führende Fachmesse<br />
für Fertigungs-, Verbindungs- und<br />
Verarbeitungstechnik und als zentrale industriepolitische<br />
Plattform des Landes. In<br />
einer Zeit tiefgreifender Transformation<br />
wird die Messe zur strategischen Orientierungsplattform<br />
für Unternehmen – und zugleich<br />
zur hochrangigen Bühne für den<br />
Dialog zwischen Industrie und Politik.<br />
Als bedeutendstes Fachmesseduo für<br />
Produktionstechnologien bringt die<br />
Intertool × Schweissen <strong>2026</strong> Ent scheidungs<br />
träger aus Wirtschaft, Politik,<br />
Forschung und Ausbildung in Wels zusammen<br />
und unterstreicht ihre Rolle als<br />
maßgebliche Schnittstelle zwischen industriepolitischer<br />
Strategie und industrieller<br />
Realität.<br />
Vor dem Hintergrund aktueller Maßnahmen<br />
zur Stärkung des Industriestandorts<br />
wird die Intertool × Schweissen <strong>2026</strong> zu<br />
jenem Ort, an dem Industriepolitik greifbar<br />
wird. Politische Zielsetzungen treffen<br />
hier auf konkrete Technologien, marktfähige<br />
Innovationen und reale Investitionsentscheidungen.<br />
Die Messe fungiert damit<br />
als Übersetzerin zwischen Strategie und<br />
Umsetzung.<br />
Ein zentrales Element ist das weiterentwickelte<br />
Messekonzept von Austrian Exhibition<br />
Experts. Die Intertool × Schweissen<br />
versteht sich nicht mehr als klassische Produktschau,<br />
sondern als vernetztes Ökosystem<br />
aus Technologie, Wissen, Dialog und<br />
Nachwuchs. Klar strukturierte Themenwelten<br />
– von moderner Fertigung, Automatisierung<br />
und Robotik über Schweißtechnik<br />
bis zur hochpräzisen Mikrobearbeitung –<br />
ermöglichen effiziente Orientierung entlang<br />
realer Produktionsprozesse.<br />
Besonderes Gewicht erhält das Nachwuchsformat<br />
SkillQuest, der interaktive<br />
Nachwuchstag am 21. April <strong>2026</strong>. Jugendliche<br />
erleben Industrie hands-on und<br />
praxisnah. SkillQuest ist ein zentrales Instrument<br />
zur Fachkräftesicherung und ein<br />
klares Bekenntnis der Branche zur eigenen<br />
Zukunft.<br />
Mit der neuen Lohnfertiger Area rückt<br />
die Messe zudem einen essenziellen Teil<br />
industrieller Wertschöpfung in den Fokus<br />
und schafft zusätzliche Anknüpfungspunkte<br />
für Kooperationen.<br />
Informationen: www.intertool.at<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 19
News & Facts<br />
Zahni und das Geheimnis der perfekten Verzahnung<br />
Die DVS TECHNOLOGY GROUP hat auf<br />
der EMO Hannover ihre neue Kinderbuchserie<br />
„Zahni – Das Geheimnis der perfekten<br />
Verzahnung“ erfolgreich vorgestellt.<br />
Innerhalb weniger Messetage fanden die<br />
Geschichten rund um das Maskottchen<br />
Zahni großen Anklang bei Kunden, Mitarbeitenden<br />
und deren Familien.<br />
Mit der Buchserie verfolgt die Unternehmensgruppe<br />
ein besonderes Ziel: Maschinenbau<br />
verständlich und kindgerecht zu<br />
erklären – und gleichzeitig Brücken zwischen<br />
Beruf und Privatleben zu schlagen.<br />
Denn Verantwortung bedeutet für die<br />
DVS TECHNOLOGY GROUP nicht allein<br />
Innovation in der Technik, sondern auch<br />
die Gestaltung von Lebenswelten.<br />
„Unsere Mitarbeitenden, Partner und<br />
Kunden sind mehr als Fachkräfte. Sie sind<br />
Eltern, Vorbilder und Wertevermittler. Mit<br />
Zahni geben wir ihnen ein Medium, das sie<br />
mit ihren Kindern gemeinsam entdecken<br />
können. Technik wird so zum Abenteuer,<br />
das verbindet – und zum Ausdruck echten<br />
Stolzes auf das eigene Tun“, erklärt<br />
Stefanie Fischer, Head of Marketing der<br />
DVS TECHNOLOGY GROUP.<br />
Die siebenbändige Reihe begleitet<br />
Zahni, einen Metallrohling, auf seiner Reise<br />
durch das Land Zerspania. Dort begegnet<br />
er Freunden, die jeweils für unterschiedliche<br />
Fertigungstechnologien stehen – vom<br />
Drehen über das Schleifen bis hin zum<br />
Honen. Komplexe Technologien werden so<br />
zu spannenden Geschichten, die Neugier<br />
wecken, Identifikation schaffen und einen<br />
Generationendialog anstoßen – etwas, das<br />
klassische Kommunikationsmittel kaum<br />
leisten können.<br />
Nach der erfolgreichen Premiere auf<br />
der EMO 2025 in Hannover soll Zahni nun<br />
auch auf weiteren Messen, im internationalen<br />
Umfeld und über digitale Kanäle<br />
eine breite Öffentlichkeit erreichen.<br />
Zusätzlich plant die DVS TECHNOLOGY<br />
GROUP begleitende Inhalte wie weitere<br />
Episoden, Malvorlagen und digitale Erweiterungen.<br />
Über die Website der Unternehmensgruppe<br />
steht die Buchreihe als<br />
kosten loser Download zur Verfügung. Als<br />
Dankeschön besteht die Möglichkeit, freiwillig<br />
an den Verein PfefferminzGreen e.V.<br />
zu spenden, der Bildungs- und Umweltprojekte<br />
in Afrika unterstützt. So verbindet<br />
Zahni technologische Bildung mit sozialer<br />
Verantwortung – ganz im Sinne der Werte<br />
der DVS TECHNOLOGY GROUP.<br />
„Mit Zahni schlagen wir einen neuen<br />
Weg ein, um Menschen für Technik zu<br />
begeistern – nicht nur unsere Kunden,<br />
sondern auch die nächste Generation“, so<br />
Stefanie Fischer.<br />
Informationen:<br />
www.dvs-technology.com<br />
Einsatzfähigkeit von Hochleistungsmaterialien in Triebwerken<br />
Ein Forschungsteam der Universität<br />
Kassel hat neue Erkenntnisse zur Sicherheit<br />
von Hochleistungswerkstoffen gewonnen,<br />
die in Flugzeugtriebwerken eingesetzt<br />
wer den. Die Ergebnisse zeigen, dass nickelbasierte<br />
Materialien auch unter schockartigen<br />
mechanischen Belastungen und hohen<br />
Temperaturen ihre außergewöhnliche<br />
Festigkeit beibehalten.<br />
Die Forschung liefert wichtige Grundlagen<br />
für die Auslegung robusterer und<br />
sicherer Triebwerkskomponenten in der zivilen<br />
Luftfahrt und trägt langfristig zur weiteren<br />
Verbesserung der Flugsicherheit bei.<br />
Die Studie wurde von Prof. Dr. Benoit<br />
Merle vom Institut für Werkstofftechnik<br />
(Fachgebiet Mechanisches Verhalten von<br />
Werkstoffen) der Universität Kassel geleitet.<br />
Untersucht wurde eine intermetallische<br />
Phase (Ni 3 Si), die als Modellmaterial<br />
für sogenannte Nickelbasis-Superlegierungen<br />
dient, die in Flugzeugtriebwerken<br />
eingesetzt werden.<br />
Ein besonderes Merkmal dieser Materialien<br />
ist die sogenannte Fließspannungsanomalie:<br />
anders als gewöhnliche Metalle<br />
werden sie bei steigenden Temperaturen<br />
zunächst fester. Dieser Effekt ist für die<br />
mechanische Zuverlässigkeit von Triebwerken<br />
entscheidend, da sie aus Effizienzgründen<br />
bei extrem hohen Temperaturen<br />
(> 1000° C) betrieben werden, die bei klassischen<br />
Metallen zur Aufweichung führen<br />
würden.<br />
Bisher war jedoch unklar, ob dieser zentrale<br />
Mechanismus auch bei schockartigen<br />
Belastungen erhalten bleibt, wie sie beispielsweise<br />
bei Vogelschlägen, Trümmeraufprall<br />
oder harten Landungen auftreten<br />
können. Mithilfe neuartiger Nanoindentierungs-Experimente<br />
– einer Methode, bei<br />
der mechanische Eigenschaften im Nanometerbereich<br />
gemessen werden – konnte<br />
das Kasseler Team zeigen, dass die Fließspannungsanomalie<br />
auch bei hohen Belastungsgeschwindigkeiten<br />
bestehen<br />
bleibt und sich sogar bis in höhere Temperaturbereiche<br />
ausdehnt. Dass diese<br />
Erkenntnis nun gesichert ist, verbessert die<br />
Einsatzmöglichkeiten dieser Materialien in<br />
Triebwerken.<br />
Die Arbeiten entstanden in Zusammenarbeit<br />
mit Prof. George M. Pharr aus der<br />
Texas A&M University (USA), einem international<br />
führenden und hochzitierten Experten<br />
auf dem Gebiet der Nanomechanik<br />
der Werkstoffe. Das Projekt wurde durch<br />
den European Research Council (ERC) im<br />
Rahmen des EU-Forschungsprogramms<br />
Horizon 2020 gefördert (Grant Agreement<br />
Nr. 949626).<br />
Die Ergebnisse wurden in der re nommier<br />
ten internationalen Fachzeitschrift<br />
Acta Materialia veröffentlicht:<br />
Merle et al.: „High strain rate persistence of<br />
the strength nanomaly in the L12 intermetallic<br />
compound Ni3Si evidenced by<br />
nanoindentation testing“ (2025)<br />
Informationen: www.uni-kassel.de<br />
20 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Werkzeuge & Werkstoffe<br />
Neuer universeller Spiralbohrer für kleine Durchmesser<br />
Mit der Einführung des neuen<br />
BasicDrill Micro setzt EMUGE-FRANKEN<br />
seine Pro dukt offensive bei Vollhartmetall-<br />
Spiralbohrern fort. Der Hersteller von Präzisionswerkzeugen<br />
erweitert das Sortiment<br />
des Universalbohrers jetzt um zahlreiche<br />
Varianten für kleine Durchmesser zwischen<br />
1 und 2,95 mm. Damit deckt die Produktlinie<br />
nun Größen von 1 bis 24,5 mm ab,<br />
je nach Ausführung mit Bohrlängen von<br />
3xD, 5xD, 6xD oder 8xD.<br />
Hohe Präzision und Produktivität<br />
Bei der Konstruktion des BasicDrill Micro<br />
hat EMUGE-FRANKEN eine Reihe von Verbesserungen<br />
entwickelt. Vier statt der<br />
marktüblichen zwei Führungsfasen über<br />
eine Länge bis 4xD gewährleisten eine<br />
sehr exakte Führung und hohe Bohrungsqualität<br />
selbst bei anspruchsvollen Werkstoffen.<br />
Auf diese Weise werden besonders<br />
weiche Bohrwandungen und präzise<br />
Rundungen erzeugt, was nicht zuletzt für<br />
nachfolgende Gewindebohrungen von<br />
Vorteil ist.<br />
Die internen Kühlkanäle und die Hochleistungsbeschichtung<br />
tragen ebenfalls zu<br />
einer hohen Prozesssicherheit bei.<br />
Höhere Schnittwerte und<br />
längere Standzeiten<br />
Auch bei der Bohrergeometrie setzen<br />
die Franken eigene Akzente. Das Ergebnis<br />
ist neben einer neuen Schneidengeometrie<br />
mit einer besonderen Verrundung<br />
der Kanten ein Spitzenwinkel von 130 °.<br />
Folgen sind eine höhere Lebensdauer<br />
und längere Standzeiten, gleichzeitig<br />
arbeitet das Werkzeug produktiver, wo--<br />
durch sich die Bearbeitungszeiten verkürzen.<br />
Denn dank der verbesserten Geometrie<br />
sind höhere Schnittwerte und eine<br />
Bearbeitung mit Vorschüben möglich, die<br />
bis zu 30 % über denen von Wettbewerbsprodukten<br />
liegen. Außerdem optimiert die<br />
neue Bauform das Zentrierverhalten, weshalb<br />
auf das Pilotieren und Anzentrieren<br />
verzichtet werden kann.<br />
Ein „echter“ Universalbohrer<br />
Der Spiralbohrer ist für unterschiedliche<br />
Anforderungen in allen drei Schaftformen<br />
erhältlich: HA mit glattem Schaft, HE mit<br />
geneigter Spannfläche für Whistle-Notch-<br />
Spannfutter und HB mit seitlicher Mitnahmefläche<br />
für Weldon-Aufnahmen.<br />
Dank verbesserter Geometrie sind höhere<br />
Schnittwerte und Vorschübe möglich<br />
Als universell einsetzbarer Bohrer ist<br />
der BasicDrill Micro für eine breite Materialpalette<br />
nutzbar. Das belegen umfassende<br />
Testreihen mit einer Vielzahl von Probebohrungen<br />
in verschiedenen Werkstoffen.<br />
Die Vergleiche liefern überzeugende<br />
Ergebnisse über zahlreiche Werkstoffe hinweg.<br />
Damit ist der Spiralbohrer für einfache<br />
und rostfreie Stähle sowie Nichteisenmetalle<br />
wie Kupfer und Aluminium ebenso<br />
geeignet wie für gehärtete und schwer<br />
zerspanbare Materialien.<br />
„Mit der Neuheit ist uns ein optimaler<br />
Mix aus Qualität und Leistung zu einem<br />
sehr marktfähigen Preis gelungen“, erklärt<br />
Martin Steinbach, Produktmanager Bohrwerkzeuge.<br />
Zu den Zielbranchen gehören<br />
unter anderem die Uhrenindustrie, die<br />
Feinwerk- und Medizintechnik, die Lebensmittelverarbeitung<br />
und der allgemeine<br />
Maschinenbau.<br />
Spiralbohrer-Produktoffensive<br />
erfolgreich<br />
Als universell einsetzbarer Bohrer ist der BasicDrill Micro für eine breite Materialpalette<br />
nutzbar – das belegen umfassende Testreihen mit einer Vielzahl von Probebohrungen<br />
in verschiedenen Werkstoffen<br />
Seit EMUGE-FRANKEN 2021 mit dem<br />
BasicDrill seine Produktoffensive bei Spiralbohrern<br />
gestartet hat, konnte der Umsatz<br />
des Segments deutlich zulegen. Den ersten<br />
Modellen der Längen 3xD und 5xD<br />
folgten 2024 die 8xD-Bohrer. Zuvor war das<br />
Unternehmen vor allem für seine hochwertigen<br />
Gewindewerkzeuge bekannt.<br />
Informationen: www.emuge-franken.com<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 21
Werkzeuge & Werkstoffe<br />
Die klügere Schleifscheibe gibt nach<br />
Wie elastisch gebundene Diamantwerkzeuge die<br />
Feinstbearbeitung optimieren<br />
Wenn sich das härteste Material der Welt<br />
und weicher Kunststoff vereinigen, dann<br />
entstehen Werkzeuge mit ganz besonderen<br />
Eigenschaften zum Schleifen. Die Rede<br />
ist von elastisch gebundenen Diamantschleifscheiben.<br />
Diese spielen bei der Endbearbeitung<br />
ihre Stärken aus und sorgen für den perfekten<br />
Schliff. Innovative Verfahren wie diese<br />
sind nötig, denn die Fertigungsindustrie<br />
steht vor der Herausforderung, immer<br />
komplexere und präzisere Bauteile aus<br />
widerstandsfähigen Materialien herzustellen.<br />
Herkömmliche Produktionsverfahren<br />
stoßen hier oft an Grenzen, insbesondere<br />
wenn die Oberflächen so fein sind, dass sie<br />
besonders sensibel bearbeitet werden<br />
müssen. Auf der Fachmesse GrindingHub,<br />
die der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken)<br />
vom 5. - 08. Mai<br />
<strong>2026</strong> in Stuttgart veranstaltet, werden die<br />
Besucher mehr über innovative Schleiftechniken<br />
für höchste Oberflächengüten<br />
erfahren.<br />
Für anspruchsvolle<br />
Finish- und Polierprozesse<br />
Elastisch gebundene Diamantwerkzeuge<br />
spielen ihre Stärken überall dort aus, wo<br />
hochharte Werkstoffe wie Hartmetall<br />
präzise bearbeitet werden müssen<br />
(Foto: Artifex)<br />
Elastische Schleif- und Polierwerkzeuge sind in den verschiedensten Branchen im Einsatz;<br />
in der Metallbearbeitung veredeln sie Oberflächen von feinsten chirurgischen Instrumenten<br />
bis hin zu hochbelastbaren Turbinenschaufeln<br />
(Foto: VDW / Rainer Jensen)<br />
Elastische Schleif- und Polierwerkzeuge<br />
sind in den verschiedensten Branchen<br />
im Einsatz. In der Metallbearbeitung veredeln<br />
sie Oberflächen von feinsten chirurgischen<br />
Instrumenten bis hin zu hochbelastbaren<br />
Turbinenschaufeln. Mit diesen<br />
Werkzeugen lassen sich Fertigungspro -<br />
zesse beschleunigen sowie Wirtschaftlichkeit<br />
und Nachhaltigkeit in der Produktion<br />
steigern. „Ihre Stärken spielen unsere elastisch<br />
gebundenen Diamantwerkzeuge<br />
überall dort aus, wo hochharte Werkstoffe<br />
wie Hartmetall präzise bearbeitet werden<br />
müssen“, sagt Jens Meiberg, Leiter Technologieentwicklung<br />
des GrindingHub-<br />
Ausstellers Artifex Dr. Lohmann GmbH<br />
& Co. KG, ein Spezialist für elastische<br />
Schleif- und Polierwerkzeuge mit Sitz in<br />
Kaltenkirchen bei Hamburg.<br />
„Besonders in Anwendungen, bei denen<br />
extrem feine Oberflächen bis hin zum<br />
Spie gel glanz gefordert sind, erzielen sie<br />
ihre maximale Wirkung“, sagt Meiberg.<br />
Dadurch eignen sie sich ideal für anspruchs<br />
volle Finish- und Polierprozesse.<br />
Aktuell fokussiert sich Artifex nach<br />
Meibergs Worten auf die Bearbeitung von<br />
Bohr- und Fräswerkzeugen aus Hartmetall<br />
zur Schneidkantenvervollkommnung<br />
und einer effizienteren Spanführung von<br />
Zerspannungswerkzeugen.<br />
Höhere Effizienz und<br />
reduzierte Gesamtkosten<br />
Technisch optimale Oberflächen sind das<br />
Eine, Wirtschaftlichkeit ist das Andere. In<br />
der industriellen Praxis kommt es letztlich<br />
auf die Kosten-Nutzen-Rechnung für<br />
den Anwender an. Mit anderen Worten:<br />
wann rechtfertigt die verbesserte Oberflächenqualität<br />
den höheren Aufwand? „Studien<br />
belegen Standzeitverbesserungen<br />
um mehr als 50 % gegenüber unpräparierten<br />
Werkzeugen“, sagt Manager Meiberg.<br />
Kombiniert mit dem schnelleren Spanfluss<br />
und größerem Spanvolumen erziele der<br />
Anwender einen gravierenden Kosten- und<br />
Standzeitvorteil. Durch die Bearbeitung<br />
mit den elastisch gebundenen Diamantwerkzeugen<br />
werde die Oberflächenqualität<br />
der bearbeiteten Werkstücke deutlich<br />
verbessert. „Diese Optimierung führt in<br />
der Praxis zu spürbar längeren Standzeiten<br />
nachfolgender Werkzeuge sowie zu einem<br />
stabileren und zuverlässigeren Prozessverhalten.<br />
Anwender profitieren dadurch von<br />
höherer Effizienz und reduzierten Gesamtkosten“,<br />
so Meiberg.<br />
Feinfühlige Bearbeitung für<br />
filigrane Oberflächen<br />
Manche Oberflächen sind so filigran, dass<br />
sie extrem feinfühlig bearbeitet werden<br />
müssen. Elastisch gelagerte Diamantpartikel<br />
erzielen, wie der Leiter Technologie-<br />
22 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Werkzeuge & Werkstoffe<br />
Raum für Grundlagenforschung<br />
bis in den Nanometerbereich<br />
Es geht auch glatter:<br />
In der Vergrößerung sticht der Unterschied<br />
zwischen geschliffenen und poliergeschliffenen Oberflächen klar hervor<br />
(Foto: Institut für Spanende Fertigung)<br />
entwicklung von Artifex erklärt, „nicht konturverändernde<br />
Glanzoberflächen“ durch<br />
das Kappen von topologischen Materialspitzen.<br />
Dabei federt das homogen verteilte<br />
Schleifmedium in der Bindungsmatrix<br />
vor und zurück. Vereinfacht und laienhaft<br />
gesagt: die weiche Masse gibt etwas<br />
nach, sodass die Körnchen beim Reiben<br />
leicht wackeln, statt fest zu kratzen. Deshalb<br />
wird die Oberfläche nur ganz sanft<br />
geglättet und poliert, anstatt Material<br />
aggressiv abzutragen oder die Form zu<br />
verändern. Mit anderen Worten: die klügere<br />
Schleifscheibe gibt nach. „Druck- und<br />
Geschwindigkeitsparameter des Prozesses<br />
stellen die größte Herausforderung dar, um<br />
Kornausbrüche aus dieser neuentwickelten<br />
Softbindung auszuschließen“, sagt<br />
Meiberg. Die Oberflächengüte könne<br />
reproduzierbar über den gesamten Le -<br />
bens zyklus der Scheiben erzielt werden.<br />
Mittels der Werkzeugwechselmöglichkeiten<br />
in der Maschine erfolge die Bearbeitung<br />
in einer Aufspannung und nicht durch<br />
nachgelagerte Prozesse. Meibergs Worten<br />
zufolge stellt Artifex durch die haus -<br />
eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung<br />
eine kontinuierliche Weiterentwicklung<br />
der Diamantwerkzeuge sicher –<br />
insbesondere im Hinblick auf neue Hartmetalllegierungen<br />
und moderne Hartmetallwerkzeuge.<br />
Im Mikro- und Nanometerbereich ist noch<br />
viel Raum für Grundlagenforschung an den<br />
Universitäten. Das gilt auch beim Einsatz<br />
nachgiebiger Feinstbearbeitungswerkzeuge<br />
in der Endbearbeitung strukturierter<br />
Oberflächen. Dr. Monika Kipp, die am<br />
Institut für Spanende Fertigung der Technischen<br />
Universität Dortmund die Abteilung<br />
Schleiftechnologie leitet, beschäftigt<br />
sich intensiv mit dem Thema. „Ein Anwendungsbeispiel<br />
für den Einsatz nachgiebiger<br />
Feinstbearbeitungswerkzeuge ist die Endbearbeitung<br />
strukturierter Oberflächen“,<br />
sagt Kipp. Werden diese beispielsweise<br />
durch Fräsen hergestellt, können Mikrograte<br />
entstehen. Um diese zu entfernen,<br />
ohne eine wesentliche Veränderung der<br />
Struktur zu erzeugen, und gleichzeitig die<br />
Oberflächenbeschaffenheit zu verbessern,<br />
sei eine hohe Anpassungsfähigkeit der<br />
Werkzeuge notwendig, und es dürfe lediglich<br />
ein sehr geringer Materialabtrag erzielt<br />
werden. „Um diese Zielsetzung zu erreichen,<br />
beschäftigen wir uns in der Forschung<br />
mit dem grundlegenden Prozessverhalten<br />
nachgiebiger Diamantwerkzeuge“,<br />
sagt die Wissenschaftlerin, die kürzlich<br />
mit der Otto-Kienzle-Gedenkmünze der<br />
WGP (Wissenschaftliche Gesellschaft für<br />
Produktionstechnik) ausgezeichnet wurde.<br />
Perfekte Choreografie<br />
Wenn sehr empfindliche Oberflächen mit<br />
flexiblen Werkzeugen bearbeitet werden,<br />
muss genau bekannt sein, wie Werkzeuge<br />
und Material zusammenwirken. „Um in der<br />
Feinstbearbeitung mit elastisch gebundenen<br />
Diamantschleifscheiben oder anderen<br />
nachgiebigen Schleifwerkzeugen unerwünschte<br />
Konturveränderungen zu vermeiden,<br />
ist die Kenntnis der grundlegenden<br />
Prozesswechselwirkungen unerlässlich“,<br />
bringt Kipp die zentrale Herausforderung<br />
auf den Punkt. Dies umfasse beispielsweise<br />
die Abstimmung der Prozessparameter<br />
und der Bindungshärte beziehungsweise<br />
Nachgiebigkeit der Werkzeuge und<br />
somit der lokalen Kontaktsituation. Darüber<br />
hinaus, so die Wissenschaftlerin, könne<br />
auch eine gezielte Anpassung der Prozessführung<br />
hinsichtlich der Eingriffskinematik<br />
zielführend sein. Laienhaft vorstellen kann<br />
man sich das wie eine Choreografie.<br />
Wie schnell bewegt sich das Schleifwerkzeug?<br />
Wie schnell wird das Werkstück<br />
vorbeigeführt? In welchem Winkel oder<br />
Muster treffen die Körner auf die Oberfläche?<br />
Wie oft greift ein einzelnes Korn in<br />
das Material ein? Für ein optimales Ergebnis<br />
kommt es auf ein perfektes Zusammenspiel<br />
an.<br />
Die drei K: Kontaktdruck,<br />
Kontaktzeit, Korngröße<br />
Die Oberflächengüte in der Feinstbearbeitung<br />
sei unter anderem von der lokalen<br />
Kontaktsituation abhängig, sagt Kipp.<br />
„In Bezug auf die Prozessauslegung ist hinsichtlich<br />
der Zielsetzung zu unterscheiden,<br />
ob eine möglichst geringe Rauheit eingestellt<br />
werden soll oder ob Funktionsflächen<br />
mit Struktur- oder Konturelementen nachzubearbeiten<br />
sind“, erklärt die Forscherin.<br />
Für entsprechende Anwendungen können<br />
nachgiebige Abrasivwerkzeuge eingesetzt<br />
werden. Der Materialabtrag und damit die<br />
Oberflächenbeschaffenheit könne unter<br />
anderem durch die Abstimmung des Kontaktdrucks,<br />
der Kontaktzeit und der Korngröße<br />
gesteuert werden.<br />
Im Schleifspalt ist es dunkel<br />
Bei Anwendungen im Grenzbereich des<br />
technisch Möglichen und betriebswirtschaftlich<br />
Sinnvollen eröffnet sich also<br />
noch ein weites Feld für die industrielle<br />
und akademische Forschung. Denn nach<br />
wie vor gilt das geflügelte Wort unter Fachleuten:<br />
„Im Schleifspalt ist es dunkel.“ Dieses<br />
Bonmot deutet an, dass Praktiker und<br />
Forscher die tiefsten physikalischen und<br />
verfahrenstechnischen Geheimnisse des<br />
Schleifens noch ausleuchten müssen, um<br />
industrielle Produktionsprozesse technisch<br />
zu optimieren sowie effizienter und nachhaltiger<br />
zu gestalten.<br />
Informationen: www.grindinghub.de<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 23
Werkzeuge & Werkstoffe<br />
Verzahnung in die eigene Fertigung geholt<br />
Die Heinrich Wagner Sinto Maschinenfabrik<br />
GmbH (HWS) hat ihre Produktion<br />
neu organisiert und konnte damit die Fertigungstiefe<br />
und Wertschöpfung steigern.<br />
Die automatisierte Herstellung bestimmter<br />
Teile schuf an anderer Stelle Kapazitäten,<br />
um bislang extern vergebene<br />
Verzahnungsarbeiten im eigenen Werk<br />
auszuführen. Mit Werkzeuglösungen der<br />
INGERSOLL Werkzeuge GmbH gelang die<br />
Bearbeitung auf Anhieb.<br />
Das Unternehmen wurde 1937 von<br />
Georg Müller und Heinrich Wagner unter<br />
dem Namen Müller & Wagner in Laasphe<br />
als Fabrik für Gießereimaschinen gegründet.<br />
1975 entstand mit der japanischen<br />
Sintokogio-Gruppe eine Verkaufsgesellschaft<br />
für Vakuumformanlagen, die<br />
Wagner Sinto. Dies war der Grundstein für<br />
die bis heute sehr gute Beziehung beider<br />
Unternehmen. 1983 erfolgte der Zusammenschluss<br />
mit dem japanischen Konzern,<br />
dem weltweit größten Gießereimaschinenhersteller.<br />
Seit 2003 ist HWS eine<br />
100 %ige Tochter von Sintokogio – eine<br />
Partnerschaft, die sich zu einer Erfolgsgeschichte<br />
entwickelt hat. HWS ist heute<br />
marktführender Hersteller von Formanlagen,<br />
Formmaschinen sowie Anlagentechnologien<br />
zur Herstellung hochverdichteter<br />
Formen für Gießereien.<br />
Planung und Produktion der Gießereimaschinen<br />
von HWS erfolgen vollständig<br />
in Deutschland. Weil der Platz am Firmensitz<br />
knapp wurde, kam ein zweiter Standort<br />
für die mechanische Fertigung im nahegelegenen<br />
Niederlaasphe hinzu, während<br />
Konstruktion, Entwicklung, Verwaltung<br />
und Montage in Bad Laasphe verblieben.<br />
Insgesamt beschäftigt das Unternehmen<br />
rund 320 Mitarbeiter in Deutschland.<br />
Kundenspezifische Fertigungslinien<br />
Der Hersteller bietet neben einzelnen<br />
Maschinen auch komplette Fertigungslinien<br />
für Gießereien an. Je nachdem, ob<br />
die Kunden etwa Badezimmerarmaturen,<br />
Bremsscheiben oder Motorblöcke herstellen,<br />
sind die Ansprüche an die Anlagen<br />
ganz unterschiedlich. HWS produziert<br />
daher überwiegend Sondermaschinen<br />
nach Kundenwunsch. Die Auslegung<br />
berücksichtigt vor allem die in der Produktion<br />
eingesetzte Formkastengröße sowie<br />
die räumlichen Gegebenheiten beim<br />
Kunden.<br />
Neben spezifischen Teilen benötigt die<br />
Fertigung insbesondere für Antriebe eine<br />
Vielzahl von Standardkomponenten. Bauteile<br />
für hydraulische Antriebe stellt HWS<br />
komplett im eigenen Haus her. Dadurch<br />
Haben das Projekt erfolgreich umgesetzt:<br />
Johannes Bitter (Teamleiter Drehen),<br />
Kevin Richstein (technischer Berater INGERSOLL)<br />
und Christian Hammer (Abteilungsleiter<br />
mechanische Bearbeitung), v. l.<br />
kann das Unternehmen im Bedarfsfall Ersatzteile<br />
innerhalb von 24 Stunden liefern.<br />
Bei elektrischen Antrieben, die zunehmend<br />
an Bedeutung gewinnen, sah es<br />
bisher anders aus. Die dafür benötigten<br />
Verzahnungsteile wurden vollständig<br />
extern gefertigt. „Je nachdem, wie stark<br />
der Lohnfertiger gerade ausgelastet ist,<br />
kam es dabei zu Lieferzeiten zwischen acht<br />
und zwölf Wochen“, berichtet Johannes<br />
Bitter, Teamleiter Drehen bei HWS.<br />
Automatisierung als Basis<br />
für die Umstrukturierung<br />
Zur Optimierung der Fertigung investiert<br />
HWS seit einigen Jahren gezielt in Automatisierung.<br />
Den Anfang machte ein Dreh-<br />
Fräs-Zentrum von DMG Mori mit Roboterzelle.<br />
Später kamen im Fräsbereich zwei<br />
DMG-Maschinen mit Palettenhandling<br />
dazu. Insgesamt kann HWS über 20 Paletten<br />
verschiedener Größe automatisiert im<br />
Fräsbereich einsetzen. Mit den Maschinen<br />
fertigt der Hersteller Lagerteile in höheren<br />
Losgrößen, die für verschiedene Anlagen<br />
benötigt werden.<br />
Automatisierung auch um Drehbereich; mit der Serienfertigung auf einer CLX 450TC<br />
wurden an anderer Stelle Kapazitäten frei, um in die Verzahnung einsteigen zu können<br />
Damit war die Voraussetzung geschaffen,<br />
Arbeitsprozesse innerhalb der Drehabteilung<br />
neu zu strukturieren. Gezielt<br />
wurden Arbeiten auf die automatisierte<br />
DMG CLX 450TC verlagert, wodurch auf<br />
anderen Maschinen Kapazitäten für neue<br />
Aufgaben entstanden. So entstand der<br />
Weg für die eigene Produktion von Verzahnungsteilen.<br />
Den Anfang sollten die kleins-<br />
24 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Werkzeuge & Werkstoffe<br />
ten der hier benötigten Teile machen:<br />
Ritzelwellen Modul 4 mit einem Außendurchmesser<br />
von 108 mm, gefertigt in Losgrößen<br />
zwischen fünf und zehn Stück auf<br />
einer Mazak Integrex i-400.<br />
Verzahnung war Neuland für die Fertigung<br />
der Heinrich Wagner Sinto Maschinenfabrik;<br />
als drittes Werkzeug schlichtet ein<br />
ChipSurfer von INGERSOLL die<br />
endgültigen Konturen der Zähne<br />
Testsieger INGERSOLL<br />
Die Herstellung von Verzahnungen war<br />
für HWS absolutes Neuland. Dass HWS sich<br />
für die INGERSOLL Werkzeuge GmbH entschied,<br />
war kein Zufall: im Zuge der Neuorganisation<br />
hatte man sämtliche bisher<br />
eingesetzten Werkzeuge auf den Prüfstand<br />
gestellt. Vor gut einem Jahr testete HWS<br />
unterschiedliche Werkzeughersteller bei<br />
verschiedenen Bearbeitungsaufgaben gegeneinander<br />
und wechselten in der Folge<br />
vieles aus. „INGERSOLL hat sich in den<br />
Vergleichen super geschlagen“, fasst<br />
Christian Hammer, Abteilungsleiter mechanische<br />
Bearbeitung, zusammen.<br />
Seitdem setzt HWS viele Werkzeuge von<br />
INGERSOLL zum Fräsen und verstärkt auch<br />
Schneidplatten zum Drehen ein. Neben<br />
der Werkzeugqualität schätzt das Unternehmen<br />
die Beratung und den Service des<br />
Herstellers aus Haiger. „Die Zusammenarbeit<br />
war immer hervorragend und mit<br />
Kevin Richstein haben wir einen sehr kompetenten<br />
Ansprechpartner“, lobt Hammer.<br />
„Wenn wir ein Anliegen haben, wird uns<br />
innerhalb kürzester Zeit schnell und<br />
unkompliziert weitergeholfen. Im Bedarfsfall<br />
bekommen wir auch sehr schnell<br />
Ersatz.“<br />
Da man in Niederlaasphe auch um die<br />
Stärken von INGERSOLL im Bereich Verzahnung<br />
wusste, war der Werkzeughersteller<br />
gesetzt, als es um die Fertigung<br />
der ersten Ritzelwellen ging. „Wir waren<br />
uns sehr sicher, damit den richtigen Partner<br />
mit im Boot zu haben“, so Hammer.<br />
Für die Bearbeitung wählte Kevin Richstein,<br />
technischer Berater bei INGERSOLL, zwei<br />
Schruppwerkzeuge und ein Schlichtwerkzeug<br />
aus.<br />
Mit drei Werkzeugen zur Verzahnung<br />
Den Anfang der Bearbeitung macht ein<br />
mit zwei V-förmigen Wendeschneidplatten<br />
bestückter Schaftfräser aus der HiPosS-<br />
FeedV-Serie von INGERSOLL. Mit seiner<br />
Breite von 8 mm fräst er im ersten Arbeitsgang<br />
die Nuten zwischen den späteren<br />
Zähnen. Der große Spanwinkel reduziert<br />
die Schnittbelastung und sorgt für eine<br />
hervorragende Spanabfuhr.<br />
Der zweite eingesetzte Fräser von<br />
INGERSOLL ist ein dreischneidiger VHM-<br />
Speedfräser Incoolant mit 4 mm Durchmesser,<br />
der die Konturen der Verzahnung<br />
schruppt. Das abschließende Schlichten<br />
übernimmt ein ChipSurfer-Sonderwerkzeug.<br />
Die Schneiden des VHM-Einschraubkopfes<br />
sind exakt an die gewünschte<br />
Zahnform angepasst. Da ein verschlissener<br />
Fräskopf gewechselt werden kann,<br />
ohne das Werkzeug jedes Mal neu zu vermessen,<br />
wird die Arbeit der Bediener<br />
erleichtert.<br />
Vom Ergebnis ist man bei HWS sehr<br />
angetan. „Nach dem Schlichten mit dem<br />
Formfräser sehen die Teile aus wie geschliffen“,<br />
berichtet Johannes Bitter. Die von<br />
INGERSOLL empfohlenen Schnittwerte<br />
konnte er direkt übernehmen. Inklusive<br />
der Drehvorbearbeitung beträgt die<br />
Bearbeitungszeit pro Ritzelwelle rund<br />
40 Minuten.<br />
Die Kostenanalyse lieferte zudem eine<br />
Überraschung: Die selbst produzierten<br />
Zahnräder kosten das Unternehmen<br />
nur etwa halb so viel wie die bisher zugelieferten<br />
Teile. Neben Kosten spart HWS<br />
auch Zeit. „Mit der Inhouse-Fertigung<br />
können wir die Lieferzeiten extrem verkürzen,<br />
wovon unsere Kunden profitieren“,<br />
freut sich Hammer. Lediglich das Härten<br />
erfolgt noch extern. Der Zeitrahmen dafür<br />
ist überschaubar.<br />
Weitere Bauteile sollen folgen<br />
Mit den positiven Erfahrungen plant HWS<br />
weitere Bauteile in die eigene Fertigung<br />
zu überführen. Nach den kleineren Ritzelwellen<br />
Modul 4 sollen auch Modul 8<br />
und 10 folgen. Diese Zahnräder verbaut<br />
der Hersteller häufiger. Die Bearbeitungsstrategie<br />
bleibt gleich, allerdings unterscheiden<br />
sich die Profile der unterschiedlichen<br />
Module hinsichtlich Höhe, Breite und<br />
Winkel, sodass jeweils eigene Werkzeugsätze<br />
erforderlich sind.<br />
Größere Zahnräder können auf einer<br />
weiteren Mazak-Maschine hergestellt werden.<br />
Auch eine automatisierte Fertigung<br />
auf der CLX ist aufgrund der längeren Laufzeiten<br />
denkbar. Zudem plant HWS, künftig<br />
auch Kettenräder und Zahnstangen,<br />
die Gegenstücke der Zahnräder, selber zu<br />
fertigen.<br />
Der Wegfall des russischen Marktes<br />
und die US-Zölle treffen die Firma spürbar.<br />
Dennoch ist die Auftragslage derzeit<br />
zufriedenstellend. Darüber hinaus hat<br />
sich das Unternehmen ein weiteres Standbein<br />
aufgebaut: mit seinem Maschinenpark<br />
ist es auch für Lohnfertigung gut<br />
aufgestellt und kann für Kunden Bauteile<br />
vom kleinen Würfel bis hin zu 20 Tonnen<br />
schweren Schweiß- oder Gusskonstruktionen<br />
drehen oder fräsen. Lohnverzahnung<br />
kann HWS nun ebenfalls anbieten.<br />
Informationen: www.ingersoll-imc.de<br />
Der VHM-Speedfräser Incoolant arbeitet<br />
im zweiten Arbeitsgang die Konturen<br />
der Verzahnung heraus<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 25
Werkzeuge & Werkstoffe<br />
Auf der Überholspur zur optimalen Zerspanungslösung<br />
Mit ToolSelect von CERATIZIT wird die<br />
Werkzeugauswahl für Fräsen, Bohren,<br />
Drehen und Stechen radikal vereinfacht.<br />
Ob per 3D‐Modell‐Upload oder manueller<br />
Eingabe: nach nur wenigen Klicks erhalten<br />
Anwender bis zu vier passende Bearbeitungslösungen<br />
inklusive Schnittdaten.<br />
Die Wahl des richtigen Werkzeugs beeinflusst<br />
maßgeblich Zykluszeiten, Bauteilqualität<br />
und Werkzeugstandzeit. Lange<br />
Zeit stützte sich dieser Prozess auf Erfahrung,<br />
Kataloge und nicht selten auf pures<br />
Ausprobieren – ein Ansatz, der Zeit<br />
kostet und Fehler begünstigt. Und heute?<br />
Da erwarten Zerspanungsprofis schnelle,<br />
präzise Antworten ohne Trial‐and‐Error.<br />
Digitale Plattformen wie ToolSelect von<br />
CERATIZIT schaffen Abhilfe: Sie standardisieren<br />
die Entscheidungsfindung, reduzieren<br />
Komplexität und verkürzen deutlich<br />
den Weg zur optimalen Lösung.<br />
Und wie schnell ist ToolSelect tatsächlich?<br />
„Unser Ziel war es, die passende<br />
Gesamtlösung in lediglich 90 Sekunden<br />
zu liefern. Dazu starten Nutzer entweder<br />
mit einer manuellen Eingabe der relevanten<br />
Werkstück‐ und Prozessparameter<br />
oder wählen den 3D‐Modell‐Upload. Das<br />
beschleunigt die Datenerfassung und<br />
reduziert gleichzeitig Übertragungsfehler“,<br />
so Bianca Rief, Teil des Product Owner<br />
Teams von ToolSelect bei CERATIZIT. Auf<br />
dieser Basis generiert das System bis zu<br />
vier Alternativen für die jeweilige Bearbeitung<br />
und führt in wenigen weiteren<br />
Klicks zum gespeicherten Angebot oder<br />
direkt zur Bestellung im Onlineshop von<br />
CERATIZIT.<br />
Das Komplettpaket<br />
von der Spindel bis zur Schneide<br />
Statt einzelner Komponenten empfiehlt<br />
ToolSelect stets das komplette Werkzeug<br />
– vom Adapter über Halter bis hin<br />
zur Schneide – und ergänzt diese um die<br />
passenden Schnittdaten wie Schnittgeschwindigkeit,<br />
Vorschub und Zustellung.<br />
So werden Fehlkombinationen vermieden,<br />
die Werkzeugsuche verkürzt und die<br />
Prozesssicherheit gesteigert. Gleichzeitig<br />
sorgt die digitale Auswahl für volle Reproduzierbarkeit,<br />
sogar über Teams und<br />
Standorte hinweg, wodurch sich Ausschuss<br />
in der Produktion reduzieren lässt und<br />
Rüstzeiten spürbar schrumpfen.<br />
3D‐Analyse und<br />
nahtlose Prozessplanung<br />
Die CAD‐Datenanalyse verarbeitet gängige<br />
3D‐Formate und kann optional Informationen<br />
aus zugehörigen PDF‐Zeichnungen<br />
wie Toleranzen, Gewinde oder Material<br />
automatisch übernehmen. Zusätzlich lassen<br />
sich hinterlegte Rohteile und Maschinen<br />
einbinden. Manuel Bergmann, Team<br />
Lead IT VC Applications bei CERATIZIT<br />
erläutert: „Werkzeuge, die der Kunde<br />
bereits erfolgreich verwendet oder die<br />
im Werkzeugausgabesystem Tool‐O‐Mat<br />
verfügbar sind, werden hervorgehoben.<br />
Das verschafft Transparenz über vorhandene<br />
Ressourcen und beschleunigt die<br />
Auswahl im laufenden Betrieb.“<br />
Über die Werkzeugempfehlung hinaus<br />
öffnet ToolSelect die Tür zur durchgängigen<br />
Prozessplanung: in Zusammenarbeit<br />
ToolSelect liefert Kunden schnell<br />
kombinierte Werkzeuglösungen<br />
mit der separaten Software Spanflug MAKE<br />
wird das 3D‐Modell analysiert, ein vollständiger<br />
Arbeitsplan erstellt und für jeden<br />
Schritt das optimale Werkzeug gewählt.<br />
Die Integration der CERATIZIT Werkzeugdaten<br />
in diesen Workflow liefert einen konsistenten<br />
Operationsplan samt Werkzeugliste<br />
und Echtzeit‐Verfügbarkeit. Sollte<br />
doch eine Komponente fehlen, kann sie<br />
direkt aus der Planung heraus bestellt<br />
werden. Das spart Zeit, erhöht die Angebotsgenauigkeit<br />
und steigert die Prozesszuverlässigkeit<br />
vom ersten Klick bis zum<br />
fertigen Bauteil.<br />
Breiter Einsatz –<br />
vom Jobshop bis zum OEM<br />
Ob Einzelteilfertigung oder Serienproduktion:<br />
ToolSelect deckt sämtliche Standardoperationen<br />
ab und ist damit für unterschiedlichste<br />
Branchen und Losgrößen<br />
geeignet. Die Plattform hilft Wissenslücken<br />
zu schließen, insbesondere bei weniger<br />
erfahrenen Anwendern, und unterstützt<br />
globale Rollouts von Best‐Practice‐Setups.<br />
ToolSelect bündelt Werkzeugkompetenz,<br />
Datenintelligenz und Prozessintegration<br />
zu einem durchgängigen Nutzererlebnis:<br />
von der schnellen, fehlerarmen<br />
Auswahl über vollständige Schnittdaten<br />
und Shop‐Anbindung bis hin zur integrierten<br />
Fertigungsplanung mit Spanflug<br />
MAKE. „Wer einfacher und effizienter zerspanen<br />
möchte, findet mit ToolSelect die<br />
Abkürzung zur Rund-um-Lösung – bereits<br />
jetzt für Fräsen, Bohren, Drehen und<br />
Stechen, und stets mit Blick auf künftige<br />
Anforderungen skalierbar aufgebaut“, fassen<br />
die beiden Product Owner zusammen.<br />
Vom 3D-Modell-Upload bis zum fertigen Bauteil in nur wenigen Klicks<br />
Informationen: www.ceratizit.com<br />
26 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Werkzeuge & Werkstoffe<br />
Supermini für Systemschnittstellen<br />
Die Paul Horn GmbH erweitert das Werkzeugsystem<br />
Supermini um neue Haltervarianten.<br />
Das Halterprogramm zielt speziell<br />
auf den Einsatz in modernen Dreh-/Fräszentren<br />
ab. Der Werkzeughersteller reduziert<br />
damit die Anzahl von Schnittstellen<br />
zwischen Schneidplatte und Maschinenspindel,<br />
im Vergleich zu konventionellen<br />
Spannfuttern. Dies ermöglicht eine höhere<br />
Präzision sowie eine höhere Prozesssicherheit.<br />
Horn bietet das Haltersystem mit unterschiedlichen<br />
Maschinenschnittstellen.<br />
Dazu zählen: HSK-T63, HSK-E40 für<br />
Willemin-Macodel, HSK-A40 für Bumotec<br />
sowie HSK-T40 für alle weiteren Multitasking-Maschinen.<br />
Die Spannung der Supermini-Schneidplatte<br />
geschieht in allen Varianten<br />
über ein Stirnspann- oder Abhebeelement.<br />
Die Klemmung erfolgt hierbei<br />
nicht über die Mantelfläche des Werkzeugs,<br />
sondern über einen stirnseitigen<br />
Spannkeil. Dies bewirkt eine höhere Haltekraft<br />
der Schneidplatte und damit eine<br />
hohe Steifigkeit des Gesamtsystems.<br />
Ausdrehen, Profildrehen, Inneneinstechen,<br />
Gewindedrehen, Fasen, Axialstechen,<br />
Bohren sowie Nutstoßen. Das Werkzeugsystem<br />
Supermini lässt sich für zahlreiche<br />
Bearbeitungsoperationen anpassen und<br />
einsetzen. Zum Einsatz kommt die Vollhartmetall-Schneidplatte<br />
in der Bohrungsbearbeitung<br />
von Durchmesser 0,2 mm bis<br />
rund 10 mm. Horn entwickelte den Rohling<br />
des Werkzeugs als eine Tropfenform. Diese<br />
Form ermöglicht präzise Anlageflächen<br />
im Werkzeughalter. Des Weiteren verhindert<br />
die Tropfenform das Verdrehen der<br />
Schneidplatte, das zu einer stets präzisen<br />
Lage der Spitzenhöhe des Werkzeugs<br />
führt. Bei langen Werkzeugauskragungen<br />
reduziert sie die Durchbiegungen und<br />
minimiert Vibrationen während des Drehprozesses.<br />
Je nach Einsatz und zu bearbeitendem<br />
Durchmesser bietet Horn die<br />
Schneidplatte in drei unterschiedlichen<br />
Die Spannung der Supermini-Schneidplatte<br />
geschieht in allen Varianten des Halterprogramms<br />
über ein Stirnspann- oder Abhebeelement;<br />
dies bewirkt eine höhere Haltekraft<br />
der Schneidplatte und damit eine hohe<br />
Steifigkeit des Gesamtsystems<br />
(Quelle: HORN/Sauermann)<br />
Größen (Typ 105, 109 und 110). Alle Varianten<br />
ermöglichen eine interne Kühlmittelzufuhr<br />
direkt an die Wirkzone.<br />
Informationen: www.horn-group.com<br />
Neues Bohrsystem:<br />
leistungsstark, flexibel und kosteneffizient<br />
Seco präsentiert das modulare Bohrsystem<br />
X-Tip. Die Bohrwechselköpfe ermöglichen<br />
Hochvorschub- und Präzisionsbohrungen<br />
in einer Vielzahl von Werkstoffen<br />
sowie unterschiedlichen Tiefen mit einem<br />
einzigen Bohrkörper und lassen sich in<br />
Sekundenschnelle austauschen. Anwender<br />
können die Produktivität, Qualität sowie<br />
Nachhaltigkeit deutlich steigern und ihren<br />
Werkzeugbestand verkleinern.<br />
Die Auswahl und häufige Wechsel des<br />
jeweils passenden Werkzeugs sind zeitaufwendig,<br />
senken die Produktivität und steigern<br />
das Risiko von Fehlern. Hohe Bohrgeschwindigkeiten<br />
können zu verringerter<br />
Qualität führen, sodass weitere Nachbearbeitungen<br />
nötig werden, und die Standzeit<br />
verkürzen. Der damit verbundene Werkzeugausschuss<br />
beeinträchtigt nicht nur die<br />
Wirtschaftlichkeit, sondern auch die Nachhaltigkeit.<br />
X-Tip von Seco ist eine leistungsstarke,<br />
effiziente Bohrlösung und vereinfacht<br />
das Werkzeugmanagement vor allem<br />
für Unternehmen mit unterschiedlichen<br />
Bauteilen oder wechselnden Materialanforderungen.<br />
Bohrkopfdesign für<br />
hohe Leistung und Qualität<br />
Die spezielle Geometrie der Bohrköpfe<br />
sorgt für hohe Vorschubgeschwindigkeiten<br />
und senkt somit Energieverbrauch und<br />
Kosten pro Bohrung. Das selbstzentrierende<br />
Design reduziert Vibrationen und<br />
verbessert die Bohrungsqualität, sogar bei<br />
schrägen und balligen Eintritten oder tiefen<br />
Bohrungen. Das Spankammerdesign<br />
und die interne Kühlmittelzufuhr sichern<br />
eine zuverlässige Spanabfuhr<br />
Schnelle Werkzeugwechsel,<br />
geringere Kosten<br />
Die Bohrköpfe lassen sich schnell und einfach<br />
mit dem Montageschlüssel wechseln.<br />
In wenigen Sekunden ist der Bohrer wieder<br />
Die austauschbaren Bohrwechselköpfe der<br />
Reihe X-Tip von Seco ermöglichen höchste<br />
Vorschübe und präzise Bohrungen in<br />
zahlreichen Werkstoffen<br />
einsatzbereit. Ausgediente Bohrköpfe können<br />
recycelt und die Bohrkörper weiterverwendet<br />
werden. So senken Anwender ihre<br />
Ausgaben und den Rohstoffverbrauch.<br />
Informationen: www.secotools.com<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 27
Werkzeuge & Werkstoffe<br />
Auf steigende Hartmetallkosten reagieren<br />
Steigende Wolframpreise, zunehmende<br />
Rohstoffverknappung und eine wachsende<br />
Nachfrage aus dem High-End-<br />
Fertigungssektor verändern die globale<br />
Schneidwerkzeugindustrie. Im Jahr 2025<br />
nahmen Hersteller von Hartmetallstäben<br />
und Schneidwerkzeugen mehrere Preisanpassungen<br />
vor, deren volle Auswirkungen<br />
voraussichtlich im Jahr <strong>2026</strong> sichtbar<br />
werden.<br />
Angesichts des zunehmenden Kostendrucks<br />
stehen Produzenten nicht nur vor<br />
der Herausforderung, höhere Preise zu bewältigen,<br />
sondern auch die Konstruktion,<br />
Verwendung und den Austausch von<br />
Schneidwerkzeugen zu überdenken.<br />
Bei Tungaloy wird diese Herausforderung<br />
durch die Werkzeugarchitektur angegangen.<br />
Das Unternehmen setzt auf Werkzeug-Systeme<br />
mit Wechseleinsätzen, die<br />
den Materialverbrauch und die Umweltbelastung<br />
reduzieren und gleichzeitig<br />
eine hervorragende Bearbeitungsleistung<br />
erzielen.<br />
Materialeffizienz, Nachhaltigkeit<br />
und Vielseitigkeit<br />
Herkömmliche Vollhartmetallwerkzeuge<br />
müssen nach Verschleiß vollständig ausgetauscht<br />
werden, was zu einem hohen<br />
Materialverbrauch und Abfall führt. Wechseleinsätze,<br />
hier insbesondere Wechselkopfsysteme<br />
verfolgen einen anderen<br />
Ansatz: nur der verschlissene Schneidkopf<br />
wird ausgetauscht, wodurch der<br />
Hartmetallverbrauch erheblich reduziert,<br />
der Abfall begrenzt und die Abhängigkeit<br />
von Schwankungen der Rohstoffpreise<br />
verringert wird – ein zunehmend wichtiger<br />
Aspekt, da der Zugang zu kritischen<br />
Ressourcen immer eingeschränkter wird.<br />
Das Bohrsystem DrillMeister und das Frässystem<br />
TungMeister von Tungaloy basieren<br />
auf diesem Prinzip und ermöglichen<br />
im Vergleich zu herkömmlichen Vollhartmetallwerkzeugen<br />
zum Bohren und Fräsen<br />
eine effizientere und verantwortungsvollere<br />
Nutzung der begrenzten Hartmetallressourcen.<br />
Über die Materialeffizienz hinaus bietet<br />
das modulare Design ein hohes Maß an<br />
Vielseitigkeit. TungMeister bietet eine<br />
große Auswahl an Wechsel-Fräsköpfen für<br />
Anwendungen wie Hochvorschub-, Plan-,<br />
Eck- und Nutfräsen sowie zum Anfasen,<br />
während DrillMeister verschiedene Bohrköpfe<br />
bietet, die für unterschiedlichste<br />
Bohr Anforderungen optimiert sind. Diese<br />
Flexibilität ermöglicht es Herstellern, sich<br />
an veränderte Produktionsanforderungen<br />
anzupassen und gleichzeitig den Werkzeugbestand<br />
zu reduzieren.<br />
Unterstützung der<br />
fortschrittlichen Fertigung<br />
Aufstrebende Branchen verlangen enge<br />
Toleranzen, gleichbleibende Oberflächenqualität<br />
und stabile Prozesse, oft bei hohem<br />
Werkzeugverschleiß. Durch die Kombination<br />
von Materialeffizienz und modularer<br />
Vielseitigkeit helfen austauschbare<br />
Kopfsysteme den Herstellern, Produktivität,<br />
Kostenstabilität und langfristige Ressourceneffizienz<br />
in diesem hochpräzisen<br />
Umfeld in Einklang zu bringen.<br />
Eine langfristige Perspektive<br />
Tungaloy vertritt die Philosophie, dass die<br />
Branche angesichts steigender Materialkosten<br />
über kurzfristige Reaktionen hinausdenken<br />
muss.<br />
Es sind intelligentere, langfristige Lösungen<br />
erforderlich. Lösungen, die in die<br />
Architektur des Werkzeugs selbst integriert<br />
sind. Durch die Reduzierung von Materialabfällen<br />
und die Verbesserung der Vielseitigkeit<br />
können Hersteller auch unter<br />
sich ändernden Bedingungen Produktivität<br />
und Stabilität aufrechterhalten. In Zeiten<br />
wie diesen ist es wichtig, den Fokus<br />
nicht zu verlieren – oder, ganz wörtlich,<br />
den Kopf nicht zu verlieren.<br />
Informationen: www.tungaloy.com<br />
28 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Werkzeuge & Werkstoffe<br />
Feinbearbeitungssysteme:<br />
Drei neue Lösungen für die Praxis<br />
Komplexe Prozesse und hohe Qualitätsanforderungen<br />
erfordern Feinbearbeitungssysteme,<br />
die leistungsfähig, präzise<br />
und einfach in der Handhabung sind. Mit<br />
HPR400 und HPR400 plus zum hochproduktiven<br />
Reiben großer Durchmesser erfüllt<br />
MAPAL genau diese Anforderungen.<br />
Die mehrschneidigen Werkzeugsysteme<br />
bieten den Vorteil, dass die Schneiden<br />
mit einer (HPR400) beziehungsweise vier<br />
(HPR400 plus) Schneidkanten direkt vor<br />
Ort durch den Kunden gewechselt werden<br />
können und dank hochgenau gefertigter<br />
Plattensitze höchste Präzision sicherstellen.<br />
Im Fokus aktueller Entwicklungen stehen<br />
drei neue Lösungen, die alle ein Ziel verfolgen:<br />
die Produktivität von Unternehmen<br />
weiter zu steigern und die Kosten nachhaltig<br />
zu senken.<br />
Innovative Ein-Schuss-Lösung für<br />
die Finishbearbeitung mit<br />
hohen Aufmaßen<br />
In Bearbeitungssituationen mit hohen Auf -<br />
maßen in der Finishbearbeitung ist das<br />
Kombinationswerkzeug mit ISO-Vorschneid<br />
stufe und HPR400-System besonders<br />
attraktiv. Es ermöglicht, Bohrungen<br />
mit bis zu 6 mm Aufmaß in einem einzigen<br />
Arbeitsgang zu fertigen. Das ISO-Schneidteil<br />
übernimmt die Hauptzerspanung, und<br />
das HPR400-System die Finishbearbeitung.<br />
Für den Kunden bedeutet dies kürzeste<br />
HPR400 plus Planeinstich<br />
Taktzeiten. Es entfällt der Einstellaufwand,<br />
da die Schneiden am kompletten Werkzeug<br />
nicht eingestellt werden müssen.<br />
Neues Konzept HPR400 plus<br />
für Planeinstiche<br />
Die HPR400 plus Baureihe wurde gezielt für<br />
die Bearbeitung von Planeinstichen weiterentwickelt.<br />
Die Wendeschneidplatten wurden<br />
explizit für Bohrungen mit speziellen<br />
Bodenkonturen (Planbearbeitung oder<br />
Planeinstich) entwickelt. Das neue Werkzeugkonzept<br />
mit zwei nutzbaren Schneidkanten<br />
verbessert dabei die Wirtschaftlichkeit.<br />
Trotz Planeinstich sind Werkzeug und<br />
Schneide stabil und zuverlässig in der Bearbeitung.<br />
Anwendungen finden sich bei fast<br />
HPR400 Statorgehäuse<br />
allen Schwenklagern und Lagerbohrungen,<br />
bei denen ein Freigang am Bohrungsgrund<br />
gewährleistet sein muss.<br />
HPR400 mit PKD-Schneiden für die<br />
Bearbeitung von Statorgehäusen:<br />
Innovative Lösungen für die<br />
Elektromobilität<br />
Das HPR400 System eignet sich darüber<br />
hinaus auch für die Schlichtbearbeitung<br />
der Statorbohrung in Elektromotoren. Da<br />
mittlerweile verstärkt Motoren in höheren<br />
Stückzahlen für Fahrzeuge im mittleren<br />
Segment nachgefragt werden, steigt<br />
die Forderung nach produktiven Lösungen.<br />
Im Gegensatz zu den Schneiden eines<br />
Feinbohrwerkzeugs kommen die HPR400-<br />
Werkzeuge mit PKD-Schneiden ohne Einstellung<br />
aus. Die Bearbeitungsgeschwindigkeiten<br />
sind aufgrund der höheren<br />
Schneidenanzahl deutlich höher als bei<br />
einem Feinbohrwerkzeug. Die Technologie<br />
ermöglicht einen höheren Output mit<br />
weniger Aufwand und steigert damit die<br />
Produktivität.<br />
HPR400 – drei neue Lösungen: mit dem HPR400-Reibsystem können Unternehmen ihre<br />
Produktivität steigern und dadurch Kosten nachhaltig senken;<br />
MAPAL bietet drei neue Lösungen für die Praxis<br />
Mit den Weiterentwicklungen der<br />
HPR400 und HPR400 plus-Systeme für konkrete<br />
Anwendungen unterstreicht MAPAL<br />
den Anspruch, Kunden aus den Bereichen<br />
Fahrzeugbau oder Fluidtechnik zukunftsfähige<br />
Lösungen für eine Vielzahl anspruchsvoller<br />
Bearbeitungen anbieten zu können –<br />
flexibel, wirtschaftlich, nachhaltig und<br />
technologisch auf der Höhe der Zeit.<br />
Informationen: www.mapal.com<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 29
Bearbeitungsprozesse<br />
B. Denkena, B. Bergmann, L. Puls<br />
Präzision statt Zufall -<br />
Wie deterministische Kornanordnungen<br />
das Seilschleifen verändern<br />
Prof. Dr.-Ing. Berend Denkena<br />
Institutsleiter für Fertigungstechnik<br />
und Werkzeugmaschinen<br />
Dr.-Ing. Benjamin Bergmann<br />
Bereichsleiter „Fertigungsverfahren“<br />
am Institut für Fertigungstechnik und<br />
Werkzeugmaschinen<br />
Lennart Puls M. Sc.<br />
wissenschaftlicher Mitarbeiter im<br />
Bereich „Schleiftechnologie“ am<br />
Institut für Fertigungstechnik und<br />
Werkzeugmaschinen<br />
Motivation<br />
Der Rückbau von Stahlkonstruktionen<br />
und Stahlbetonbauteilen erfordert<br />
Werkzeuge, die nicht nur<br />
schnell, sondern auch zuverlässig<br />
und langlebig arbeiten. Konventionelle<br />
Seilschleifwerkzeuge mit stochastisch<br />
verteilten Diamantkörnern<br />
erreichen zwar hohe Abtragsraten,<br />
neigen jedoch zu starken<br />
Schwingungen, hohem Verschleiß<br />
und einer kurzen Standzeit. Das Ver -<br />
bundprojekt “Hocheffiziente Seilschleifsegmente<br />
mittels additiver<br />
Sieb drucktechnologie (SiebSeil)”<br />
im Rahmen des Förderkonzepts<br />
“FORKA - Forschung für den Rückbau<br />
kerntechnischer Anlagen” hat<br />
nun gezeigt, dass eine deterministische<br />
Anordnung der Schleifkörner<br />
diese Probleme lösen kann. In<br />
dem Projekt wurden unterschiedliche<br />
Setzmuster simulativ ausgelegt,<br />
im additiven Siebdruckverfahren<br />
hergestellt und das Einsatzverhalten<br />
untersucht.<br />
Simulation<br />
Im ersten Teil des Projektes wurde<br />
ein Simulationsmodell entwickelt,<br />
mit dem der Einfluss deterministischer<br />
Setzmuster beim Seilschleifen<br />
untersucht wurde. Die kinematische<br />
Simulation basiert auf der NC-<br />
Simulationssoftware IFW CutS [1] .<br />
Dieses System umfasst Methoden<br />
zur Erstellung von Modellen für die<br />
Maschinenkinematik, den Materialabtrag<br />
und die Maschinensteuerung.<br />
Bei jedem Simulationsschritt<br />
ist das Wissen über die Kontaktfläche<br />
zwischen Werkzeug und Werkstück<br />
sowie die Verteilung des<br />
abgetragenen Materials verfügbar.<br />
Auf Basis dieser Daten werden<br />
die Prozesskräfte, die Prozessstabilität<br />
und der Werkzeugverschleiß<br />
vorhergesagt. Die Simulation des<br />
Materialabtrags basiert auf einem<br />
3D-Dexel-Modell und geht von<br />
einer perfekten Werkstofftrennung<br />
aus, die das elastische Verhalten<br />
von Werkzeug und Werkstück vernachlässigt.<br />
Als Eingangsgrößen für<br />
die Simulation werden die Parameter<br />
zur Konstruktion der Schleifsegmente<br />
und die Prozessstellgrößen<br />
Vorschub- und Schnittgeschwindigkeit<br />
sowie die spezifischen Koeffizienten<br />
für das Werkstückmaterial zur<br />
Berechnung der Kräfte benötigt.<br />
Damit werden in der Simulation<br />
die Kontaktbedingungen an<br />
den Schleifkörnern (z. B. die Spanungsdicke,<br />
der Spanungsquerschnitt<br />
und das abgetragene Volumen)<br />
be rechnet. Zusätzlich können<br />
daraus die auftretenden Prozesskräfte<br />
ermittelt werden. Auf diese<br />
Weise wurden unterschiedliche<br />
Segmen te mit deterministischem<br />
Setzmuster simuliert und der Einfluss<br />
verschiedener Parameter, wie<br />
beispiels weise Korngröße, Abstand<br />
der Körner parallel und senkrecht<br />
zur Schnittbewegung und Anzahl<br />
der Kornreihen, untersucht. Auf<br />
Basis dieser Ergebnisse wurden die<br />
vielversprechendsten Setzmuster<br />
ausgewählt und erste Prototypen<br />
hergestellt.<br />
Herstellung<br />
Die fertigungstechnische Entwicklung<br />
im Projekt konzentrierte sich<br />
auf zwei zentrale Aspekte: die Optimierung<br />
der Bindungslegierungen<br />
30 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Bearbeitungsprozesse<br />
für eine sichere Anbindung der<br />
Schleifpartikel sowie die präzise,<br />
deterministische Anordnung dieser<br />
Partikel im additiven Siebdruckverfahren.<br />
Ein erster Schritt bestand<br />
darin, die Partikelgrößenverteilungen<br />
handelsüblicher Schleifkörner<br />
zu analysieren, wobei sich systematische<br />
Abweichungen von den Herstellerspezifikationen<br />
zeigten. Um<br />
die Prozessstabilität zu gewährleisten,<br />
wurden die Körner daher<br />
durch zusätzliche Klassierung via<br />
Siebung in engere Größenfraktionen<br />
unterteilt. Dies ermöglichte<br />
eine reproduzierbare Füllung der<br />
Kavitäten und bildete die Grund -<br />
lage für die weitere Prozessoptimierung.<br />
Parallel erfolgte die<br />
Anpassung der Bindungslegierungen,<br />
wo bei besonderes Augenmerk<br />
auf die Verarbeitbarkeit im<br />
additiven Fertigungsprozess und<br />
eine gleichbleibend hohe Bindungs<br />
härte gelegt wurde. Die<br />
Le gie rungen basierten auf etablierten<br />
Systemen, um Vergleichbarkeit<br />
zu gewährleisten. Diese wurden<br />
jedoch speziell auf die Anforderungen<br />
des Siebdrucks abgestimmt.<br />
Hier spielten Faktoren wie die<br />
Pulvergrößenverteilung, die Partikelmorphologie<br />
und die Maschengröße<br />
der Drucksiebe eine entscheidende<br />
Rolle. Fließfähige Me -<br />
tallpulvermischungen waren dabei<br />
essenziell, um eine gleichmäßige<br />
Druckpaste zu erzeugen. Im Rahmen<br />
umfangreicher Parameterstudien<br />
konnte eine stabile Baurate<br />
von 320 cm³/h erreicht werden.<br />
Bild 1 zeigt unterschiedliche Zustände<br />
der Schleifsegmente, vom<br />
Design über den Grünling bis zur<br />
gesinterten Perle.<br />
Ein weiterer Schwerpunkt lag<br />
auf der Wärmebehandlung, die für<br />
das Sintern der Bindungslegierung<br />
und die dauerhafte Anbindung der<br />
Schleifkörner an die Matrix verantwortlich<br />
ist. Durch spektroskopisch<br />
überwachte Wärmebehandlungsprozesse<br />
gelang eine energetische<br />
und thermochemische Optimierung,<br />
die eine präzise Einstellung<br />
der Materialeigenschaften ermöglichte.<br />
Metallographische Analysen,<br />
insbesondere Härtemessungen<br />
nach Rockwell, bestätigten, dass<br />
sich die Eigenschaften der Bindung<br />
Bild 1<br />
Vom simulationsbasierten CAD-Entwurf bis zum gesinterten Schleifsegment<br />
©IFAM Dresden<br />
gezielt über die Zusammensetzung<br />
der Legierung und die Sintertemperatur<br />
steuern lassen. Die Ergebnisse<br />
zeigen, dass die additiv gefertigten<br />
Bindungsmatrizen vergleichbare<br />
Eigenschaften wie klassische,<br />
presstechnisch hergestellte Bindungssysteme<br />
aufweisen. Durch<br />
die enge Partikelgrößenverteilung<br />
und die kontrollierte Wärmebehandlung<br />
wird gleichzeitig eine<br />
höhere Prozesssicherheit erreicht.<br />
Am Ende des Entwicklungsprozesses<br />
stand eine reproduzierbare<br />
Fertigungsroute, die nicht nur die<br />
deterministische Anordnung der<br />
Schleifpartikel ermöglicht, sondern<br />
auch eine stabile und langlebige<br />
Bindung zwischen Korn und Matrix<br />
sicherstellt [2] . Dies bildet die Grundlage<br />
für die Herstellung hochpräziser<br />
Seilschleif segmente mit verbesserten<br />
Einsatz eigenschaften.<br />
Einsatzverhalten<br />
In einem iterativen Vorgehen wurden<br />
auf Basis der Simulationsergebnisse<br />
unterschiedliche Setzmuster<br />
ausgelegt, Prototypen hergestellt<br />
und deren Einsatzverhalten<br />
untersucht. Letzteres erfolgte<br />
zunächst anhand von Analogieversuchen:<br />
Schleifen mit einzelnen<br />
Körnern [3] und Schleifen mit einzelnen<br />
Segmenten. Mit den vielversprechendsten<br />
Kombinationen<br />
aus Korn, Bindung und Setzmuster<br />
wurden anschließend kurze Seile<br />
hergestellt und auf einem Analogie<br />
versuchsstand in einer konventio<br />
nellen Schleifmaschine eingesetzt.<br />
Am Ende der Entwicklungsphase<br />
standen zwei Prototypen<br />
mit unterschiedlichen deterministischen<br />
Setzmustern für die abschließenden<br />
Feldversuche zur<br />
Verfügung: eine Variante mit feinen<br />
Diamanten (D426) und eine<br />
mit grobem Diamantkorn (D1181).<br />
Diese Versuche fanden auf der Portalsäge<br />
des IFW und beim Projektpartner<br />
CCD Diamanttechnik statt.<br />
Für Sägeprozesse wird die Produktivität<br />
durch die erzeugte Schnittfläche<br />
je Zeiteinheit gemessen. Das<br />
entspricht dem bezogenen Zeitspanvolumen<br />
Q’ w , wie es aus konventionellen<br />
Schleifprozessen bekannt<br />
ist. Im Fall des Seilschleifens<br />
wird dafür das Zeitspanvolumen<br />
Q w auf den Segmentdurchmesser<br />
d s bezogen und als Zeitspanfläche<br />
A‘ w bezeichnet:<br />
Q w<br />
Q w<br />
’ = = A’<br />
w<br />
d s<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 31
Bearbeitungsprozesse<br />
Bild 2<br />
Zeitspanfläche und Schwingungsamplitude während der Einsatzversuche am IFW<br />
Bild 2 zeigt die bezogene Zeitspanfläche<br />
und die Schwingungsamplitude<br />
der Prototypen (Effektivwert<br />
der Normalkraft) auf dem Versuchsstand<br />
des IFW.<br />
Das Referenzwerkzeug erreicht<br />
eine Zeitspanfläche von 6 cm²/min.<br />
Die Werte für die beiden Prototypen<br />
liegen bei ca. 4 cm²/min (D426)<br />
und 3,5 cm²/min (D1181). Auffällig<br />
Bild 3<br />
Versuchsaufbau beim Projektpartner CCD Diamanttechnik<br />
ist, dass sich die Schwingungsamplitude<br />
der Prototypen stark von<br />
der des Referenzwerkzeugs unterscheidet.<br />
Auf der rechten Seite<br />
von Bild 2 ist der Effektivwert (RMS<br />
bzw. das quadratische Mittel) der<br />
normalen Kraftkomponente dargestellt.<br />
Bei beiden Prototypen<br />
zeigt sich eine deutliche Verringerung<br />
der Amplituden im Vergleich<br />
zum Referenzwerkzeug: die Amplitude<br />
beim D1181-Prototyp ist 50 %<br />
und die des D426-Prototyps sogar<br />
62 % geringer als die Schwingungsamplitude<br />
des Referenzwerkzeugs.<br />
Die Werkzeuge mit deterministischer<br />
Kornanordnung sind so ausgelegt,<br />
dass die Belastung für die<br />
einzelnen Körner möglichst gleich<br />
ist und jedes Korn dieselbe Menge<br />
Werkstückmaterial abtragen muss.<br />
Dementsprechend entfallen hohe<br />
Kraftspitzen im Werkzeugeingriff<br />
und die Anregung der Seilschwingung<br />
ist stark verringert. Der Versuchsaufbau<br />
beim Projektpartner<br />
CCD ist in Bild 3 dargestellt.<br />
Die Basis bildet eine mobile<br />
Seilsäge mit einer Antriebsleistung<br />
von 15 kW. Um die Reproduzierbarkeit<br />
der Versuche zu erhöhen, wurde<br />
ein System von Umlenkrollen so<br />
aufgebaut, dass sich ebenfalls eine<br />
Portal-Seilsäge ergibt. Bei dieser<br />
Variante sind die Schlitten einzeln<br />
verfahrbar. Für die Versuche wurden<br />
ausgemusterte Gasflaschen als<br />
Probekörper eingesetzt. Es wurden<br />
sowohl ungefüllte Gasflaschen als<br />
auch Gasflaschen mit Betonfüllung<br />
bereitgestellt. Letztere ermöglichten<br />
die Untersuchung der Zerspa -<br />
nungsleistung bei der Zerlegung<br />
32 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Bearbeitungsprozesse<br />
von Stahlbeton. Als Erstes wurde<br />
ein Trockenschnitt in einer ungefüllten<br />
Gasflasche mit dem D1181-<br />
Prototyp durchgeführt. Bild 4 zeigt<br />
Aufnahmen des Werkzeugs zu<br />
Beginn und am Ende des Schnitts,<br />
der in diesem Fall durch das Versagen<br />
des Werkzeugs erreicht wurde.<br />
Bild 4<br />
Bilder vom Schnitt mit dem Prototyp D1181 beim Projektpartner CCD Diamanttechnik<br />
Kurz nach Beginn des Schnitts<br />
ist zu erkennen, dass sich in der<br />
Kontaktzone durchgehende Spuren<br />
der Schleifkörner ausbilden<br />
(Bild 4, oben). Dies ist ein Resultat<br />
der regelmäßigen Kornanordnung<br />
und deutet darauf hin, dass sich<br />
die Segmente im Kontakt jeweils<br />
nach den Spuren des vorherigen<br />
Segments ausrichten. Im Gegensatz<br />
da zu zeigten sich beim Referenzversuch<br />
mit einem konventionellen<br />
Werkzeug deutliche Rattermarken<br />
in der Kontaktzone, was<br />
wiederum auf eine erhöhte Schwin -<br />
gungstätigkeit hinweist. Nach circa<br />
14 min reiner Schnittzeit kam es<br />
zum Ausfall des Prototyps D1181.<br />
Aufgrund hoher Prozesstemperaturen<br />
hatte sich die Gummierung<br />
aufgeweicht und unter der Belastung<br />
zusammengeschoben, wie im<br />
unteren Teil von Bild 4 erkennbar<br />
ist. Damit ist die Prozesszeit<br />
nur wenig länger als beim Referenzwerkzeug,<br />
das für den Schnitt<br />
12 min benötigte. Der Prototyp<br />
D426 benötigte für den gleichen<br />
Schnitt ca. 26 min mit einer Wasserkühlung<br />
im Bereich der Kontaktzone<br />
und 29,5 min mit einer Druckluftkühlung,<br />
ohne dass das Werkzeug<br />
versagte. Anschließend wurden<br />
mit diesem Prototyp mehrere<br />
aufeinanderfolgende Schnitte mit<br />
Druckluftkühlung, durch betongefüllte<br />
Druckgasflaschen ausgeführt.<br />
Die Zeitspanfläche lag während<br />
der ersten Schnitte im Bereich von<br />
40 cm²/min, verringerte sich dann<br />
über mehrere Schnitte hinweg<br />
auf 25 cm²/min, wie in Bild 5 dargestellt.<br />
Eine mögliche Erklärung<br />
Bild 5<br />
Zeitspanfläche und Verschleiß des Prototypen D426 sowie eines galvanischen Referenzwerkzeugs<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 33
Bearbeitungsprozesse<br />
dafür ist, dass durch den initialen<br />
Bindungsverschleiß tieferliegende<br />
Kornreihen freigelegt werden und<br />
sich infolge die Anzahl der aktiven<br />
Schleifkörner erhöht. Dadurch<br />
sinkt die Eingriffstiefe der einzelnen<br />
Körner und der Materialabtrag<br />
nimmt bei gleichen Randbedingungen<br />
ab.<br />
Bei einer kumulierten Schnittfläche<br />
von 1,05 m² wurden die Versuche<br />
unterbrochen, ohne dass<br />
das Seil versagte. Die Mate rialab<br />
tragsrate des Referenzwerkzeugs<br />
ist bei diesen Versuchen auf<br />
einem vergleichbaren Niveau wie<br />
die des Prototyps, bevor das Referenzwerkzeug<br />
bei einer kumulierten<br />
Schnittfläche von 0,45 m² versagt.<br />
Die Erhöhung der Zeitspanfläche<br />
ab dem fünften Schnitt ist<br />
auf eine Erhöhung der Schnittgeschwindigkeit<br />
zurückzuführen.<br />
Während der ersten fünf Schnitte<br />
konnte bei dem Prototyp eine<br />
leichte Verringerung des Segmentdurchmessers<br />
festgestellt werden<br />
(vgl. Bild 5). Dies weist auf ein<br />
Einschleifverhalten hin. Erwähnenswert<br />
ist ebenfalls, dass die<br />
mittlere Leistungsaufnahme des<br />
Antriebs beim Schleifen mit dem<br />
Prototyp D426 nur 12,5 kW beträgt,<br />
im Gegensatz zu 15,4 kW, die beim<br />
Schleifen mit dem Referenzwerkzeug<br />
anfallen. Dies könnte darauf<br />
zurückzuführen sein, dass bei einer<br />
zufälligen Kornverteilung einige<br />
Körner nur wenig im Eingriff sind,<br />
sodass sie kein Material abtragen,<br />
sondern lediglich über das Werkstück<br />
reiben. Diese Beobachtung<br />
sollte in künftigen Untersuchungen<br />
näher betrachtet werden. Diese<br />
Versuche zeigen deutlich das<br />
Leistungspotenzial der neuen<br />
Seilschleifwerkzeuge mit deterministischer<br />
Kornanordnung. Die<br />
Materialabtragsrate im reinen<br />
Stahl ist um 27 % geringer als die<br />
der Referenzwerkzeuge. Bei der<br />
Zerspanung von Stahlbeton<br />
erreicht der Prototyp D426 vergleichbare<br />
Abtragsraten wie das<br />
Referenzwerkzeug. Gleichzeitig<br />
ist das Schwingungsverhalten, un -<br />
abhängig ob es sich um reinen<br />
Stahl oder Stahlbeton handelt,<br />
infolge der gleichmäßigen Kornanordnung<br />
stark reduziert. Dies<br />
erhöht die Sicherheit für den<br />
Maschinenbediener und die<br />
Standzeit der Werkzeuge, da hohe<br />
Belastungsspitzen vermieden werden.<br />
Zudem ist hervorzuheben,<br />
dass die neu entwickelten Werkzeuge<br />
einen mehrschichtigen Aufbau<br />
besitzen. Bei hinreichendem<br />
Bindungsrücksatz, wie er im Beton<br />
aufgrund der Materialeigenschaften<br />
gewährleistet ist, ist die Nutzung<br />
des Werkzeugs bis zum vollständigen<br />
Abtrag des Schleifbelags<br />
in den Segmenten möglich. Dies<br />
sorgt für eine weitere Erhöhung<br />
der Standzeit.<br />
Danksagung<br />
Wir danken den Partnern im Verbundprojekt<br />
“Hocheffiziente Seilschleifsegmente<br />
mittels additiver<br />
Siebdrucktechnologie” (15S9429):<br />
- Fraunhofer IFAM Dresden<br />
- DIABÜ Diamantwerkzeuge<br />
Heinz Büttner GmbH<br />
- Cedima Diamantwerkzeug- und<br />
Maschinenbaugesellschaft mbH<br />
- CCD Diamanttechnik<br />
für die gute Zusammenarbeit sowie<br />
dem Bundesministerium für Forschung,<br />
Technologie und Raumfahrt<br />
(BMFTR) für die Förderung des Projektes<br />
im Rahmen des Forschungsprogramms<br />
FORKA.<br />
Informationen:<br />
www.ifw.uni-hannover.de<br />
Bildnachweis<br />
Bild 1: Fraunhofer IFAM Dresden<br />
Bild 2: Verfasser<br />
Bild 3: Verfasser<br />
Bild 4: Verfasser<br />
Bild 5: Verfasser<br />
Literatur<br />
[1]<br />
Denkena und V. Böß<br />
“Technological NC simulation for grinding and cutting processes using cutS”,<br />
in “Proceedings of the 12 th CIRP conference on modelling of machining operations”,<br />
2009, S. 563<br />
[2]<br />
Studnitzky, A. Strauß, T. Weißgärber, M. Jank und D. Büttner<br />
“Ordered diamond arrangement in a sinter-based AM process”,<br />
in “Proceedings World PM 2022”,<br />
Lyon, 13.10 2022<br />
[3]<br />
B. Denkena, T. Weißgärber, T. Studnitzky, B. Bergmann, A. Strauß und L. Puls<br />
“Effect of Bond Hardness of Additively Manufactured Grinding Tool Bonds<br />
on Material Removal Efficiency during Single-Grain Cutting”<br />
J. Mater. Eng. Perform., Bd. 34, Nr. 9,<br />
2025, doi: 10.1007/s11665-025-10689-6<br />
34 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Bearbeitungsprozesse<br />
Gestern, heute und morgen:<br />
Kock setzt dauerhaft auf Vollmer<br />
Die Kock GmbH aus Norddeutschland<br />
betreut mit ihrer Sägewerkstechnik die<br />
Holzindustrie und mit ihrer Zerspanungstechnik<br />
die Metall-, Kunststoff- und Papierindustrie.<br />
Neben Schärfservices und Werkzeugvertrieb<br />
bietet die Firma auch die Fertigung<br />
von Sonderwerkzeugen an – dafür<br />
wurde vor kurzem in zwei neue Vollmer<br />
VGrind Schleifmaschinen investiert. Zudem<br />
besitzt Kock rund zwei Dutzend weitere<br />
Vollmer Maschinen, auch zum Schleifen<br />
von Kreissägen und zur Instandhaltung<br />
und Fertigung von Bandsägen.<br />
Wenige Kilometer nordwestlich von<br />
Hamburg entfernt, liegt die 5000-Seelen-<br />
Gemeinde Moorrege. Der perfekte Standort<br />
um die Kunden in Schleswig-Holstein,<br />
Hamburg, Nord-Niedersachsen und<br />
Mecklenburg-Vorpommern täglich zu<br />
erreichen, wobei das Unternehmen im<br />
Sägewerksbereich sogar die komplette<br />
DACH-Region abdeckt.<br />
Kock ist Schärfdienst und<br />
Werkzeughersteller in einem<br />
„Mit unserem hochqualifizierten Team von<br />
rund 45 Mitarbeitenden und einem modernen<br />
Maschinenpark stehen wir unseren<br />
Kunden bei allen Fragen rund um Zerspanungswerkzeuge<br />
und Schneidwerkzeuge<br />
zur Seite“, sagt Hannes Kock, Geschäftsführer<br />
der Kock GmbH. „Deshalb vereinen<br />
wir Schärfdienst, Werkzeugfertigung sowie<br />
den Vertrieb führender Marken zu einem<br />
Gesamtpaket, das auf die Holz- und Metallverarbeitende<br />
Industrie zugeschnitten ist.“<br />
Kock hat sich auf hochwertige Werkzeuge<br />
und Zubehör rund um die Zerspanung<br />
spezialisiert, wobei das Portfolio verschiedene<br />
Werkzeugtypen wie Fräser, Bohrer,<br />
Stufenbohrer, Kreissägeblätter, Blockbandsägen,<br />
Industriemesser, Schneidrotoren<br />
sowie Holzbearbeitungswerkzeuge<br />
umfasst. Die Kunden kommen aus der<br />
Metall-, Holz-, Papier- und Kunststoffindustrie<br />
und sind in Branchen wie Schifffahrt,<br />
Luftfahrt, Energie, Medizin, Maschinenbau<br />
und Automobil zuhause. Innerhalb seines<br />
Vertriebsprogramms verkauft Kock gängige<br />
Werkzeuge namhafter Hersteller wie zum<br />
Beispiel Iscar und Wohlhaupter für die<br />
Metallindustrie und Aigner und Kanefusa<br />
für die Holzverarbeitung.<br />
Kock hat gut zwei Dutzend<br />
Vollmer Maschinen im Einsatz<br />
Gegründet in den 1950er-Jahren von<br />
Heinrich Kock wird das Unternehmen heute<br />
in dritter Generation von seinem Enkel<br />
Hannes Kock geführt – dazwischen leitete<br />
sein Vater Dieter und sein Onkel Wolfgang<br />
das Unternehmen. Seit 2017 besteht eine<br />
Vertriebspartnerschaft mit der AGEFA<br />
Gruppe für den Raum Norddeutschland.<br />
Ein weiteres Standbein ist die Integration<br />
und der Betrieb von Toolmanagement-<br />
Systemen. Angeboten werden Lösungen,<br />
die von Ausgabesystemen bis hin zu integrierten<br />
Beschaffungssystemen für Werkzeuge<br />
reichen. Kock setzt seit der Gründung<br />
auf Vollmer Technologie und hat bis<br />
heute Maschinen im Betrieb, die vor mehr<br />
als 70 Jahren aus dem Schwabenland in die<br />
Elbmarschen geliefert wurden.<br />
„Eine der ersten Vollmer Maschinen war<br />
unsere Cana/E zum Schärfen von Kreissägeblättern,<br />
zudem nutzen wir für Wartung<br />
und Fertigung von Bandsägen Richtcenter,<br />
Stellitier- und Schleifmaschinen aus dem<br />
Hause Vollmer“, sagt Hannes Kock. „Seit<br />
kurzem besitzen wir die Schleifmaschinen<br />
VGrind argon und VGrind 360, mit denen<br />
wir Vollhartmetallwerkzeuge wie Bohrer<br />
und Fräser nicht nur nachschärfen, sondern<br />
auch kundenspezifische Sonderwerkzeuge<br />
herstellen.“<br />
Ein Fokus liegt auf Sonderwerkzeugen<br />
mit kleinen Durchmessern<br />
Auf beiden VGrind Maschinen kann Kock<br />
unterschiedliche Schaftwerkzeuge in einer<br />
Aufspannung bearbeiten, dank der Automatisierung<br />
HC 4 auch mannlos und rund<br />
um die Uhr. Das Kettenmagazin HC 4 kann<br />
entweder 39 HSK-A63-Werkzeuge oder biszu<br />
158 Schaftwerkzeuge aufnehmen. Die<br />
Linearantriebe an der X-, Y- und Z-Achse<br />
sowie zwei vertikal angeordneter Spindeln<br />
ermöglichen der Schleifmaschine eine<br />
hochpräzise Mehr-Ebenen-Bearbeitung.<br />
Beide Spindeln sind mit unterschiedlichen<br />
Schleifscheibensätzen bestückbar. Mit den<br />
neuen VGrind Maschinen will Kock vor<br />
allem seine Fertigung von Sonderwerkzeugen<br />
in kleinen Chargen ausbauen, mit<br />
Fokus auf Zerspanungswerkzeuge mit kleineren<br />
Durchmessern.<br />
Die VGrind Argon von Vollmer im Einsatz bei<br />
der Kock GmbH in Moorrege<br />
Kreis- und Bandsägen für die<br />
Holzindustrie bearbeiten<br />
„Holz ist für uns ein Teil des alltäglichen<br />
Lebens und ein sympathischer Rohstoff,<br />
deshalb unterstützen wir unsere Kunden<br />
bei der Verarbeitung dieses Werkstoffs mit<br />
großer Passion“, sagt Hannes Kock. „Unsere<br />
Kreis- und Bandsägen bearbeiten wir<br />
mit mehreren Vollmer Maschinen, die von<br />
Richtbank, Richtcenter über Bestückungsautomaten<br />
bis hin zu Schleifmaschinen<br />
reichen.“<br />
Die Vollmer Schleifmaschine CHD 270<br />
verfügt über acht CNC-gesteuerte Achsen<br />
und integrierte Messeinrichtungen. Sie<br />
eignet sich für die automatische Bearbeitung<br />
hartmetallbestückter Kreissägeblätter<br />
mit Ø 80 - 840 mm und verschiedenen<br />
Zahngeometrien an Span- und Freiflächen.<br />
Ausgestattet mit einem ND-Robotersystem<br />
läuft die CHD 270 mannlos in<br />
24/7-Schichten. Bei der Sägewerkstechnik<br />
bietet Kock für die gesamte DACH-Region<br />
seine Schärfservices sowie die Fertigung<br />
von Bandsägen an. Trenn- und Blockbandsägeblätter<br />
stellt Kock mit eigens entwickelter<br />
Bestückung „Kock Double Cut“ her,<br />
der verwendete Bandstahl HK51 ist eine<br />
Eigenentwicklung. Durch die hohe Planheit<br />
und Oberflächengüte bei höherer Zugfestigkeit<br />
und Flexibilität hat der Bandstahl<br />
extrem lange Laufzeiten bei Bandsägen.<br />
„Kock hat sich in den vergangenen 70<br />
Jahren mit Vollmer Technologie zu einem<br />
innovativen und verlässlichen Partner der<br />
Holz- und Metallindustrie entwickelt“,<br />
sagt Ralf Großhauser, Geschäftsführer der<br />
Vollmer Gruppe. „Und die jüngsten Investitionen<br />
zeigen, dass sich Kock auch in<br />
Zukunft mit unseren Technologien neue<br />
Geschäftsfelder wie etwa die Herstellung<br />
von Sonderwerkzeugen erschließt.“<br />
Informationen: www.vollmer-group.com<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 35
Bearbeitungsprozesse<br />
Präzise und saubere Verbindungen<br />
Löten unter Hochvakuum macht’s möglich.<br />
Beim Verbinden von Hartmetallen,<br />
Diamanten oder Keramik stoßen konventionelle<br />
Lötverfahren schnell an ihre Grenzen.<br />
Nur unter Hochvakuumbedingungen<br />
lassen sich saubere, oxidfreie Lötstellen<br />
und konstante Ergebnisse erzielen. Genau<br />
hier setzt das Vakuumlötverfahren des Unternehmens<br />
iew an: die Anlagen arbeiten<br />
mit präzise abgestimmter Vakuumtechnik<br />
von Pfeiffer Vacuum+Fab Solutions und<br />
ermöglichen stabile Prozesse bei minimalem<br />
Energieverbrauch sowie geringem<br />
Wartungsaufwand.<br />
Für die Entwicklung einer neuen Generation<br />
von Vakuumlötanlagen benötigte<br />
iew eine zuverlässige Hochvakuumlösung,<br />
die sowohl technisch robust als auch wirtschaftlich<br />
effizient ist. Gemeinsam mit<br />
Pfeiffer Vacuum+Fab Solutions wurde ein<br />
Anlagenkonzept entwickelt, das aus einer<br />
Kombination von Turbomolekular-Vakuumpumpe<br />
und Vorpumpe besteht. Damit<br />
wird ein Endvakuum von bis zu 8×10 -6 hPa<br />
(mbar) gewährleistet. Dadurch entstehen<br />
reproduzierbare Lötverbindungen selbst<br />
bei temperaturempfindlichen Materialien,<br />
weil unter diesen nahezu gasfreien Bedingungen<br />
Oxidation verhindert, die Wärmeübertragung<br />
präzise kontrolliert und die<br />
Bauteile mit der Lötlegierung besonders<br />
Vakuumgelötetes Werkzeug zur<br />
Holzbearbeitung mit PKD-Besatz<br />
gleichmäßig verbunden werden. Gleichzeitig<br />
reduzieren die ölfreien Vakuumpumpen<br />
den Wartungsaufwand und verhindern<br />
Verunreinigungen im Prozessraum – ein<br />
entscheidender Faktor für die hohe Qualität<br />
der gefertigten Bauteile.<br />
Wo Präzision auf Innovation trifft<br />
Hervorgegangen aus einer Diplomarbeit<br />
zum Thema Induktionserwärmung,<br />
wurde das Unternehmen 1996 von<br />
Dipl.-Ing. Martin Schweikhart als Ingenieurbüro<br />
Schweikhart gegründet. Bereits ein<br />
Jahr später erfolgte die Umbenennung in<br />
iew induktive Erwärmungsanlagen GmbH.<br />
Mit rund 20 Mitarbeitern beliefert iew<br />
heute Kunden weltweit. Neben individuell<br />
konfigurierbaren Induktionserwärmungsanlagen<br />
machen die Vakuumlötanlagen<br />
von iew einen stetig wachsenden<br />
Anteil des Umsatzes aus. Das Unternehmen<br />
ist weltweit der einzige Anbieter, der beide<br />
Technologien aus einer Hand liefert –<br />
ein Vorteil für viele Kunden, die beide<br />
Verfahren für ihren Produktionsprozess<br />
benötigen.<br />
Die Systeme werden unter anderem<br />
beim Löten von Hochleistungsdiamantwerkzeugen,<br />
beim Schrumpfen, Glühen<br />
und Härten von Metallen sowie in der<br />
Prüftechnik und Forschung eingesetzt. Im<br />
Geschäftsfeld Vakuumlöten entfallen rund<br />
80 % der Anwendungen auf die Werkzeugtechnik.<br />
Auch Hersteller von Messtastern<br />
sowie Unternehmen aus der Medizintechnik<br />
zeigen Interesse an der Löttechnologie.<br />
Vakuumlöten unter<br />
optimalen Bedingungen<br />
Der Vakuumlötprozess beginnt mit der<br />
Vorbereitung der zu verbindenden Bauteile,<br />
die je nach Anwendung aus Hartmetall,<br />
polykristallinem Diamant oder Keramik<br />
bestehen können. Nach dem Auftragen<br />
der Lötpaste werden die Werkstücke<br />
in einer Quarzglas-Vakuumkammer positioniert.<br />
Anschließend wird die Kammer evakuiert,<br />
bis ein Druck von etwa 5×10 -4 hPa<br />
(mbar) erreicht ist. Dadurch werden Sauerstoff,<br />
Stickstoff und Feuchtigkeit aus dem<br />
Prozessraum entfernt – entscheidend, um<br />
Oxidation und Verunreinigungen an den<br />
Lötstellen zu verhindern. Während des Lötvorgangs<br />
übernehmen Infrarotstrahler die<br />
präzise Erwärmung der Bauteile. Zunächst<br />
werden sie homogen vorgeheizt, damit<br />
keine Spannungen im Material entstehen.<br />
Sobald die Löttemperatur erreicht ist, senken<br />
die eingesetzten Vakuumpumpen den<br />
Druck weiter auf etwa 5×10 -5 hPa (mbar).<br />
Dieses Hochvakuumniveau minimiert die<br />
Wärmeleitung durch Restgase und sorgt<br />
für ein gleichmäßiges Aufschmelzen der<br />
Lötlegierung bei typischerweise rund<br />
700 - 900 ° C.<br />
Nach Abschluss des Lötprozesses wird<br />
das Vakuumniveau weiter erhöht – auf<br />
etwa 8 bis 9×10 -6 hPa (mbar). In dieser<br />
nahezu gasfreien Umgebung können die<br />
Werkstücke kontrolliert abkühlen, ohne<br />
dass Sauerstoff oder Stickstoff mit der<br />
Oberfläche reagieren. Erst wenn die Temperatur<br />
auf etwa 150 ° C abgesunken ist,<br />
wird Umgebungsluft langsam wieder<br />
eingelassen, um einen schonenden Druckausgleich<br />
zu gewährleisten.<br />
Das Zusammenspiel aus präziser Temperaturregelung<br />
und stabilen Hochvakuumbedingungen<br />
garantiert reproduzierbare<br />
Ergebnisse, dichte und saubere Lötverbindungen<br />
sowie eine konstant hohe Produktqualität.<br />
Die robusten Anlagen sind für den<br />
industriellen Dauerbetrieb ausgelegt und<br />
überzeugen durch lange Lebensdauer und<br />
minimale Wartungsanforderungen.<br />
Maßgeschneiderte Vakuumtechnik<br />
statt Lösungen von der Stange<br />
Im Jahr 2016 begann iew mit der Entwicklung<br />
erster Prototypen für Vakuumlötanlagen,<br />
die später in zwei Ausführungen verfügbar<br />
sein sollten – eine kompakte Variante<br />
für kleinere Losgrößen und eine<br />
größere Anlage für den industriellen Serienbetrieb.<br />
Ziel war es, eine zuverlässige<br />
und ressourcenschonende Alternative zu<br />
herkömmlichen Systemen zu schaffen, die<br />
häufig mit Öldiffusionspumpen arbeiteten.<br />
Beim Hochfahren musste das Öl erst auf<br />
Betriebstemperatur gebracht werden, und<br />
im Prozess bestand stets die Gefahr, dass<br />
Öldämpfe in die Vakuumkammer gelangten<br />
und empfindliche Oberflächen kontaminierten.<br />
Zudem waren Wartung und<br />
36 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Bearbeitungsprozesse<br />
Reinigung entsprechend aufwendig. Als<br />
Antwort auf diese Probleme entstand mit<br />
Unterstützung von Pfeiffer Vacuum+Fab<br />
Solutions eine kompakte Hochvakuumlösung,<br />
die ohne Diffusionspumpen auskommt<br />
und deutlich effizienter arbeitet.<br />
Die gemeinsam realisierte Systemarchitektur<br />
kombiniert Turbomolekular-Vakuumpumpen<br />
mit trockenen oder ölgeschmierten<br />
Vorvakuumpumpen – je nach Prozessanforderung.<br />
Diese Kombination sorgt für<br />
stabile Druckverhältnisse bis in den Bereich<br />
von 8×10 -6 hPa (mbar) und ermöglicht<br />
damit sauberes, reproduzierbares<br />
Löten bei gleichzeitig geringem Energieund<br />
Wartungsaufwand.<br />
In der kleineren Anlagenvariante werden<br />
eine HiPace Turbopumpe und eine ölfreie<br />
Scroll-Vakuumpumpe der HiScroll Serie<br />
eingesetzt, ergänzt durch präzise Vakuummessgeräte,<br />
Staubabscheider und robuste<br />
Ventile. Für höhere Durchsätze nutzt die<br />
größere Anlage eine HiPace Turbopumpe<br />
in Verbindung mit einer ölgeschmierten<br />
DuoVane Drehschieber-Vakuumpumpe. Alle<br />
Komponenten sind perfekt aufeinander<br />
abgestimmt und für den Betrieb unter dauerhaft<br />
wechselnden thermischen Belastungen<br />
mit gelegentlichem Schmutzanfall<br />
ausgelegt – eine Voraussetzung für die<br />
hohe Prozessstabilität im täglichen Einsatz.<br />
Vakuumgelötete Messtaster<br />
(Fotos: iew induktive Erwärmungsanlagen GmbH)<br />
Simon Riefling, verantwortlich für den<br />
internationalen Vertrieb bei iew, hebt hervor:<br />
„Wir haben uns im Jahr 2018 für die<br />
Vakuumlösungen von Pfeiffer Vacuum+Fab<br />
Solutions entschieden, weil das Unternehmen<br />
für beste Qualität und hervorragenden<br />
Service steht. Als deutscher Hersteller<br />
mit ausgeprägter High-Tech-Kompetenz<br />
ist Pfeiffer Marktführer, dessen Produkte<br />
wir immer wieder an Universitäten, Hochschulen<br />
und in renommierten Unternehmen<br />
sehen. Für uns verkörpert Pfeiffer<br />
maximale Zuverlässigkeit, daher setzen wir<br />
ihre Vakuumpumpen in unseren Vakuumlötanlagen<br />
ein, denn wir möchten für unsere<br />
Kunden die bestmögliche Qualität<br />
sicherstellen.“ Die verbauten Vakuumlösungen<br />
zeichnen sich durch einfache Wartung<br />
und lange Lebensdauer aus. Die Turbopumpen<br />
sind zum Beispiel für eine wartungsfreie<br />
Laufzeit von bis zu fünf Jahren<br />
ausgelegt.<br />
Informationen: www.buschgroup.com<br />
Modulares Superfinish für maximale Wirtschaftlichkeit<br />
Auf der EMO 2025 in Hannover stellte<br />
Supfina mit der RaceX eine komplett neu<br />
entwickelte Superfinish-Maschine für Wälzlagerringe<br />
vor. Die positive Resonanz von<br />
Kunden und Fachpublikum zeigte deutlich:<br />
Mit ihrem modularen Konzept setzt die<br />
RaceX neue Maßstäbe in Präzision, Flexibilität<br />
und Produktivität.<br />
Superfinish neu gedacht<br />
Die Bearbeitung von Wälzlagerringen stellt<br />
höchste Anforderungen an Oberflächenqualität<br />
und Maßhaltigkeit. Die RaceX wurde<br />
entwickelt, um diesen Anforderungen<br />
in vollem Umfang gerecht zu werden und<br />
sie gleichzeitig wirtschaftlicher zu erfüllen.<br />
Durch die Reduzierung von Nebenzeiten<br />
erreicht die Anlage deutlich kürzere Taktzeiten<br />
und steigert so die Produktivität.<br />
Modular, skalierbar, zukunftssicher<br />
Das Besondere an der RaceX ist ihr konsequent<br />
modularer Aufbau: Je nach Anforderung<br />
lassen sich mehrere Module kombinieren,<br />
wobei jedes Modul bis zu vier<br />
Superfinish-Funktionen aufnehmen kann.<br />
Damit wächst die Maschine mit den Produktionsanforderungen<br />
auch nachträglich,<br />
durch einfache Erweiterung. So bleibt die<br />
Investition langfristig sicher und flexibel.<br />
Kompakt und effizient<br />
Neben hoher Präzision überzeugt die<br />
RaceX mit ihrem kompakten Footprint,<br />
schneller Rüstbarkeit und einer insgesamt<br />
kosteneffizienten Bauweise. Damit lässt<br />
sich die Maschine problemlos in bestehende<br />
Fertigungslinien integrieren.<br />
Fazit<br />
Mit der neuen RaceX unterstreicht<br />
Supfina seine Rolle als Technologieführer<br />
im Bereich Superfinish. Die Maschine<br />
bietet eine Kombination aus Präzision,<br />
Flexibilität und Wirtschaftlichkeit, die in<br />
dieser Form einzigartig ist – und macht<br />
„Superfinish ohne Limit“ zur Realität.<br />
Informationen: www.supfina.com<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 37
Bearbeitungsprozesse<br />
Höchste Qualitätsansprüche beim Entgraten<br />
komplexer Bauteile für die Medizintechnik<br />
Der Lohnfertiger Weigel & Schwarz in<br />
Wetzlar hat mit lediglich drei Werkzeugtypen<br />
des Entgratspezialisten KEMPF die Entgratung<br />
von Hydraulikkomponenten des<br />
Kunden ROEMHELD – die mit einer Vielzahl<br />
von (Quer-) Bohrungen durchzogen sind –<br />
in den bisherigen Ablauf integriert und die<br />
Fertigung somit komplett automatisiert.<br />
Als einer der führenden Anbieter von<br />
Spanntechnik, Montage- und Antriebslösungen<br />
arbeitet die ROEMHELD-Gruppe<br />
mit Hauptsitz in Laubach bei der Fertigung<br />
bestimmter Einzelkomponenten bereits<br />
seit Jahren eng mit Weigel & Schwarz zusammen.<br />
Die hohen Vorgaben lassen sich<br />
mit dem Lohnfertiger in direkter Nachbarschaft<br />
unkompliziert und mit gleichem Qualitätsdenken<br />
umsetzen. Zumal aus dem<br />
Antrieb heraus, Rüstprozesse für Maschinen<br />
zu beschleunigen, viele Erfindungen<br />
bei ROEMHELD entstanden sind, darunter<br />
Weigel & Schwarz<br />
Die 1957 gegründete Weigel & Schwarz<br />
Präzisionstechnik GmbH spezialisierte<br />
sich zunächst auf die Lineartechnik. Mit<br />
der Übernahme durch die Familie Wolni<br />
im Jahr 2004 erfolgte die sukzessive<br />
Neuausrichtung hin zur spanenden<br />
Bearbeitung von Metallen und<br />
Kunststoffen. Der heute in der zweiten<br />
Generation von Günter und Lana Wolni<br />
geführte Betrieb verfügt über einen<br />
modernen Maschinenpark mit 4- und<br />
5-Achs-CNC-Bearbeitungszentren. Das<br />
breit aufgestellte Leistungsspektrum<br />
reicht von der Materialbeschaffung<br />
über die präzise Zerspanung bis hin zu<br />
Oberflächenveredelung und Montage.<br />
Als Lohnfertiger werden dabei vor<br />
allem anspruchsvolle und qualitativ<br />
hochwertige Frästeile in Klein- und<br />
Mittelserie aus Aluminium, Edelstahl,<br />
Titan, Messing und Kunststoff für<br />
Kunden in unterschiedlichen Industrien<br />
gefertigt. Die Palette umfasst neben<br />
Zylindergehäuse, Linearführungen,<br />
Linsen- und Objektivhalter auch<br />
Komponenten für die Optikindustrie<br />
und den allgemeinen Maschinenbau.<br />
www.weigelundschwarz.de<br />
die ‚Fußpumpe‘ in geschlossener Bauweise,<br />
die maximale Effizienz ohne Leckagepunkte<br />
garantiert und ihre Anwendung in<br />
der Automatisierung, im Maschinenbau, in<br />
der Medizintechnik und im Pflegebereich<br />
findet.<br />
Ein sicherheitsrelevantes Pumpkolbengehäuse<br />
aus einer AlCuMg1 Aluminiumlegierung,<br />
das zunächst in Hubgeräten zur<br />
Höhenverstellung von Montagearbeitsplätzen<br />
zum Einsatz kam und heute in der<br />
vierten Generation auch in der Höhenverstellung<br />
von OP- und Instrumententischen,<br />
Therapieliegen sowie medizinischen Betten<br />
verwendet wird, hat ganz spezielle<br />
Qualitätsanforderungen. Durch den Einsatz<br />
im Medizinbereich wird bei ROEMHELD<br />
eine stetige 100 %-Prüfung durchgeführt,<br />
da für dieses Bauteil höchste Standards<br />
gelten. Für die Fertigung dieser Komponente<br />
wurde deshalb die Firma Weigel &<br />
Schwarz mit ihrem Know-how und dem<br />
hohen Qualitätsbewusstsein beauftragt.<br />
Das von ROEMHELD entwickelte Bauteil<br />
mit hoher mechanischer Ermüdungsfestigkeit<br />
besitzt insgesamt zehn Bohrungen und<br />
ebenso viele Überschneidungen, die bisher<br />
nach dem Fertigen bei Weigel & Schwarz in<br />
separaten Arbeitsschritten von Hand entgratet<br />
werden mussten. Weil alle betroffenen<br />
Stellen innerhalb des Gehäuses entstehen<br />
(von außen kaum sichtbar), war<br />
dies eine sehr intensive Aufgabe, die viel<br />
Arbeitszeit beanspruchte – bei einer Auftragsmenge<br />
von etwa 15.000 Bauteilen<br />
pro Jahr eine immense Herausforderung.<br />
Um die steigenden Anforderungen erfüllen<br />
und eine Weiterentwicklung der<br />
Fußpumpengenerationen ermöglichen zu<br />
können, war eine automatisierte Lösung<br />
notwendig. „Auch mit dem Ziel, die eigene<br />
Produktivität und Prozesssicherheit zu<br />
erhöhen, entschieden wir uns daraufhin,<br />
das Entgraten direkt in den Zerspanungsbzw.<br />
Fertigungsprozess zu integrieren“,<br />
blickt Lana Wolni, Geschäftsführerin von<br />
Weigel & Schwarz, zurück. „Es folgten<br />
Versuche mit diversen Werkzeuglösungen,<br />
die sich aber alle als nicht zielführend herausstellten.<br />
Eine manuelle Bearbeitung war<br />
weiterhin nötig.“<br />
Rechter Ausbruch am Bohrungsgrund:<br />
die Tieflochbohrung endet halboffen in der<br />
Bodenfläche und im Freistich entsteht ein<br />
Grat, der nur durch den Einsatz der Keramikfaser<br />
Cross-Hole Bürste Typ BÜCHA127M<br />
entgratet werden kann; unter Drehzahl<br />
spreizen sich bei diesem Bürsten-Typ die<br />
einzelnen Fasern durch die Fliehkraft auf<br />
und entfernen somit ‚sanft‘ entstehende<br />
Mikro-Grate<br />
Mit nur drei Entgratlösungen zur<br />
gratfreien Fertigung<br />
Nach der Kontaktaufnahme zu Marcus<br />
Schneider, Außenvertriebstechniker der<br />
Firma KEMPF aus Reichenbach an der Fils,<br />
nahm das Vorhaben wieder Fahrt auf.<br />
Zunächst wurde die Fertigung der Alubauteile<br />
gesamtheitlich betrachtet und unter<br />
Einbeziehung der bereits vorhandenen<br />
Abläufe eine Entgratstrategie entwickelt.<br />
„Bei der Auswahl der geeigneten Werkzeuge<br />
spielt es immer eine Rolle, warum<br />
bzw. wie die Grate entstehen und wo bzw.<br />
wie diese im Bauteil liegen“, betont Marcus<br />
Schneider. „Also beispielsweise ob die<br />
Grate in eine Hauptbohrung ragen oder<br />
diese von der Hauptbohrung in eine Querbohrung<br />
gedrückt werden.“ Auch Schnittparameter<br />
und die Reihenfolge der eingesetzten<br />
Werkzeuge spielen eine wichtige<br />
Rolle, um eine implementierbare Strategie<br />
zu entwickeln.<br />
38 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Bearbeitungsprozesse<br />
Der Bohrungsaustritt im zylindrischen Absatz mit Freistich wird im ersten Step mit dem HSD-Entgratwerkzeug mit 3,3 mm Durchmesser<br />
entgratet, dabei wird der Grat an allen Kanten sicher entfernt (links); der Restgrat, der im Freistich eventuell entstehen könnte, wird vorsorglich<br />
mit einer Keramikfaser-Oberflächenbürste des Typs BÜA11CB06M mit 6 mm Durchmesser seitlich entfernt (Mitte); Ergebnis rechtes Foto<br />
Zu den drei für dieses Projekt ausgewählten<br />
Entgratwerkzeug-Typen gehört das<br />
Back-Burr Cutter & Path Entgratsystem, bestehend<br />
aus einem Kugelfräser (‚Lollipop‘)<br />
mit einem Freiheitsgrad von 290 ° und<br />
einem Pfad (NC-Datensatz) zum Abfahren<br />
der Kontur zum sekundärgratfreien Entgraten<br />
auf der CNC-Maschine. Der optimale<br />
Schnittwinkel wird beim Back-Burr Cutter<br />
durch den von KEMPF bereitgestellten<br />
NC-Datensatz für jeden einzelnen Koordinatenpunkt<br />
schon im Vorfeld berechnet.<br />
Dies sorgt dafür, dass der Fräser als bisher<br />
einzige Werkzeuglösung auf dem Markt,<br />
den Eingriffspunkt an der Schneide des<br />
Fräsers während der Bearbeitung versetzen<br />
kann und somit die gesamte Schneide<br />
ausgenutzt und nicht nur punktuell abgenutzt<br />
wird. Diese Optimierung verhindert<br />
den vorzeitigen Werkzeugverschleiß und<br />
verlängert die Lebensdauer des Fräsers<br />
erheblich.<br />
Als zweite Werkzeuglösung kommt ein<br />
HSD-Werkzeug (High Speed Deburring)<br />
zum Einsatz. Das Werkzeug wird mit IK-<br />
Keramikfaser-Bürsten<br />
Die Oxidkeramik ist sehr hitzebeständig,<br />
formstabil und bei Entgrat- bzw.<br />
Polier-arbeiten sehr verschleißfest. Eine<br />
weitere Eigenschaft ist, dass sich die<br />
einzelnen Keramikfasern nach dem<br />
Bearbeiten immer wieder in ihre<br />
Ursprungsform zurückstellen. Deshalb<br />
wird dieser Werkzeugtyp auch gerne<br />
als ‚Cross-Hole Bürste‘ zum Entgraten<br />
von (Quer-) Bohrungen herangezogen.<br />
Bei ca. 6.000 U/min spreizen sich die<br />
Fasern durch die Fliehkraft auf und<br />
entfernen so auch kleine Grate in<br />
Freistichen, die sonst in tieferen<br />
Geometrien nicht erreicht werden<br />
können.<br />
Druck von 6-8 bar beaufschlagt, der die<br />
Schneiden am Werkzeugkopf ansteuert,<br />
sodass diese an den gewünschten Stellen<br />
im Bauteil ausklappen. Der IK-Druck sorgt<br />
zudem dafür, dass die Schneiden in alle<br />
Vertiefungen, wie z.B. Querbohrungen und<br />
Nuten, greifen und den Grat sehr prozesssicher<br />
entfernen.<br />
Als dritter Werkzeugtyp werden zwei<br />
Keramikfaser-Bürsten eingesetzt, um die<br />
Komplettentgratung des Bauteils zu garantieren.<br />
Die in ihren Vorteilen nicht zu übertreffenden<br />
Keramikfaser-Bürsten bestehen<br />
aus einzelnen Keramikfasern, die wiederum<br />
einen 80 %tigen Anteil technischer Keramik<br />
(Al2O3-Aluminiumoxid) enthalten<br />
und nur 20 % Bindeanteil aufweisen. Diese<br />
Keramik eignet sich dann, wenn Werkstücke<br />
ein besonderes Oberflächenfinish benötigen<br />
oder wie in diesem Fall, keine Anhaftung<br />
stattfinden darf, die sich ggf. im<br />
späteren Ölkreislauf wieder lösen könnte.<br />
Die Oxidkeramik besitzt darüber hinaus<br />
eine hohe Härte (härter als Stahl), ist jedoch<br />
gleichzeitig so flexibel, dass sie sich<br />
der Werkstückoberfläche anpasst und somit<br />
eine gleichmäßige Schleifwirkung entsteht.<br />
Als letztes Werkzeug kommt eine<br />
zweite Keramikfaser-Bürste am Bohrungsaustritt<br />
im zylindrischen Absatz zum Einsatz.<br />
Ein kleiner Restgrat, der dort nach<br />
dem Bearbeiten entsteht, wird mit einer<br />
kleinen Oberflächenbürste rückstandslos<br />
entfernt.<br />
Mit dieser Werkzeugkombination konnten<br />
alle kritischen Querbohrungen prozesssicher<br />
und vollständig entgratet werden.<br />
Alle Arbeitsschritte erfolgen nun direkt in<br />
der Maschine – ohne zusätzliche manuelle<br />
Nacharbeit, sodass das CNC-Zentrum seither<br />
auch in der mannlosen zweiten Geisterschicht<br />
betrieben wird, ohne sich um<br />
die Qualität sorgen zu müssen.<br />
Das Ergebnis:<br />
Reproduzierbare Qualität ohne<br />
Nacharbeit ‚Made in Germany‘<br />
Die Entgratwerkzeuge von KEMPF haben<br />
sich bei Weigel & Schwarz absolut bewährt.<br />
Sie beweisen, dass auch in etablierten Fertigungsprozessen<br />
viel Optimierungspotential<br />
steckt: Die Integration der Entgratung<br />
in den CNC-Prozess steigert die Qualität,<br />
erhöht die Prozesssicherheit und setzt<br />
gleichzeitig Ressourcen im Betrieb effizienter<br />
ein. Die Kombination aus Präzisionstechnik<br />
bei Weigel & Schwarz, den<br />
sicherheitskritischen Anforderungen bei<br />
ROEMHELD und den Werkzeuglösungen<br />
von KEMPF bestätigt den hohen Stellenwert<br />
einer prozesssicheren, gratfreien<br />
Fertigung. Sie schafft nicht nur technische<br />
Vorteile, sondern stärkt zugleich den<br />
Anspruch, komplexe und hochpräzise<br />
Komponenten wettbewerbsfähig in<br />
Deutschland herzustellen – ganz im Sinne<br />
von ‚Made in Germany‘.<br />
Seit Einführung der KEMPF-Werkzeuge<br />
liefert Weigel & Schwarz die Alu-Bauteile<br />
an ROEMHELD in gleichbleibender, absolut<br />
gratfreier Qualität. Bei der 100 %-Prüfung<br />
durch die Qualitätssicherung von Weigel &<br />
Schwarz und ROEMHELD gab es seither<br />
kein Teil, das die Anforderungen nicht erfüllte.<br />
„Mit dem Block in dieser super Qualität<br />
gehen wir direkt in unsere Montage“,<br />
unterstreicht Alexander Schul, Produktmanager<br />
bei der ROEMHELD Gruppe.<br />
Für Weigel & Schwarz bedeutet dies, dass<br />
die Bauteile seither prozesssicher und mit<br />
einer hohen Wiederholgenauigkeit hergestellt<br />
werden können. Die Möglichkeit der<br />
24/7-Komplettfertigung in der Serienfertigung<br />
bringt wirtschaftliche Vorteile und<br />
eine hohe Effizienz.<br />
Informationen: www.kempf-tools.de<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 39
Bearbeitungsprozesse<br />
Präzise Verzahnung für die zielgerichtete Kühlung<br />
Maschinenbediener kennen das Problem:<br />
Wer während der Fräsbearbeitung<br />
von einem kurzen Werkzeug auf ein langes<br />
wechselt, muss die Kühlmittelzufuhr anpassen.<br />
Insbesondere wenn keine innere<br />
Kühlmittelzufuhr zur Verfügung steht,<br />
führt dies zu einem hohen Einstellaufwand,<br />
um die Prozesssicherheit der Bearbeitung<br />
sicherzustellen. Das Unternehmen<br />
Asch & Sebert hat sich dieses Problems angenommen<br />
und einen Kühlmittelring entwickelt,<br />
bei dem sich die Kühlmitteldüsen<br />
automatisch der Werkzeuglänge anpassen.<br />
Für die Fertigung des patentierten Systems<br />
setzt der Inhaber Gerald Sebert auf Präzisionswerkzeuge<br />
der Paul Horn GmbH. „Für<br />
das Fräsen der Verzahnungen führt für uns<br />
kein Weg an den Horn-Werkzeugen vorbei“,<br />
so Sebert.<br />
Der Startschuss der Entwicklung der<br />
Kühlmittelringe war im schwierigen Wirtschaftsjahr<br />
2009. Aufgrund der weltweit<br />
schlechten Auftragslage entstand bei<br />
Asch & Sebert ist ein innovatives<br />
Unternehmen, das sich auf die<br />
Entwicklung und Herstellung<br />
hochwertiger Präzisionsteile<br />
spezialisiert hat. Mit langjähriger<br />
Erfahrung bietet das Unternehmen<br />
maßgeschneiderte Lösungen für<br />
verschiedene Branchen, darunter<br />
Maschinenbau, Automobilindustrie und<br />
Medizintechnik. Das Leistungsspektrum<br />
umfasst CNC-Drehen, Fräsen, Schleifen<br />
sowie Oberflächenbearbeitung, stets<br />
mit Fokus auf höchste Qualität und<br />
Präzision. Modernste Maschinen und<br />
ein engagiertes Team gewährleisten<br />
eine effiziente Produktion und flexible<br />
Auftragsabwicklung. Asch & Sebert legt<br />
großen Wert auf Nachhaltigkeit und<br />
Umweltverträglichkeit, um nachhaltige<br />
Werte zu schaffen. Das Unternehmen<br />
zeichnet sich durch Zuverlässigkeit,<br />
Innovation und Kundenzufriedenheit<br />
aus und ist ein zuverlässiger Partner für<br />
anspruchsvolle Fertigungsaufgaben.<br />
Mit ihrer Expertise unterstützen sie<br />
Kunden bei der Realisierung komplexer<br />
Projekte und setzen dabei auf höchste<br />
Standards in Qualität und Service.<br />
Asch & Sebert die Idee, ein eigenes Produkt<br />
auf den Markt zu bringen. Wie in<br />
vielen Fertigungen stellte sich auch in der<br />
eigenen Produktion das Problem mit der<br />
Kühlmittelzufuhr von unterschiedlich langen<br />
Werkzeugen. „Hier wollten wir angreifen<br />
und begannen mit der Entwicklung des<br />
automatisch einstellbaren Kühlmittelrings“,<br />
so Sebert. Nach einigen Prototypen war<br />
das System auf den eigenen Maschinen<br />
für Langzeittest im Einsatz. „Die Entwicklung<br />
ist das eine, der Verkauf das andere.<br />
Wir haben sehr viel Zeit für die Patentrecherchen<br />
aufgewendet. Hier recherchierten<br />
wir bis in die 30er Jahre zurück, ob wir<br />
mit unserer Idee irgendwelche Patente verletzen“,<br />
erzählt Sebert. Im Jahr 2015 war es<br />
dann so weit: Sebert meldete das System<br />
zum Patent an.<br />
Erfolge und Rückschläge<br />
„Wir sind von dem System absolut überzeugt,<br />
aber es war ein Kampf, den Kühlmittelring<br />
ohne ein entsprechendes Marketingbudget<br />
groß zu vermarkten“, so<br />
Sebert. Der Geschäftsführer nahm zu verschiedenen<br />
Maschinenherstellen Kontakt<br />
auf. „Ein großer Maschinenbauer hat uns<br />
eine weitreichende Kooperation zugesagt,<br />
aber nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit<br />
von einem auf den anderen Tag den<br />
Stecker gezogen. Das war ein harter Rückschlag<br />
nach den hohen Entwicklungskosten“,<br />
erzählt Sebert. Doch der Tüftler lies<br />
nicht locker und vertiefte die Gespräche<br />
mit anderen Maschinenbauunternehmen.<br />
Mit Erfolg: Sebert überzeugte mehrere<br />
bekannte Unternehmen von seiner Entwicklung,<br />
sodass das diese nun auf zahlreichen<br />
Bearbeitungszentren zum Einsatz<br />
kommt. Fanuc hat für das Kühlmittelsystem<br />
schon eine App entwickelt, welche<br />
die Position der Kühlmitteldüsen automatisch<br />
über die eingegebenen Werkzeugdaten<br />
steuert.<br />
Die Produktion der mechanischen Komponenten<br />
der Kühlmittelringe geschieht<br />
in der eigenen Fertigung. Die Bewegung<br />
der Kühlmitteldüsen geschieht über eine<br />
Mechanik, die über eine Stellverzahnung<br />
gesteuert ist. Für das Fräsen der Verzahnung<br />
mit Modul 1 setzt Sebert mit seinem<br />
Team aus erfahrenen Zerspanern auf das<br />
Zirkularfrässystem von Horn. „Von Anfang<br />
an setzten wir auf die Horn-Systeme. Wir<br />
hatten uns auch zahlreiche Werkzeuge von<br />
unterschiedlichen Werkzeugherstellern<br />
angeschaut, aber kein Frässystem bot uns<br />
die Flexibilität wie die Fräser von Horn. Wir<br />
arbeiten mit teils sehr langen Werkzeugauskragungen,<br />
und da unterscheidet sich<br />
die Spreu vom Weizen“, erzählt Sebert.<br />
Zirkular-Verzahnungsfräser<br />
im Einsatz<br />
Zum Einsatz kommt das Horn-Zirkularfrässystem<br />
613. Das Sonderprofil der sechs<br />
Zähne des Werkzeugs gleicht dem Soll-<br />
Profil der Zahnflanken des Werkstücks.<br />
Die Auskragung des Werkzeugs ist aufgrund<br />
der Gegebenheiten lang. Durch den<br />
schwingungsdämpfenden Vollhartmetallschaft<br />
treten keine Probleme mit Vibrationen<br />
des Werkzeugs auf. Die präzise Schnittstelle<br />
zwischen Träger und Schneidplatte<br />
ermöglichen einen µ-genauen Rund- und<br />
Planlauf der Schneidplatte beim Wechsel.<br />
Das Schruppen und Schlichten geschieht<br />
mit demselben Werkzeug.<br />
Durch den schwingungsdämpfenden<br />
Vollhartmetallschaft treten trotz der<br />
langen Auskragung keine Probleme<br />
mit Vibrationen des Werkzeugs auf<br />
40 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Bearbeitungsprozesse<br />
Die Qualität der Verzahnung spielt bei diesem<br />
zentralen Bauteil eine wichtige Rolle<br />
Die Kühlmitteldüsen liefern einen<br />
Kühlmitteldruck von maximal 15 bar<br />
Mit mehreren Zustellungen fräst das<br />
Werk zeug die einzelnen Zähne in das<br />
Werk stück. Die Schruppschnitte haben<br />
eine Tiefe von ap = 0,2 mm und werden<br />
mit einer Schnittgeschwindigkeit von<br />
v c = 100 m/min gefräst. Das Schlichtaufmaß<br />
beträgt 0,1 mm. Die Schlichtzustellung für<br />
das letzte Zehntel bis zum Fertigmaß fräst<br />
das Werkzeug mit einer Schnittgeschwindigkeit<br />
von v c = 100 m/min. Die Fräsrichtung<br />
erfolgt im Gegenlauf. Die Werkzeuge<br />
von Horn weisen, trotz des hohen Schnittdrucks<br />
durch die sechs Zähne, eine hohe<br />
Stabilität auf. Die sechs Zähne bieten hierbei<br />
eine hohe Fräsleistung und die Möglichkeit,<br />
höhere Schnittgeschwindigkeiten<br />
zu fahren. „Wir haben trotz der langen<br />
Werkzeugauskragung keine Probleme mit<br />
Rattermarken auf der Oberfläche. Hierbei<br />
achten wir natürlich auch auf eine sehr steife<br />
Spannung der Bauteile. Die Werkzeuge<br />
würden die Zähne auch im Vollschnitt problemlos<br />
fräsen. Wir sind jedoch bewusst<br />
auf mehrere Zustellungen gegangen, um<br />
für dieses zentrale Bauteil die optimale<br />
Verzahnungsqualität zu erreichen“, so<br />
Sebert.<br />
Multitalente für Fräsprozesse<br />
Nutfräsen, Trennfräsen oder Verzahnungsfräsen:<br />
dies sind nur drei genannte Fräsprozesse,<br />
die das Horn-Zirkularfrässystem<br />
produktiv meistert. Als echtes Multitalent<br />
einsetzbar, beherrscht das weitreichende<br />
Werkzeugportfolio dieses Werkzeugsystems<br />
noch einige weitere Fräsprozesse. Ein -<br />
setzbar ab einem Innendurchmesser von<br />
8 mm für die präzise Bohrungsbearbeitung,<br />
Schlitzfräsen von schmalen Nuten<br />
mit einer Breite von 0,2 mm oder das Fräsen<br />
von Passverzahnungen: die Fräswerkzeuge<br />
zeigen sich als Problemlöser in zahlreichen<br />
Standardvarianten, aber auch in<br />
speziellen Sonderformen für einige andere<br />
Fräsprozesse.<br />
Das Zirkularfrässystem von Horn bietet<br />
dem Anwender eine Reihe von Verfahrensvorteilen:<br />
es ist schnell, prozesssicher und<br />
erzielt gute Oberflächenergebnisse. Dabei<br />
taucht das auf einer Helixbahn geführte<br />
Werkzeug schräg oder sehr flach in das<br />
Material ein. Dadurch lassen sich beispielsweise<br />
Gewinde in reproduzierbar hoher<br />
Qualität herstellen. Im Vergleich zur Bearbeitung<br />
mit Wendeschneidplatten bei<br />
größeren Durchmessern oder VHM-Fräsern<br />
bei kleineren Durchmessern ist Zirkularfräsen<br />
in der Regel wirtschaftlicher.<br />
Zirkularfräser haben ein breites Einsatzgebiet.<br />
Sie bearbeiten Stahl, Sonderstähle,<br />
Titan oder Aluminium und Sonderlegierungen.<br />
Die Präzisionswerkzeuge eignen<br />
sich besonders für die Prozesse Nutfräsen,<br />
Bohrzirkularfräsen, Gewindefräsen, T-Nutfräsen,<br />
Profilfräsen sowie Verzahnungsfräsen.<br />
Sie überzeugen aber auch in Sonderanwendungen<br />
wie dem Fräsen von Dichtnuten<br />
oder bei der Pleuelbearbeitung.<br />
Asch & Sebert hat einen Kühlmittelring<br />
entwickelt, bei dem sich die Kühlmitteldüsen<br />
automatisch der Werkzeuglänge anpassen<br />
Nachrüstung und OEM<br />
Neben der OEM-Erstausrüstung von mehreren<br />
Maschinenherstellern bietet Asch &<br />
Sebert die Kühlmittelringe auch zum Nachrüsten<br />
von bestehenden und auch älteren<br />
Maschinen an. Das System besteht aus<br />
dem eigentlichen Kühlmittelring und der<br />
dazu gehörigen Steuerungsbox. Die Box<br />
ist direkt mit der Steuerung der Maschine<br />
verbunden, um die Werkzeugdaten abzugreifen.<br />
Die Installation verlangt dabei die<br />
Rücksprache mit dem jeweiligen Maschinenhersteller.<br />
Eine andere Variante ist der<br />
Kühlmittelring mit einer Handsteuerung.<br />
Der Einbau erfordert keine direkte Kommunikation<br />
mit der Maschinensoftware.<br />
Die Lage der Kühlmitteldüsen kann hierbei<br />
über ein Bedienpanel neben der Maschinensteuerung<br />
gesteuert werden. Das System<br />
liefert einen maximalen Kühlmitteldruck<br />
von 15 bar. Dies ist für die äußere<br />
Kühlmittelzufuhr in den meisten Fällen<br />
ausreichend. Wenn der Druck steigt, vernebelt<br />
der Kühlschmierstoff zu stark und<br />
verliert dabei seine Eigenschaften.<br />
Sebert betont die Bedeutung der<br />
Zusammenarbeit mit Horn: „Wir setzen<br />
von Anfang an auf die Horn-Systeme. Kein<br />
anderes Frässystem bietet uns die Flexibilität,<br />
die wir brauchen.“ Für den Geschäftsführer<br />
ist die Zusammenarbeit mit Horn<br />
ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche<br />
Entwicklung des Kühlmittelrings.<br />
Informationen: www.horn-group.com<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 41
Bearbeitungsprozesse<br />
Zahnflanken wirtschaftlich optimieren<br />
Mit der Weiterentwicklung des verschränkungsfreien<br />
Wälzschleifens hebt die<br />
Liebherr-Verzahntechnik GmbH Wirtschaftlichkeit<br />
und Qualität bei der Hartfeinbearbeitung<br />
auf eine neue Stufe. Die Bearbeitungszeiten<br />
beim Einsatz abrichtbarer<br />
Schleifschnecken wurden nahezu auf das<br />
Niveau konventioneller Verfahren gesenkt,<br />
selbst bei asymmetrischen Verzahnungen.<br />
Gleichzeitig ermöglichen optimierte Shiftmethoden<br />
die Integration von Feinschleifen<br />
oder Polieren in einem Arbeitsgang.<br />
Bereits 1988 setzte Liebherr mit der<br />
Patentierung des verschränkungsfreien<br />
Wälzschleifens auf CBN-Schleifschnecken<br />
einen technologischen Meilenstein. Nun<br />
folgt der nächste Schritt: neue Funktionalitäten<br />
und eine innovative Maschinenkinematik<br />
machen das Verfahren auch mit abrichtbaren<br />
Schleifschnecken wirtschaftlich,<br />
prozesssicher und in hoher Qualität einsetzbar.<br />
Abricht- und Zykluszeiten liegen<br />
dabei nahezu auf dem Niveau konventioneller<br />
Wälzschleifverfahren.<br />
Neue Anwendungsbereiche für<br />
verschränkungsfreie Verzahnung<br />
Das optimierte Verfahren erschließt neue<br />
Anwendungsfelder für verschränkungsfreie<br />
Bearbeitung: wie Versuche in der Praxis<br />
zeigen, lassen sich auch anspruchsvolle<br />
Geometrien wie asymmetrische Verzahnun<br />
gen gezielt auf maximale Tragfähigkeit<br />
oder reduzierte Geräuschentwicklung<br />
hin optimieren – oder beides. Die neue<br />
Maschinenkinematik erlaubt deutlich freiere<br />
Shiftmethoden, die sich flexibel an<br />
Bauteilanforderungen anpassen lassen.<br />
Dies ermöglicht die Integration von Feinschleifen<br />
oder Polieren und damit einen<br />
weiteren Qualitätssprung. Auch kleinste<br />
Schleifschnecken lassen sich nun wirtschaftlich<br />
einsetzen – ein Vorteil bei kollisionskritischen<br />
Verzahnungen. Die Bedienung<br />
über die benutzerfreundliche Steuerung<br />
LHGearTec ist einfach und intuitiv.<br />
Optimierte Shift-Strategien<br />
Beim optimierten Shiften werden gezielt<br />
unterschiedliche Segmente auf der Schleifschnecke<br />
genutzt: durch die Integration<br />
von Feinschleif- oder Polierbereichen oder<br />
die Kombination modifizierter und nichtmodifizierter<br />
Zonen lassen sich Oberflächenqualität<br />
und Zahnflankengeometrie<br />
gezielt beeinflussen. Die Entkopplung<br />
von Shiftlänge und -position verhindert<br />
dabei Profilabweichungen, wie Fabian<br />
Stadelmann, Manager für Technologieentwicklung<br />
bei der Liebherr-Verzahntechnik<br />
GmbH, bestätigt: „Anzahl und Länge der<br />
Diagonalbereiche sind über die LHGearTec<br />
einfach definierbar – ohne Auswirkungen<br />
auf die Werkstückqualität.“ Die Software<br />
unterstützt zusätzlich die gezielte Erzeugung<br />
kontrollierter Verschränkungen<br />
(„twist-controlled“).<br />
Gezielte Zahnflankenoptimierung<br />
bei wirtschaftlicher Bearbeitung<br />
Für Anwender ergeben sich klare Vorteile:<br />
das Verfahren ermöglicht eine gezielte<br />
Last- und Geräuschoptimierung – durch<br />
tragfähige, lastoptimierte Zahnflanken<br />
oder hohe Oberflächengüte. Die Kombination<br />
von verschränkungsfreiem Wälzschleifen<br />
und nachgelagertem Feinschleifen<br />
oder Polieren addiert die Stärken beider<br />
Verfahren und führt zu einem deutlichen<br />
Qualitätsgewinn – ohne wirtschaftliche<br />
Einbußen. Der Einsatz von Standard-<br />
Abrichtern macht eine aufwändige Auslegung<br />
für spezielle Verschränkungsgeometrien<br />
überflüssig, auch zweiflankiges<br />
Abrichten ist möglich.<br />
Von E-Mobilität bis zu<br />
Spezialgetrieben<br />
Die Technologie eignet sich für ein breites<br />
Anwendungsspektrum – von Getriebekomponenten<br />
für die E-Mobilität bis hin<br />
zu Spezial- und Schwerlastgetrieben. „In<br />
Kombination mit der – von unseren Kunden<br />
immer wieder hervorgehobenen –<br />
hohen Steifigkeit unserer Maschinen<br />
bieten wir einen messbaren Mehrwert bei<br />
Effizienz und Präzision und damit einen<br />
klaren Wettbewerbsvorteil“, fasst Fabian<br />
Stadelmann zusammen.<br />
Informationen: www.liebherr.com<br />
Kombinierte Schleifschnecken-Segmente:<br />
nicht modifizierter Bereich für das Schruppen (im Bild links)<br />
und modifizierter Bereich für das Schlichten (rechte Seite)<br />
42 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Komponenten & Zubehör<br />
Mikro-Werkzeuge neu gedacht<br />
Da wirtschaftliche Prognosen weiterhin<br />
auf Unsicherheit hindeuten, fokussieren<br />
sich vorausschauende Hersteller stärker<br />
denn je auf das, was langfristig zählt: Qualität.<br />
Der italienische High-End-Werkzeughersteller<br />
TTE Srl gehört zu jenen Unternehmen,<br />
die zeigen, dass nachhaltiger Erfolg<br />
im Mikro-Werkzeugbau nicht dem Zufall<br />
überlassen wird, sondern Präzision, Stabilität<br />
und die Fähigkeit erfordert, das Messbare<br />
sichtbar zu machen. Mit dem Infinite-<br />
Focus G6 von Bruker Alicona sichert TTE<br />
nicht nur höchste Produktqualität, sondern<br />
verschiebt die Grenzen des geometrisch<br />
Machbaren im Mikro-Werkzeugdesign.<br />
Mikro-Werkzeuge am Limit:<br />
Warum TTE eine neue Art<br />
des Messens benötigte<br />
Seit mehr als zwei Jahrzehnten spezialisiert<br />
sich TTE auf Hochleistungsfräser aus<br />
Vollhartmetall für die Automobilindustrie,<br />
Uhrenbranche, Medizintechnik, Modeindustrie<br />
und weitere anspruchsvolle Branchen.<br />
Mit dem verstärkten Fokus auf Mikro-Werkzeuge<br />
und komplexe Sondergeometrien<br />
nahm eine zentrale Herausforderung<br />
zu: klassische Messmittel konnten die<br />
extrem scharfen, hochglanzpolierten und<br />
geläppten Geometrien, die Kunden heute<br />
verlangen, nicht mehr zuverlässig erfassen.<br />
Cristiano Zecchini, Leiter der Produktion<br />
und Werkzeugkonstruktion bei TTE, arbeitet<br />
seit Jahrzehnten an der Weiterentwicklung<br />
von Hochleistungs-Mikrowerkzeugen.<br />
Durch seine tiefgehende Erfahrung – sowohl<br />
in der praktischen Fertigung als auch<br />
in der Geometrieentwicklung – weiß er genau,<br />
wie schnell Grenzen erreicht sind,<br />
wenn die Messtechnik nicht mithält. Mit<br />
Blick auf die jüngsten Innovationen bei<br />
TTE erklärt er: „Wir betreten neues Terrain<br />
im Mikro-Werkzeugbau. Um dort bestehen<br />
zu können, muss man messen können,<br />
was andere nur schätzen.“<br />
Polierte Oberflächen streuen Licht. Geläppte<br />
Schneidkanten sind für viele Systeme<br />
kaum sichtbar. Und im Mikrobereich<br />
zählt jede Abweichung. TTE brauchte Klarheit<br />
– berührungslose, wiederholgenaue<br />
3D-Messtechnik, welche die tatsächliche<br />
Werkzeugschneide abbildet und nicht nur<br />
eine angenäherte Interpretation.<br />
InfiniteFocus G6:<br />
Unsichtbare Geometrien werden<br />
zu verwertbaren Daten<br />
Die Einführung des InfiniteFocus G6 verwandelte<br />
TTEs Qualitätsprüfung in einen<br />
datengestützten Entwicklungs- und Optimierungsprozess.<br />
Die Focus-Variation-<br />
Technologie des Systems liefert hochpräzise<br />
Messergebnisse selbst an polierten,<br />
spiegelnden oder extrem scharfen Kanten<br />
– dort, wo konventionelle Messtechnik<br />
scheitert.<br />
Mit dem InfiniteFocus G6 kann TTE:<br />
→ Oberflächenrauheit im Mikro- und<br />
Nanobereich quantifizieren<br />
→ Schneidkantenpräparation validieren<br />
→ geläppte, hochglanzpolierte<br />
Oberflächen sicher messen<br />
→ Formtreue bei komplexen<br />
Sondergeometrien prüfen<br />
→ wiederholbare 3D-Daten in jeder<br />
Entwicklungsphase erzeugen<br />
Zecchini fasst zusammen: „Mit dem G6 erreichen<br />
wir eine Genauigkeit, die uns<br />
erlaubt, Werkzeuge zu entwickeln, die wir<br />
zuvor nicht einmal analysieren konnten. Er<br />
eröffnet uns Geometrien, die vorher unsichtbar<br />
waren.“ Gerade bei Werkzeugen<br />
für NE-Metalle – wo Oberflächenreflexionen<br />
Messungen besonders erschweren –<br />
ist diese Leistungsfähigkeit entscheidend.<br />
Vom Engpass zum<br />
Wettbewerbsvorteil<br />
TTEs Qualitätsphilosophie – geprägt von<br />
Präzision, Respekt und kundenzentriertem<br />
Design – harmoniert ideal mit hochauflösender<br />
optischer Messtechnik. Die mit<br />
Bruker Alicona realisierten Messprozesse<br />
ermöglichen:<br />
◆ Schnellere Entwicklungszyklen<br />
Was früher Stunden dauerte, gelingt<br />
jetzt in Minuten. Das schafft Raum für<br />
mehr Iterationen und fundiertere<br />
Entwicklungsentscheidungen.<br />
◆ Höheres Prüftempo & Automatisierung<br />
Mit der digitalen Messplattform<br />
MetMax können Messprozesse offline<br />
vorbereitet oder autonom direkt an<br />
der Maschine ausgeführt werden –<br />
TTE's Shopfloor<br />
ohne Bedienereingriff. Das erhöht den<br />
Durchsatz und sichert Konsistenz über<br />
ganze Chargen hinweg.<br />
◆ Verbesserte kundenspezifische<br />
Lösungen<br />
Über 25 % der TTE-Produktion sind<br />
Maßanfertigungen für Spezialanwendungen.<br />
Präzise 3D-Daten<br />
ermöglichen schnellere und gezieltere<br />
Antworten auf Kundenanforderungen –<br />
ob aus der Medizintechnik, der<br />
Luxusgüterbranche oder anderen<br />
High-End-Sektoren.<br />
„Es geht nicht nur ums Messen. Es geht<br />
darum, aus jedem Werkzeug zu lernen –<br />
und das nächste noch besser zu bauen“, so<br />
Cristiano Zecchini.<br />
Qualität als Strategie in einem<br />
schwierigen Marktumfeld<br />
Während viele Industrieunternehmen ihre<br />
Investitionen aktuell reduzieren, setzt TTE<br />
ein deutliches Zeichen: Präzision ist nicht<br />
verhandelbar. Das Unternehmen zeigt,<br />
dass Spitzenleistung – besonders im Mikro-<br />
Werkzeugbau – eine bewusste Geschäftsstrategie<br />
ist, die die richtigen Technologiepartner<br />
erfordert. Denn „für uns ist<br />
Alicona keine Maschine. Es ist ein Partner<br />
in unserem Entwicklungsprozess“, erläutert<br />
Cristiano Zecchini. Diese Entscheidung<br />
spiegelt einen breiteren Trend im Advanced<br />
Manufacturing wider: Unternehmen, die<br />
in unsicheren Zeiten weiter in Innovation<br />
investieren, sichern sich die stärkste Position,<br />
wenn die Märkte wieder anziehen.<br />
Informationen: www.alicona.com<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 43
Komponenten & Zubehör<br />
Zentrale Datenplattform verbindet Shopfloor<br />
und steigert Effizienz<br />
Schneller das Werkstück produktiv in der<br />
Maschine bearbeitet und gleichzeitig die<br />
Nebenkosten minimiert – ein durchgängig<br />
integrierter Informationsfluss vom ERP<br />
bis in den Shopfloor macht dies bei<br />
BERG Spanntechnik mit dem COSCOM<br />
ECO-System möglich.<br />
Der kundige Blick in den Shopfloor offenbart,<br />
dass der Wille zur durchgängigen<br />
Digitalisierung dort viel größer zu sein<br />
scheint, als im Officefloor oder in der Entwicklung.<br />
Kein Wunder auch, denn das<br />
Streben nach Ende-zu-Ende gedachtem<br />
Prozessdesign hat in der Fertigung eine<br />
lange Tradition. Es ist die Antwort auf den<br />
Fachkräftemangel und dient dazu, durch<br />
gesteigerte Effizienz dem Kostendruck<br />
Paroli zu bieten.<br />
BERG Spanntechnik aus Bielefeld hatte<br />
entschieden, ein digitales Prozessnetzwerk<br />
mit einer zentralen COSCOM-Datenplattform<br />
mit dem Ziel einzuführen, seine IT-<br />
Insellösungen in der Produktion zu einem<br />
BERG Spanntechnik konstruiert und<br />
produziert modulare Spannsysteme für<br />
Umform- und Zerspanungsmaschinen, die<br />
an unterschiedlichsten stationären und<br />
rotierenden Schnittstellen eingesetzt werden<br />
schlagkräftigen Ganzen zu vernetzen. Alle<br />
Fertigungsinformationen werden nun<br />
übersichtlich auf einer Benutzeroberfläche<br />
präsentiert, in der Daten von verschiedenen<br />
Anwendungen aus dem CAD/CAM-<br />
System Esprit Edge und dem Werkzeugvoreinstellgerät<br />
vom Grundstücksnachbarn<br />
HAIMER aufgabengerecht auf einen Blick/<br />
Klick zusammengefasst werden. Die Vor-<br />
Ort-Visualisierung der Produktionsdaten<br />
erfolgt über COSCOM InfoPOINT-Terminals<br />
in unmittelbarer Nähe der Dreh-Fräs-Bearbeitungszentren.<br />
Prozesssichere, innovative<br />
Palettenspannung<br />
BERG ist bekannt für seine flachbauenden<br />
Spannköpfe und Nullpunktspannsysteme.<br />
Sie sind konzipiert als Schnittstelle zwischen<br />
Maschinentisch und Palette, wobei<br />
sie sich insbesondere für den automatisierten<br />
Palettenwechsel eignen. Ziel dieser<br />
Konstruktionen ist stets, mit wenig einwirkender<br />
Kraft ein hohes Haltevermögen zu<br />
erzeugen. Das Unternehmen ist auf die<br />
Konstruktion und hochpräzise Fertigung<br />
von modularen Spannsystemen für alle<br />
marktüblichen Schnittstellen in Getriebeund<br />
Motorspindeln spezialisiert.<br />
Ein weiterer Bestandteil des Produktportfolios<br />
sind Drehdurchführungen zur<br />
Übergabe von Medien wie Kühlschmiermittel,<br />
Luft oder Hydraulikölen. BERGs Maschinenpark<br />
umfasst insgesamt 18 Drehbzw.<br />
Fräszentren und Schleifmaschinen,<br />
die teilweise in Doppelschicht von gut<br />
30 Werkern bedient werden.<br />
Ein moderner Gebäudekomplex beherbergt<br />
insgesamt 5.000 m² Produktionsfläche.<br />
Das sollte nicht unerwähnt bleiben:<br />
Besonders stolz ist man auf die geringen<br />
Fertigungstoleranzen von ±1 µm bei jeweils<br />
vier gemeinsam gefertigten Nullpunktspannsystemen<br />
– das muss erst<br />
einmal einer nachmachen!<br />
Ganz vorne dabei –<br />
auch bei der Digitalisierung<br />
Die Installation des COSCOM ECO-Systems<br />
war für BERG ein großer Schritt. Der zuvor<br />
genutzte DNC-Service von Fa. DLoG konnte<br />
nach dem Umstieg auf moderne Rechner/<br />
IT-Strukturen nicht mehr installiert werden.<br />
Der Support war abgekündigt worden,<br />
nachdem der Lieferant von einem größeren<br />
Unternehmen übernommen wurde.<br />
Auch die zuvor genutzte Werkzeugverwaltung<br />
bereitete Probleme. Ein verpflichtendes<br />
Werkzeugverwaltungs-Upgrade vom<br />
Hersteller wäre in der gleichen Preisregion<br />
gewesen wie eine Neuanschaffung.<br />
„Wir waren aus Erfahrungen gezwungen,<br />
uns nach Alternativen umzusehen! Dabei<br />
sind wir auf die Möglichkeiten der Satellitenanbindungen<br />
mit einer zentralen Plattform<br />
bzw. der modularen Lösung von<br />
COSCOM Computer aus Ebersberg bei<br />
München gestoßen. Schnell wurde uns<br />
klar, wie weit uns dies bringen würde. Und<br />
das Versprechen von COSCOM von langfristigem<br />
Support bewies uns einmal mehr,<br />
dass wir mit der Entscheidung genau richtig<br />
lagen“, erinnert sich Oliver Oberkoch<br />
(CAM-Programmierung/Fertigungsplanung).<br />
Gemeinsam mit Dirk Deppe (Meister<br />
mechanische Fertigung) betreut er die<br />
COSCOM-Einführung seitdem. Dirk Deppe<br />
fügt hinzu: „Uns war klar, dass wir einen<br />
neuen längeren Digitalisierungsweg gehen<br />
und eine Menge an Arbeit vor uns<br />
haben. Aber wir waren schon froh, sicher<br />
zu sein, dass wir es dabei nur mit einem<br />
Ansprechpartner zu tun haben werden.“<br />
Schließlich mussten intern Daten miteinander<br />
abgeglichen und die Schnittstellenthematik<br />
mit den im Hause vertretenen<br />
Anbietern geklärt werden. „Für uns allein<br />
wäre das echt schwierig geworden“, erinnert<br />
sich der Meister der mechanischen<br />
Fertigung. Auch Ingo Kolberg, Senior<br />
Sales Manager bei COSCOM, lässt die Zeit<br />
noch mal Revue passieren: „Auf unser Anraten<br />
hin wollte BERG die Werkzeugverwaltung<br />
nicht einfach durch eine andere ersetzen.<br />
Schließlich hatten wir das Argument<br />
gebracht, dass es von sehr großem Vorteil<br />
wäre, zukunftsfähige Prozesse und Daten,<br />
z. B. Fertigungsinformationen, den Maschinenpark,<br />
NC-Programme, das Werkzeugmanagement,<br />
fertigungsrelevante ERP-<br />
Informationen, über eine zentrale Datenplattform<br />
gesteuert einzusetzen. Uns ging<br />
44 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Komponenten & Zubehör<br />
es dabei um den vollständigen Artikelbezug<br />
des Fertigungsauftrags vom NC-Programm<br />
bis zur Bearbeitung, also um die<br />
gesamte Prozesskette.“ Das Versprochene<br />
wurde auch eingehalten: „Jetzt ist alles<br />
wunderbar gelöst. Bezogen auf einen Artikel<br />
werden in nur einem digitalen Fertigungsdatenblatt<br />
alle relevanten Prozessinformationen<br />
zentral abrufbar angezeigt“,<br />
sagt Oliver Oberkoch begeistert.<br />
Alles kreist im zentralen<br />
COSCOM ECO-System<br />
Das neue Prozessnetzwerk von COSCOM<br />
verbindet die intern gewachsene Systemlandschaft<br />
mit ihren „Satelliten“ im<br />
Shopfloor. Der zentrale Data Hub ist<br />
FactoryDIRECTOR VM (Virtual Machining)<br />
von COSCOM, in dem alle Fertigungsinformationen<br />
strukturiert abgelegt werden.<br />
Hierzu gehören Artikelstamm- und Arbeitsplandaten<br />
aus dem ERP-System. Als führendes<br />
ERP-System nutzt BERG APplus. Alle<br />
im Shopfloor erzeugten Daten und Informationen<br />
werden nun in der zentralen Datenbank<br />
dem versionierten Fertigungsartikel<br />
und der konkreten Arbeitsfolge<br />
(Vorgang) des Arbeitsplans zugeordnet.<br />
FactoryDIRECTOR VM ist auch die operative<br />
Schaltstelle für die integrierten Anwendungssysteme,<br />
wie das CAD/CAM-System<br />
ESPRIT Edge, die virtuellen Maschinen, die<br />
DrehFräs-Bearbeitungszentren und das<br />
Werkzeugvoreinstellgerät von HAIMER. Die<br />
Visualisierung der Fertigungsdaten findet<br />
am Point of Interest über InfoPOINT VM<br />
direkt an den Werkzeugmaschinen statt.<br />
Gemeinsam an einem Tisch<br />
Die Integration der Satellitensysteme war<br />
kein Selbstläufer. Vielmehr erforderte es<br />
aktives Management, übrigens eine jahrelang<br />
erarbeitete Kernkompetenz von<br />
COSCOM. „Damit alle Systeme konzertiert<br />
zusammenarbeiten, müssen viele Interessen<br />
aufeinander abgestimmt und gebündelt<br />
werden“, erklärt Ingo Kolberg. Zu<br />
einem schlagkräftigen Team gehören die<br />
interne Projektleitung und die Shopfloor-<br />
Anwender bei BERG, die Systemanbieter<br />
wie APplus, Pimpel (CAD/CAM-System<br />
ESPRIT) und HAIMER Microset (Werkzeugvoreinstellgerät<br />
HAIMER). Den Lead bei<br />
der Prozessintegration zu übernehmen, sei<br />
sehr wichtig, denn „viele Systemanbieter<br />
wollen zwar ihre Tools verkaufen, beschäftigen<br />
jedoch keine eigenen Prozessintegratoren“,<br />
wundert sich der COSCOM-<br />
Mitarbeiter.<br />
Viele zufriedene Kunden und auch Integrationspartner<br />
sind der jahrelange<br />
Beweis, dass COSCOM sich als „Dirigent“<br />
seine Meriten verdient hat. „Inzwischen<br />
fragen uns renommierte System-, Werkzeug-<br />
und Maschinen-Anbieter, wie sie<br />
ihre Daten bereitstellen sollen, damit sie<br />
für die Shopfloor-Digitalisierung optimal<br />
genutzt werden können. Wir nutzen bei<br />
der Integration moderne REST-Services<br />
und andere moderne Kommunikationsvehikel,<br />
um diese Systeme effektiv einzubinden“,<br />
betont Ingo Kolberg. Inzwischen<br />
pflegen die Ebersberger nicht nur mit<br />
CAD/CAM-Anbietern einen intensiven Dialog:<br />
„Sie lassen ihre Schnittstellen von uns<br />
zertifizieren. Mit dem Kunden indes reden<br />
wir nicht über Schnittstellen, sondern über<br />
den Nutzen in der neuen Prozessintegration<br />
zur Erreichung der definierten Digitalisierungsziele“,<br />
stellt der langjährige Mitarbeiter<br />
klar.<br />
Die Integration birgt für BERG den Vorteil<br />
der Rüstzeitoptimierung durch das Anlegen<br />
digitaler Zwillinge der Werkzeuge.<br />
Dies hat zum Ziel, die Wiederverwendung<br />
von Werkzeugen durch die Kenntnis zu<br />
steigern, in welchem CNC-Programm für<br />
einen anderen Artikel das Werkzeug bereits<br />
verwendet wurde. Es besteht die Möglichkeit,<br />
aus dem CAM-Programm heraus<br />
mit ToolDIRECTOR VM zu kommunizieren,<br />
um bei Bedarf Werkzeuge auszutauschen.<br />
Weitere Highlights des COSCOM ECO-<br />
Systems sind neue Möglichkeiten im intelligenten<br />
Prozessnetzwerk, z.B. mit dem<br />
CAM-System, einen bidirektionalen Informationsaustausch<br />
auch „rückwärts“ durchzuführen,<br />
wenn beim gelaufenen CNC-Programm<br />
die Werkzeuge verändert wurden.<br />
Früchte trägt die Integrationsleistung<br />
noch an anderen Stellen: Das CAD/CAM-<br />
System ESPRIT lässt sich aus COSCOM<br />
ECO-System mit den Fertigungsinformationen<br />
etc. direkt starten. Wird das CAM-<br />
System beendet, sind alle Werkzeuge, die<br />
während der Programmierung im Prozess<br />
genutzt wurden, automatisch dokumentiert<br />
und transparent abgelegt. Möglich<br />
durch die Konfiguration des COSCOM ECO-<br />
Systems, deren Nutzung BERG derzeit weiter<br />
ausbaut und integriert. Es verlangt eine<br />
große Expertise, Werkzeugdaten in einen<br />
prozessfähigen digitalen Zwilling zu verwandeln.<br />
Und dies muss immer wieder<br />
unter Beweis gestellt werden, weil sich die<br />
Schnittstellen der Integrationspartner von<br />
Zeit zu Zeit ändern. COSCOM stellt daher<br />
professionelles Projektmanagement für<br />
die Prozessintegration bereit. Auch die<br />
COSCOM-Geschäftsstelle in Dortmund verfügt<br />
über ein entsprechend hochqualifiziertes<br />
Integrationsteam.<br />
Alles sauber und ordentlich<br />
Die Shopfloor-Digitalisierung macht bei<br />
BERG beachtliche Fortschritte. Inzwischen<br />
sind mehr als 5.000 Artikel angelegt,<br />
rund 15.000 CNC-Programme und mehr<br />
als 1.000 digitale Zwillinge von Werkzeugen<br />
im Zugriff. „Durch die fehlende Übersicht<br />
haben wir zuvor Werkzeuge doppelt<br />
angelegt, etwa indem das gleiche Werkzeug<br />
über zwei verschiedenen Stammdatensätze<br />
geführt wurde“, sagt Dirk Deppe.<br />
Für Klarheit sorgt auch die Verwendung<br />
des Namensgenerators innerhalb des<br />
COSCOM ECO-Systems. Dieser Mechanismus<br />
zählt automatisch die Bezeichnungen<br />
der Werkzeuge/Namen hoch. Diese Verweise<br />
sollen später ans ERP-System übergeben<br />
und dort in Tabellen abgelegt werden.<br />
Keine Frage, es geht in Siebenmeilenstiefeln<br />
voran. Ein weiteres Beispiel: Jüngst<br />
ist COSCOM upgedatet worden und somit<br />
die aktuelle Schnittstelle zu APplus freigegeben.<br />
Im Anschluss wird das ERP-System<br />
betreuende Team dies auf Herz und Nieren<br />
prüfen bzw. einsetzen.<br />
Kostenoptimierung bei der<br />
Nutzung von Werkzeugen<br />
Der Datenfluss vom ERP-System hin zum<br />
COSCOM ECO-System funktioniert bereits<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 45
Komponenten & Zubehör<br />
Damit ist bekannt, welche Top- und Flop-<br />
Listen von Werkzeugen mit welchen Ergebnissen<br />
benutzt wurden. Die Erfahrungen<br />
aus dem durchgängigen Prozess-Know-how<br />
können entsprechend zukünftig weiter<br />
wirtschaftlich genutzt werden, z. B. im Verbund<br />
ebenfalls mit dem ERP-System. Damit<br />
besteht die Möglichkeit, detaillierte<br />
Auswertungen hinsichtlich Verbräuche,<br />
Beschaffungen und reale Kostenauswertungen<br />
durchzuführen!“<br />
Hohe Akzeptanz bei den Werkern<br />
Der Maschinenpark von BERG Spanntechnik umfasst insgesamt 18 Dreh- bzw. Fräszentren<br />
und Schleifmaschinen; die Datenvisualisierung erfolgt über COSCOM InfoPOINT VM<br />
direkt an den NC-Maschinen<br />
einwandfrei. „Wir müssen aber noch prüfen,<br />
ob auch der Datenfluss zurück korrekt<br />
ist, weil in COSCOM viel mehr Shopfloor<br />
relevante Daten angelegt werden können,<br />
als dies im ERP möglich ist“, erklärt Oliver<br />
Oberkoch. Weitere Daten sollen schließlich<br />
über die noch zu implementierende<br />
Warehouse-Funktionalität von COSCOM an<br />
APplus übergeben werden können.<br />
Die COSCOM Warehouse-Module, ergänzend<br />
zum ToolDIRECTOR VM, ermöglichen<br />
eine direkte Kommunikation. Der Lagerort<br />
und die Bestandsführung von Werkzeugkomponenten<br />
und Komplettwerkzeugen,<br />
mögliche Fehlteile zu identifizieren<br />
und somit die Verfügbarkeit zu steigern,<br />
macht die Werkzeuglogistik durchgängig<br />
transparent.<br />
Die Anbindung ans prozessführende<br />
ERP-System macht den Werkzeuglogistik-<br />
Prozess komplett. Ingo Kolberg erklärt: „In<br />
ToolDIRECTOR VM gibt es einen durchgängigen<br />
Verwendungsnachweis. Mit dieser<br />
Funktion lässt sich einsehen, in welchen<br />
Artikeln, in welchen CAM/NC-Programmen,<br />
mit welchen Werkzeugkomponenten, auf<br />
welcher Maschine etc. bestimmte Werkzeuge<br />
für die Fertigung eingesetzt wurden.<br />
Oliver Oberkoch lobt das bisher Erreichte:<br />
„Alle Tätigkeiten werden in einer Benutzeroberfläche<br />
vereint abgebildet. Die Mitarbeiter<br />
müssen nicht mehr in fünf verschiedenen<br />
Systemen nach Informationen<br />
suchen. Der Schulungsaufwand hat sich<br />
so minimiert.“ Zunächst gab es Vorbehalte<br />
unter den Werkern gegenüber der neuen<br />
Arbeitsumgebung, die aber einer breiten<br />
Akzeptanz gewichen sind. Der Grund: „Die<br />
Werker haben gemerkt, dass das COSCOM-<br />
System wirklich gut ist, ja sogar besser<br />
ist, als wir es früher gemacht haben. Es<br />
können auch im Infodatenblatt ‚vernetzte‘<br />
Informationen hinterlegt bzw. zur Schichtübergabe<br />
mitgenutzt werden, z. B.<br />
Probleme, die beim Aufruf eines CAM-<br />
Programms mehrfach aufgetreten sind“,<br />
sagt Oliver Oberkoch.<br />
Informationen: www.coscom.de<br />
Effizienz trifft Nachhaltigkeit<br />
Mit SulFol GKF 1100 erweitert die<br />
oelheld GmbH ihr Produktsortiment um<br />
ein innovatives Schneidöl auf Basis moderner<br />
Gas-to-Liquid (GtL) Technologie. Die<br />
schwefel- und chlorfreie Rezeptur wurde<br />
speziell für die Bearbeitung sprödharter<br />
Werkstoffe wie schleifen, fräsen und<br />
drehen entwickelt, mit einem klaren Fokus<br />
auf höchste Bearbeitungsqualität und Umweltverträglichkeit.<br />
Dank seiner ölnebelarmen Eigenschaften<br />
sowie der hervorragenden Kühl-,<br />
Netz- und Schmiereigenschaften trägt<br />
SulFol GKF 1100 maßgeblich zur Verbesserung<br />
der Arbeitsumgebung bei. Durch<br />
die hohe Alterungsbeständigkeit, optimierte<br />
Spülwirkung und herausragende<br />
Schmierung werden nicht nur die Standzeiten<br />
der eingesetzten Werkzeuge verlängert,<br />
sondern ebenso Wartungs- und<br />
Entsorgungskosten minimiert.<br />
Mit einem Flammpunkt von über 200 ° C<br />
und einer Viskosität von 11 cSt. erfüllt<br />
das Produkt SulFol GKF 1100 nicht nur<br />
die Anforderungen unterschiedlicher<br />
Maschinenhersteller, es garantiert auch<br />
einen prozesssicheren Einsatz unter<br />
extrem anspruchsvollen Bedingungen.<br />
SulFol GKF 1100 steht für eine neue<br />
Generation von Schneidölen: leistungsstark,<br />
nachhaltig und sicher.<br />
Informationen: www.oelheld.com<br />
46 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Komponenten & Zubehör<br />
50 Jahre Granitan®:<br />
Die Erfolgsbasis für präzise STUDER-Schleifmaschinen<br />
Es herrscht eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre,<br />
während Mitarbeitende in<br />
Arbeitsanzügen sorgfältig die Form vorbereiten:<br />
sie installieren Rohre, Kabel,<br />
Platten, Gewindedübel und Schienen.<br />
Anschliessend gießt eine mächtige Maschine<br />
die zähflüssige, nach einem strenggehüteten<br />
Rezept gemischte Masse mit<br />
verschiedenen Gesteinskörnungen hinein.<br />
Es handelt sich um eine Mineralgussmischung,<br />
welche in weniger als einem<br />
Tag zu einem Hochleistungs-Maschinenbett<br />
aushärten wird. Seit 50 Jahren ist dieser<br />
Verbundwerkstoff, Granitan®, das Fundament<br />
für die berühmte Genauigkeit<br />
und Zuverlässigkeit von STUDER-Rundschleifmaschinen.<br />
„Es war eine wegweisende Innovation im<br />
Werkzeugmaschinenbau, als im Jahr 1976<br />
mit der RA5 die erste serienmäßige Rundschleifmaschine<br />
mit einem Granitan®-<br />
Maschinenbett auf den Markt kam“, sagt<br />
Lennard Vorwerk-Handing, Entwicklungsingenieur<br />
bei STUDER. Der bis dahin übliche<br />
eisenbasierte Grauguss ließ sich nämlich<br />
nur bei sehr hohen Temperaturen formen<br />
und erforderte aufwendige Nachbearbeitungen.<br />
Granitan® hingegen ist bei<br />
Raumtemperatur gestaltbar, ähnlich wie<br />
Beton. Tatsächlich hatten zuvor einige Hersteller<br />
mit zementbasierten Maschinenbetten<br />
experimentiert. „Zementgebundene<br />
Betone weisen eine signifikant größere<br />
Schwindung auf und neigen zur Feuchtigkeitsaufnahme.<br />
Die erforderliche absolute<br />
Langzeitstabilität war damit nicht erreichbar“,<br />
erklärt Vorwerk-Handing.<br />
Hochleistungsmaterial mit<br />
vielen Vorteilen<br />
Schließlich hatte das Entwicklungsteam<br />
aus Fachleuten von STUDER und einiger<br />
Partnerorganisationen die entscheidende<br />
Idee: statt Zement diente Epoxidharz als<br />
Zwei-Komponenten-Bindemittel, das langfristig<br />
stabil ist und kein Wasser aufnimmt.<br />
Der Granitan® getaufte Mineralgusswerkstoff<br />
war für Präzisionsteile geeignet und<br />
zudem auch in Eigenregie schnell und effizient<br />
formbar. Ohne aufwendiges Nachbearbeiten<br />
lassen sich damit endformnahe<br />
Maschinenkomponenten herstellen sowie<br />
Strukturen und Leitungen im Kaltgießprozess<br />
direkt in die Form integrieren. Die<br />
gegenüber Grauguss energiesparsamere<br />
Herstellung wirkt sich zudem positiv auf<br />
die Nachhaltigkeitsbilanz der gesamten<br />
Maschine aus.<br />
Die Vorteile von Granitan®<br />
auf einen Blick<br />
→ Hervorragende Dämpfung für<br />
hohe Schleifpräzision<br />
→ Thermische Stabilität für<br />
konstante Ergebnisse<br />
→ Reproduzierbare Herstellung<br />
mikrometergenauer Führungsbahnen<br />
→ Längere Werkzeugstandzeiten<br />
→ Schnelle Verfügbarkeit<br />
→ Nachhaltiger in der Herstellung<br />
im Vergleich zu Grauguss<br />
Für die Präzision im Schleifprozess war<br />
Granitan® ebenfalls eine Revolution. Denn<br />
einer der herausragenden Vorteile ist das<br />
gegenüber Grauguss etwa fünfzehnmal<br />
bessere Dämpfungsverhalten. Schwingungen<br />
werden vom Material schnell absorbiert.<br />
„Das liegt daran, dass die Kontaktflächen<br />
zwischen den Gesteinskörnern und<br />
der Bindemittel-Matrix die Schwingungsenergie<br />
effizient vernichten“, erläutert Vorwerk-Handing.<br />
Dies ist besonders beim<br />
Präzisionsrundschleifen wichtig, wo bereits<br />
kleinste Schwingungen zu Oberflächenmarken<br />
führen können. Dank Granitan®<br />
erreichen STUDER-Kunden eine höhere<br />
Produktqualität und können die Präzisionsrundschleifmaschinen<br />
auch ohne spezielle<br />
Fundamentierung betreiben.<br />
Granitan® wird stetig weiter optimiert<br />
Nicht weniger wichtig sind die hervorragenden<br />
thermischen Eigenschaften von<br />
Granitan®. Denn im Vergleich zu Grauguss<br />
kann es doppelt so viel Wärmeenergie aufnehmen,<br />
bevor sich die Temperatur um ein<br />
Grad Celsius ändert. Auch wird die Wärme<br />
im Maschinenbett bis zu 13-mal langsamer<br />
weitergeleitet. Gleichzeitig hat es aber ein<br />
ähnliches Ausdehnungsverhalten wie Stahl<br />
oder Eisen, wodurch es an Koppelstellen zu<br />
Maschinenteilen aus Metall nicht zu Spannungen<br />
kommt. Die Vorteile für die Kunden<br />
sind gewaltig: Granitan® zeigt sich<br />
robust gegenüber den im Produktionsalltag<br />
üblichen Temperaturschwankungen<br />
in Werkhallen und ermöglicht reproduzierbare<br />
Schleifpräzision selbst in nicht exakt<br />
klimatisierten Räumen.<br />
Endkonturnahes Giessen dank Granitan®-Technologie<br />
Das Kaltgiessverfahren erlaubt z.B. die Integration von<br />
Rohren und Leitungen<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 47
Komponenten & Zubehör<br />
Moderne STUDER-Rundschleifmaschinen<br />
sind High-Tech-Anlagen mit weitreichenden<br />
digitalen Fähigkeiten, sensibler<br />
Sensorik sowie Automations- und Vernetzungsfeatures.<br />
Granitan® ist aber als<br />
Maschinenbett noch immer das Fundament<br />
für die Präzision und Zuverlässigkeit,<br />
für welche das Schweizer Traditionsunternehmen<br />
mit einer über 113-jährigen Geschichte<br />
bekannt ist. Der Grund dafür sind<br />
die kontinuierliche Optimierung und Weiterentwicklung:<br />
das heutige Granitan® ist<br />
das Ergebnis intensiver Forschungs- und<br />
Entwicklungstätigkeiten in der Materialzusammensetzung<br />
und Herstellungstechnik.<br />
Seit 2009 fertigt STUDER seine Granitan®-<br />
Maschinenbetten im Rahmen eines<br />
Joint Ventures mit dem Unternehmen<br />
Schneeberger in einer hochspezialisierten<br />
Fertigungsanlage im tschechischen Cheb –<br />
weiterhin mit eigenem STUDER-Rezept<br />
und Prozessführung.<br />
Darüber hinaus gibt es heute Granitan®-<br />
Rezepturen für spezifische Anwendungen:<br />
Die Basismischung S103 bildet den massiven,<br />
hochdämpfenden Maschinenbettgrundkörper,<br />
während feinkörnige Spezialmischungen<br />
für das Eingießen von Präzisionskomponenten<br />
genutzt werden. So erlaubt<br />
die Granitan® Technologie die hochpräzise<br />
Herstellung der StuderGuide® Führungsbahnen<br />
mit Genauigkeiten im Mikrometerbereich<br />
in der werkseigenen Abformerei.<br />
Die enorme<br />
Gestaltungsfreiheit<br />
des bei der<br />
Urformung flüssigen<br />
Materials<br />
führt zu hochkompakten<br />
und wartungsfreundlichen<br />
Maschinendesigns,<br />
die mit anderen<br />
Fertigungsmethoden<br />
nicht realisierbar<br />
wären.<br />
Ein stabiles<br />
Fundament<br />
für die Zukunft<br />
Fünf Jahrzehnte nach der Markteinführung<br />
ist Granitan® zum Synonym für ein stabiles<br />
Maschinenbett geworden, das in der Branche<br />
bis heute Maßstäbe setzt. Kombiniert<br />
führen die Vorteile für Kunden zu höherer<br />
Werkstückqualität, zuverlässigerer Produktion<br />
und längeren Standzeiten. Angesichts<br />
der wachsenden Anforderungen<br />
an Präzision, Nachhaltigkeit und Flexibilität<br />
bleibt es deshalb eine unverzichtbare<br />
Basis in der spanenden Fertigung, egal ob<br />
für den Automobilbau, die Luft- und Raumfahrt,<br />
Elektronik oder Medizintechnik. Um<br />
den Erfolg seiner Kunden auch künftig<br />
sicherzustellen, investiert STUDER konsequent<br />
weiter in Optimierungen und neue<br />
Mit größter Sorgfalt wird die Gießform montiert<br />
Features. Ein spannender Ausblick in die<br />
Zukunft ist zum Beispiel die mögliche Integration<br />
von Sensorik und Elektronik direkt<br />
in das Maschinenbett, was dank des Kaltgießverfahrens<br />
möglich ist. „Granitan® ist<br />
mehr als nur ein Material, es ist ein Technologie-Baukasten<br />
und eine Plattform<br />
für zukünftige Innovationen“, sagt Rolf<br />
Grossenbacher, Verkaufsleiter Far East, und<br />
fügt hinzu: „Unser Hochleistungswerkstoff<br />
Granitan® wird auch in Zukunft dazu beitragen,<br />
dass Kunden mit STUDER-Maschinen<br />
an der Spitze des technologisch Machbaren<br />
schleifen können."<br />
Informationen: www.studer.com<br />
Kompaktes Platzwunder mit vielen Features<br />
Neu im Sortiment von SIEB & MEYER ist<br />
der besonders kompakte SD4B: Der Nachfolger<br />
des SD2B plus eignet sich vor allem<br />
für den optimierten Betrieb von schnelldrehenden<br />
Niedervolt-Synchron- und Asynchronmotoren,<br />
aber auch für den Einsatz<br />
als hochdynamischer Servoverstärker für<br />
den Betrieb von rotativen und linearen<br />
Niedervolt-Servomotoren. Somit ist er die<br />
ideale Wahl für Mikro-Werkzeugmaschinen,<br />
wie sie zum Beispiel in der Dental- und<br />
Schmuckindustrie benötigt werden.<br />
Der SD4B zeichnet sich durch ein IP20-<br />
Gehäuse in sehr kompakter Bauweise aus:<br />
Die geringe Breite von nur 25 mm benötigt<br />
äußerst wenig Bauraum. „Somit ist das<br />
Gerät ideal für alle Anwendungen, bei<br />
denen eine Niedervolt-Hochfrequenzspindel<br />
zum Einsatz kommt“, erläutert Markus<br />
Finselberger, Leiter Vertrieb Antriebselek-<br />
tronik bei SIEB & MEYER. „Denn diese<br />
Spindeln sind oft in sehr kompakten<br />
Maschinen verbaut, demzufolge ist auch<br />
der für die Elektronikkomponenten zur<br />
Verfügung stehende Bauraum im Schaltschrank<br />
begrenzt.“ Ebenso wichtig ist, dass<br />
der SD4B aufgrund seiner hochdynamischen<br />
Regelung und hohen Schaltfrequenzen<br />
eine möglichst geringe Erwärmung<br />
der Motoren bei maximaler Leistung gewährleistet.<br />
Davon profitieren die sensiblen<br />
Lager der Spindeln, sowie die Qualität<br />
der Werkstücke bei der Bearbeitung.<br />
Speziell die Schmuck- und Uhrenindustrie,<br />
aber auch der Dentalmarkt, setzt höchste<br />
Ansprüche an die Oberflächenqualität, die<br />
durch den Einsatz von Produkten wie dem<br />
SD4B, ideal erfüllt werden.<br />
Der SD4B eignet sich besonders für den<br />
Einsatz in kleinen CAD/CAM-Fräsmaschinen,<br />
wie sie zum Beispiel in Dentallabors<br />
oder in kleinen Bearbeitungszentren für<br />
Gravier-, Fräs- oder Schleifarbeiten bspw.<br />
für die Uhrenindustrie zum Einsatz kommen.<br />
„Dentalfräsmaschinen zum Beispiel<br />
sind sehr kompakt gebaut, sodass Zahnärzte<br />
sie unter anderem auch ohne Probleme<br />
vor Ort in ihren Praxen unterbringen<br />
können. Es gibt Modelle, die nicht<br />
viel größer sind als ein Brotbackautomat“,<br />
erläutert Markus Finselberger. „Entsprechend<br />
darf die Technik rund um die<br />
Spindel, also Steuerung und Antriebselektronik,<br />
nicht viel Platz einnehmen.“<br />
Hohe Taktfrequenzen eröffnen<br />
Vorteile<br />
Der SD4B ermöglicht dank hoher Taktfrequenzen<br />
von bis zu 32 kHz den sensorlosen<br />
Betrieb von Synchronmotoren bis<br />
48 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong>
Komponenten & Zubehör<br />
240.000 1/min und Asynchronmotoren bis<br />
360.000 1/min. Mit einer Kommutierungsfrequenz<br />
bis zu 64 kHz kann eine noch<br />
genauere Regelung erreicht werden.<br />
Die Notwendigkeit zur Verwendung<br />
externer Filtermodule (Motordrosseln oder<br />
Sinusfilter) wird dank der hohen Taktfrequenzen<br />
weiter gesenkt. Neben dem sensorlosen<br />
Betrieb erlaubt der Frequenzumrichter<br />
SD4B im Hochgeschwindigkeitsbereich<br />
einen sensorbehafteten Betrieb bspw.<br />
von Motoren mit überlagerter Synchronisationsfunktion.<br />
So lassen sich mehrere<br />
Hochgeschwindigkeitsmotoren im Master-/<br />
Slave-Betrieb winkelsynchron betreiben,<br />
was zum Beispiel im Bereich der optischen<br />
Systeme hilfreich ist. Die robuste Drehzahlregelung<br />
erlaubt dabei auch hohe Massenträgheitsverhältnisse<br />
zwischen Motor und<br />
Werkzeug.<br />
Mehr Sicherheit für den Bediener<br />
Dentalfräsmaschinen sind sehr kompakt<br />
gebaut – der SD4B benötigt nicht<br />
viel Bauraum<br />
Auch in der optischen Industrie, zum Beispiel<br />
für den (synchronisierten) Betrieb von<br />
Polygonscannern, wird der SD4B eingesetzt<br />
Weil auch beim Betrieb von besonders<br />
kleinen Maschinen die Sicherheitstechnik<br />
eine immer größere Rolle spielt, bietet der<br />
SD4B zudem standardmäßig die Sicherheitsfunktion<br />
STO (Safe Torque Off – sicher<br />
abgeschaltetes Drehmoment). STO<br />
gewährleistet, dass Motoren drehmomentfrei<br />
geschaltet werden bzw. ein Wiederanlauf<br />
verhindert wird. „So lassen sich steigende<br />
Anforderungen an die Maschinensicherheit<br />
kostengünstig realisieren“, betont<br />
Markus Finselberger. „Wir sehen die<br />
Entwicklung hin zu mehr Betriebssicherheit<br />
von Maschinen in vielen Branchen und<br />
reagieren entsprechend mit einer Integration<br />
wichtiger Sicherheitsfunktionen in<br />
unsere Geräte.“<br />
Wie alle Geräte der SIEB & MEYER AG verfügt<br />
auch der SD4B standardmäßig über<br />
einen integrierten Lastindikator zur hochgenauen<br />
Auswertung des drehmomentbildenden<br />
Stroms. Diese Funktion kann bspw.<br />
zur Werkzeugüberwachung hinsichtlich<br />
Überwachung von Werkzeugbruch, Werkzeugverschleiß,<br />
des Anfunkens (GAP and<br />
Crash) oder zur optimalen Regelung des<br />
Bearbeitungsvorschubs genutzt werden.<br />
Durch die Nutzung des Lastindikators profitieren<br />
Kunden von geringeren Systemkosten<br />
durch die Einsparung kostenintensiver<br />
Überwachungssensorik, z.B. Körperschallsensoren.<br />
Darüber hinaus ist beim SD4B standardmäßig<br />
eine interne Logikspannungsversorgung<br />
vorgesehen – die externe 24 VDC-<br />
Versorgung kann somit entfallen, was eine<br />
Reduzierung des Verdrahtungsaufwands<br />
ermöglicht. Speziell im Fall von Mehrachsanwendungen<br />
erlaubt die DC-Versorgungsspannung<br />
den Betrieb mit einem zentralen<br />
Netzteil; dadurch lässt sich wiederum das<br />
Gesamtsystem kostengünstiger realisieren.<br />
Kommunikation über<br />
zahlreiche Schnittstellen<br />
Auch die Parametrierung des Geräts gestaltet<br />
sich besonders einfach: über die<br />
Software drivemaster4 können anhand der<br />
Basisdaten üblicher Motordatenblätter unkompliziert<br />
Parametersätze für Synchronoder<br />
Asynchronmotoren erstellt werden.<br />
„Als Parametrierschnittstelle haben wir uns<br />
bei der SD4x-Geräteserie für eine standardisierte<br />
Ethernet-Schnittstelle entschieden“,<br />
so Markus Finselberger. „Ethernet<br />
ist der Industriestandard und speziell bei<br />
hochfrequenten Applikationen weniger<br />
störanfällig als eine USB-Schnittstelle.“<br />
Der klassische Anwendungsfall für den<br />
SD4B sind Werkzeugmaschinen für die<br />
Mikrobearbeitung zum Beispiel<br />
in der Uhrenindustrie<br />
(Copyright Fotolia: © NorGal-fotolia.com)<br />
Für die Kommunikation mit einer übergeordneten<br />
Steuerung stehen standardisierte<br />
Feldbus-Schnittstellen zur Verfügung.<br />
Der SD4B unterstützt standardmäßig<br />
die Kommunikationsprotokolle<br />
CAN, CANopen, Modbus RTU und<br />
Modbus TCP. Optional ist die Kommunikation<br />
über eine EtherCAT-Schnittstelle möglich,<br />
PROFINET und POWERLINK stehen zur<br />
Verfügung. Dies ist ein wesentlicher Vorteil<br />
im Vergleich zum Vorgänger SD2B plus.<br />
Neben einer TTL-Schnittstelle verfügt das<br />
Gerät über jeweils fünf digitale Ein- und<br />
Ausgänge, sowie die Möglichkeit Hall-<br />
Geber auszuwerten. Die Versorgung des<br />
Geräts kann bspw. mit einem Schaltnetzteil<br />
realisiert werden. Der SD4B verfügt über<br />
einen weiten Eingangsspannungsbereich<br />
von 24 V bis 80 V, was die optimale Anpassung<br />
an die spezifische Nennspannung des<br />
Motors ermöglicht. Häufig stehen passende<br />
DC-Spannungen bereits in der Maschine<br />
zur Verfügung (z.B. 24 V, 48 V) und machen<br />
damit die Integration besonders einfach<br />
und günstig.<br />
Flexibel anpassbar und einsatzfähig<br />
Das Fazit: der SD4B ist ein Problemlöser,<br />
wenn es bei kleinen Werkzeugmaschinen<br />
mit Ausgangsleistungen bis zu 1 kW darum<br />
geht, Bauraum einzusparen und gleichzeitig<br />
bei höchster Performance vom Einsatz<br />
modernster Features zu profitieren. Generell<br />
dienen die Seriengeräte von SIEB &<br />
MEYER als Grundlage für mögliche kundenspezifische<br />
Entwicklungen. „Nicht zuletzt<br />
sollte erwähnt werden, dass das<br />
Gehäuse des SD4B baugleich zum Vorgängermodell<br />
SD2B plus ist“, so Markus<br />
Finselberger abschließend. „Somit ist<br />
ein Umstieg vom SD2B plus auf die neue<br />
Geräteserie für unsere Kunden problemlos<br />
umsetzbar.“ Durch die NRTL/CSA-Zertifizierung<br />
können Anwender die Geräte ohne<br />
zusätzliche Abnahmen in Systeme für den<br />
US-amerikanischen Markt integrieren.<br />
Informationen: www.sieb-meyer.de<br />
<strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong> 49
50 <strong>dihw</strong> 18, Nr. 1 · <strong>2026</strong><br />
Terminvorschau (Stand 27.2.<strong>2026</strong>) Impressum<br />
17. – 19. März <strong>2026</strong><br />
Wernesgrüner Werkzeugsymposium, Wernesgrün<br />
„Mit Kompetenz und Mut zum Erfolg –<br />
Perspektiven der Werkzeugbearbeitung“<br />
weitere Informationen: www.fdpw.de<br />
24. – 27. März <strong>2026</strong><br />
Holz-Handwerk, Nürnberg<br />
Europäische Fachmesse für Maschinentechnologie<br />
und Fertigungsbedarf<br />
weitere Informationen: www.holz-handwerk.de<br />
14. – 17. April <strong>2026</strong><br />
PaintExpo, Karlsruhe<br />
Weltleitmesse für industrielle Lackiertechnik<br />
weitere Informationen: www.paintexpo.de<br />
20. – 24. April <strong>2026</strong><br />
Hannover Messe, Hannover<br />
Hannover Messe, Hannover<br />
weitere Informationen: www.hannovermesse.de<br />
21. – 24. April <strong>2026</strong><br />
Intertool, Wels<br />
B2B-Fachmesse im Bereich der produzierenden Industrie<br />
weitere Informationen: www.intertool.at<br />
29. April <strong>2026</strong><br />
6. Expertenforum Globale Produktion <strong>2026</strong>, Stuttgart<br />
Globale Produktionsnetzwerke neu denken<br />
weitere Informationen: : www.wzl.rwth-aachen.de<br />
05. – 08. Mai <strong>2026</strong><br />
GrindingHub, Stuttgart<br />
Alles rund um Schleiftechnik<br />
weitere Informationen: www.grindinghub.de<br />
05. – 07. Mai <strong>2026</strong><br />
SurfaceTechnology GERMANY, Stuttgart<br />
Internationale Fachmesse für Oberflächentechnik<br />
weitere Informationen: www.surface-technology-germany.de<br />
17. – 18. Juni <strong>2026</strong><br />
Weiterbildungsseminar „Werkzeugschleifen“, Tuttlingen<br />
Innovative Abricht- und Schleif-Strategien und Optimierungen<br />
weitere Informationen: www.ksf-hfu.de<br />
17. – 20. Juni <strong>2026</strong><br />
Stone+tec, Nürnberg<br />
Int. Fachmesse Naturstein und Steintechnologie<br />
weitere Informationen: www.stone-tec.com<br />
30. Juni – 02. Juli <strong>2026</strong><br />
FILTECH, Köln<br />
Platform For The Global Filtration Industry<br />
weitere Informationen: www.filtech.de<br />
ISSN 1868-4459<br />
ZKZ 30498<br />
Publisher<br />
Benno Keller<br />
+49-(0)911-2018 200<br />
keller@harnisch.com<br />
Redaktion<br />
Eric Schäfer<br />
+49-(0)911-504 98 82<br />
eric.schaefer@harnisch.com<br />
Verlag<br />
Dr. Harnisch Verlags GmbH<br />
Eschenstraße 25<br />
90441 Nürnberg<br />
Tel: +49-(0)911-2018 0<br />
Fax: +49-(0)911-2018 100<br />
Geschäftsleitung<br />
Dr. Claus-Jörg Harnisch<br />
Benno Keller<br />
<strong>dihw</strong>-info@harnisch.com<br />
www.harnisch.com/<strong>dihw</strong><br />
Objektleitung<br />
Christiane Ebner<br />
+49-(0)911-2018 260<br />
ebner@harnisch.com<br />
Mediaberatung (D, A, CH)<br />
Thomas Mlynarik<br />
+49-(0)911-2018-165<br />
+49-(0)9127-902 346<br />
Mobil: +49-(0)151-548 181 81<br />
mlynarik@harnisch.com<br />
Mediaberatung (Europa)<br />
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+49-(0)911-2018-275<br />
steinberg@harnisch.com<br />
Mediaberatung (USA, Kanada)<br />
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Czechia<br />
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Copyright © <strong>2026</strong><br />
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Unternehmensverzeichnis<br />
BENZ GmbH Werkzeugsysteme 14<br />
Bosch Rexroth AG 12<br />
Bruker Austria GmbH 43<br />
Busch Group 36<br />
CERATIZIT S.A. 26<br />
COSCOM Computer GmbH 44<br />
DVS TECHNOLOGY GROUP 20<br />
EMUGE-FRANKEN 21<br />
FDPW - Fachverband der Präzisionswerkzeugmechaniker -<br />
Wernesgrüner Werkzeugsymposium <strong>2026</strong> 17<br />
Fritz Studer AG 47<br />
GrindingHub 22<br />
Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH 27, 40<br />
HEULE Werkzeug AG 10<br />
IFW – Institut für Fertigungstechnik und<br />
Werkzeugmaschinen 30<br />
Ingersoll Werkzeuge GmbH 24<br />
Intertool 19<br />
ISCAR Germany 12<br />
KEMPF GmbH 38<br />
Lach Diamant Jakob Lach GmbH & Co. KG 6, 7<br />
Liebherr-Verzahntechnik GmbH 42<br />
Mahr GmbH 18<br />
MAPAL Dr. Kress SE & CO. KG 29<br />
NORTEC 19<br />
oelheld GmbH 46<br />
Okuma Europe GmbH 14<br />
phi – Produktionstechnik Hannover informiert 8<br />
Sandvik Tooling Deutschland GmbH 15<br />
Seco Tools GmbH 15, 27<br />
SIEB & MEYER AG 48<br />
Supfina Grieshaber GmbH & Co. KG 37<br />
Tungaloy Corporation 28<br />
Universität Kassel 20<br />
VDMA 13<br />
VDWF - ISTMA 16<br />
VOLLMER WERKE Maschinenfabrik GmbH 35<br />
WGP - Wissenschaftliche Gesellschaft<br />
für Produktionstechnik 10<br />
WZL Werkzeugmaschinenlabor RWTH Aachen 18<br />
Inserentenverzeichnis<br />
Finzler, Schrock & Kimmel GmbH 9<br />
GrindingHub 11<br />
Heule Werkzeug AG 3<br />
Intertool 17<br />
Lach Diamant Jakob Lach GmbH & Co. KG<br />
Titel<br />
MKU®-Chemie GmbH 51
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